Über Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung

Eine fast reale Geschichte

Neulich im Wartezimmer meines neuen Hausarztes.

An der Wand hing eine Approbationsurkunde mit seinem vollständigen Namen. Der erinnerte mich an einen ehemaligen Klassenkameraden gleichen Names, vor 20 Jahren ein drahtiger und langhaariger Kerl.

Doch als ich den Arzt sah, verwarf ich den Gedanken. Dieser wohlgenährte, grauhaarige Mann mit der knubbeligen Nase war viel zu alt, um in meiner Klasse gewesen zu sein.

Nachdem er mich untersucht hatte, fragte ich ihn trotzdem, woher er komme und ob er zufällig meine Schule besucht hätte. „Ja“, antwortete er. Ich: „Wann haben Sie das Abi gemacht?“, Er: „1987, warum?“ „Sie waren in meiner Klasse“ antwortete ich. Er betrachtete mich aufmerksam und fragte dann: „Und was hatten Sie unterrichtet?“

 

angelehnt an „Leicht verschätzt“ von Peter Kottlorz auf SWR3

Der schlimmste Fehler

„Der schlimmste Fehler in diesem Leben ist, ständig zu befürchten, dass man einen macht.“

Elbert Hubbart

Selbstlob tut gut

Also … ganz im Vertrauen … ich lobe mich selbst. Nicht immer, aber immer wieder. Und es tut mir gut.

Ich lobe mich für kleine genauso wie für große Erfolge. Wenn etwas so wie geplant funktioniert hat. Wenn ich Meilensteine und Budget eingehalten oder sogar übererfüllt habe. Dann freue ich mich wie ein Schneekönig, bin stolz auf mich selbst, und sage mir das im Stillen auch: „Velten, hast Du gut gemacht!“

Jetzt ist es nicht so, dass ich von Anderen keine Anerkennung bekommen würde. Ich hatte meistens das Glück, Kollegen und Vorgesetzte zu haben, die mich und meine Leistung anerkannt und wertschätzen. Ich empfand dies immer als Privileg. Denn ich weiß, dass es nicht selbstverständlich ist und viele ohne diese Wertschätzung durch Andere auskommen müssen.

Und gerade dann ist es umso wichtiger, sich selber Anerkennung zu geben, die eigene Leistung selbst anzuerkennen. Die Freude über den eigenen Erfolg hat für mich auch etwas mit Selbstwert zu tun; der Wert, den ich mir selber gebe.

Offen gesagt dachte ich lange, es wäre völlig normal, sich über die eigene Leistung zu freuen. Selbstverständliches Mittel intrinsischer Motivation. Lob ist erwiesenermaßen der beste Motivator. Wenn ich mich selber lobe, motiviere ich mich selber. So empfinde und erlebe ich es. Das hat mich durch viele schwierige Situationen getragen.

Doch mittlerweile habe ich gelernt, dass es alles andere als normal und selbstverständlich zu sein scheint. Mir begegnen immer wieder Menschen, die ein echtes Problem damit haben, sich selbst zu loben, die eigene Leistung wertzuschätzen.

Ich denke aber, dass Erfolge nicht selbstverständlich sondern meist hart erarbeitet sind. Deswegen darf man auch selber stolz darauf sein! Nicht die selbstverliebte und gockelhafte Form des Eigenlobs … sondern berechtigtes inneres Selbstlob für reale Leistung. Kein Stolz, der die eigene Person überhöht. Sondern die Freude, dass man etwas Gutes abgeliefert hat.

Wenn ich mich selber und meine Leistung nicht wertschätze … warum sollten es Andere tun?

There is no conversation more boring …

There is no conversation more boring than the one where everybody agrees.

Michel de Montaigne

Don´t go Schiphol!

Nachdem ich vor kurzem gelernt habe, dass nette Tipps unter Kollegen neuerdings „Work-Hacks“ heißen, will ich es mir nicht nehmen lassen, auch einmal einen Work-Hack beizutragen.

Also, hier kommt’s …

Bei Business-Flügen mit Zwischenstopp wird immer wieder auch Amsterdam Schiphol als Umsteigeplatz angeboten. Schiphol ist eines der grössten europäischen Drehkreuze für Flugdestinationen weltweit.

Aber wenn Sie Amsterdam-Schiphol als Umsteigeplatz vermeiden können … tun Sie es!

Tranfers @Schiphol wünscht man seinem ärgsten Feind nicht.

  1. Das Flugfeld ist riesig, und zwischen Landebahn und Gate kurvt der Flieger nach der Landung immer locker 15-20 Minuten durch das niederländische Flachland.
  2. Der Flughafen ist riesig, und Ankunft- und Abflug-Gates sind offenbar grundsätzlich an den jeweils entgegengesetzten Ecken arrangiert.
  3. Zu allem Überfluss muss man im Transfer auch nochmals durch eine Sicherheitskontrolle. Wenn’s blöd läuft, stehen da 500 Touristen mit großem Gepäch, wie mir schon einmal passiert.
  4. Anschlussflüge warten nicht. Dafür werden am Großflughafen Schiphol einfach zu viele Starts abgewickelt. Das ist eng getaktet.

Ich habe es mal kurz überschlagen. Zeitbedarf für Transfer = 15-20 Minuten für’s Cruisen auf dem Rollfeld + 10-20 Minuten fürs Offboarden (je nach Sitzplatz) + 15-30 Minuten Rennen (je nach Konstitution) + 5+x Minuten Sicherheitskontrolle + 2-10 Minuten Rennen zum Abflug-Gate … und die (frühere) Boarding-Time ist noch gar nicht berücksichtigt. Fazit: Bei Transferzeiten unter einer Stunde rennt man … weit! … und wenn der Flieger nur etwas verspätet ist, verpasst man in der Regel seinen Anschluss.

Also: Don’t go Schiphol!

Und es beschwer‘ sich keiner, ich hätte nichts gesagt …

Über Life-Hacks und Work-Hacks

„Live-Life-Hacks“ von Markus Rohwetter in der ZEIT #09 2017. Genial geschrieben, nichts hinzuzufügen, macht Spaß, zu lesen. Ich erlaube mir, zu zitieren …

Jede Zeit hat ihre Floskeln. Und wenn Sprachforscher die 2010er Jahre irgendwann einmal auf ihre Worthülsen hin untersuchen sollten, stoßen sie sicherlich auf Hacks. Inspiriert von der gesellschaftlichen Leitfigur des Hackers, umschreibt das Hacken eine Tätigkeit, die vorher noch nie getan wurde. Zumindest nicht so. Oder unter dieser Bezeichnung. Bei Life-Hacks zum Beispiel.

Man kann ein zerknittertes Sakko in den aufsteigenden Wasserdampf eines heißen Duschbades hängen, damit die Falten rausgehen. Das ist ein Life-Hack. Irre, oder? Hätte Großmutter das empfohlen, wäre ihr gut gemeinter Rat als „Omas Haushaltstipp“ belächelt und ignoriert worden. Als Life-Hack jedoch ist er sehr nützlich. Nicht zu verwechseln sind Life-Hacks übrigens mit Live-Hacks, wo Hacker live, also in Echtzeit, etwas hacken. Live-Life-Hacks sind durchaus möglich. Wenn Sie zum Beispiel einem Hacker zuschauen, der genau in diesem Moment sein zerknittertes Sakko in eine Dusche hängt, dann ist das einer. Ja, die Zeiten sind aufregend.

Natürlich gibt es noch viele andere Hacks. Über Work-Hacks werden sogar schon Bücher geschrieben. Man kann im Büro bunte Post-its mit seinen Gedanken vollschreiben und an die Wand kleben. Oder sich mit den Kollegen kurz im Stehen besprechen, statt sich hinzusetzen. Work-Hacks setzen disruptive Energien frei und erschließen Kreativitätspotenzial.

Dass zur guten Arbeit gutes Essen gehört, hat sich auch herumgesprochen und ist ebenfalls ein Work-Hack. Und natürlich regieren auch in Küchen und Kantinen längst die Hacker. Nicht jene Menschen, die das Betriebssystem eines Thermomix tunen können. Sondern Leute, die wissen, wie man Blätterteig macht. Wahnsinn. Ein Food-Hack der Premiumklasse. Ebenso wie der, dass man ein Dutzend Marshmallows gleichzeitig grillen kann, wenn man sie auf die Spitzen einer Laubharke steckt. What a time to be alive.

Markus Rohwetter, DIE ZEIT, Ausgabe 9/2017 v. 23.02.2017

Die Schöpfer alternativer Fakten

Ich erinnere mich noch gut an einen vorpubertären Jungen, den ich einst darauf ansprach, warum er mit viel roher Gewalt einen Baum verletze, und der mich mit großen Augen ansah und mir versicherte, er sei das nicht gewesen … „Neeeiiiin, das war ich nicht!“ … während er ein mit Holzspänen verklebtes Beil in der Hand hielt, welches er kurz zuvor aus meinem Arbeitskeller stibitzt hatte.

Baum mit Kerbe + Junge mit Beil in der Hand + beide zur selben Zeit am selben Ort = … ! Nun ja, damals bekam ich eine sehr bodenständige Vorstellung von dem, was heute „alternative Fakten“ genannt wird.

Jahre später …

„Neeeiiin, ich habe keine Kombattanten auf die Krim geschickt und keine Waffen in die Ostukraine, mit denen ein niederländisches Flugzeug abgeschossen wurde!“

Wiederum wenig später …

„Neeeiiin, ich hatte die meisten Teilnehmer einer Präsidentenvereidigung ever!“

Irgendwie habe ich ein déja-vu …

 

Mancher auf diese Aussagen folgende Kommentar hörte sich nun so an, als wären Trump, Putin, Erdogan und manche Vertreter der AfD (die ich durch Namensnennung nicht unnötig aufwerten möchte), als seien diese die Schöpfer des Konzeptes „alternativer Fakten“.

Doch sie sind es nicht. Das Konzept ist ganz und gar nicht neu!

 

Die Wochenschaupropaganda über großartige Siege an der Ostfront, während zur selben Zeit eine ganze Heeresgruppe elendig verreckte, sind im kollektiven Gedächtnis bis heute präsent. Alt-Nazis und Neofaschisten schwärmen bis heute von der „tollen Zeit“ und dass „nicht alles schlecht war“. Da existiert 70(!) Jahre später und trotz intensiver Aufarbeitung und der Existenz Unmengen dokumentierter Echt-Fakten immer noch eine alternative Wahrnehmung.

Anderes Beispiel. Die glücklicherweise genauso  von der Geschichte geschluckten Stalinisten im alten Sowjetreich und der DDR lugen sich mit „alternativen Fakten“ eine komplette alternative Realität in die Tasche. Wesentliche Teile der Partei „DIE LINKE“ und andere Ewig-Gestrige tun das bis heute. Putin ist ein Kind der postfaktische Gesellschaft der UdSSR. Der proaktive agitierende Einsatz „alternativer Fakten“ gegen politische Gegner im Allgemeinen und den Westen im speziellen sind für ihn selbstverständlich. Er wurde darin ausgebildet und konditioniert.

Last not least noch ein Beispiel aus persönlichem Erleben, abseits der Weltgeschichte und im realen Alltag. Seit meiner Zeit als junger Biologiestudent muss ich mich in Sachen Gentechnologie mit Unmengen wirren Thesen,  „alternativen Fakten“ und Verschwörungstheorien von Greenpeace, BUND und anderen Lobbygruppen auseinandersetzen. Bis heute arbeiten diese überaus erfolgreich mit postfaktischen Mitteln.

„Alternative Fakten“ werden wahrscheinlich als politisches Instrument eingesetzt, seitdem es Menschen gibt. Das macht es nicht besser. Aber es auf Trump, Putin und Co. zu begrenzen, ist mir zu engstirnig.

 

„Alternative Fakten“ sind nicht neu und bei weitem kein Privileg von politisch Rechten und Narzissten. Allen gemeinsam sind ein unbedingter Wille zur Macht, die Rücksichtslosigkeit bei der Wahl der Mittel, eine Unterordnung der Realität unter die eigene Vorstellung, eine ungesunde Überbewertung des Bauchgefühls, die Unlust, sich selber zu hinterfragen, sowie eine offen zur Schau getragene Gleichgültigkeit gegenüber Fakten, Daten und der Realität.

Das Verhalten von Trump, Putin, Erdogan und auch einzelnen AfD Vertretern erinnert mich manchmal schon sehr an den kleinen Jungen, der damals mit großen Augen und einem frisch benutzen Beil in der Hand vor mir stand und mir versicherte, das wäre ja alles ganz anders gewesen.