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Ein Onlinemagazin wird geboren (1/3) … Wie die Jungfrau

Zufall und Strategie

 

Wie das Leben so spielt. Ich selber bin zum Onlinejournalismus gekommen, wie die Jungfrau zum Kinde. Es geschah einfach. Anfang 1999 schlug ich mich als Freiberufler mit einem kleinen Büro für Informationsrecherchen und Webdesign durch. In personam ein typisches Produkt des damals herrschenden Gründungsfiebers. Ich war jung, dynamisch … und noch nicht besonders erfolgreich. Genau die richtigen Rahmenbedingungen, um nach jedem Strohhalm zu greifen.

1. Etappe

Einer von vielen Strohhalmen flog mir in Form eines Anrufs einer Mitarbeiterin eines mittelständischen Fachverlages zu. Anfangs war ich leicht verwirrt. Ich selber hatte diesen Verlag eine Woche zuvor schriftlich kontaktiert, um für eine Anzeigenschaltung die aktuellen Mediadaten (Anzeigenpreisliste) anzufordern. Aber die junge Dame, die ich nun am Telefon hatte, erzählte mir stattdessen irgend etwas von „News“ und „Projekt“ und „Recherchen“. Es dauerte einen Moment, bis ich geschaltet hatte, dass nicht sie mich als Kunden haben sondern selber fachliche Unterstützung suchte. Nach und nach kam heraus, dass meine Gesprächspartnerin in Personalunion einerseits Anzeigenakquise für eben das Fachblatt machte, für das ich zuvor nach Mediadaten angefragt hatte, und gleichzeitig ein neues Pilotprojekt des Verlages betreute: eine neuartige Publikation, ein gedruckter Newsletter mit schlichtem Layout und ganz ohne Anzeigenwerbung. Nackter Text ohne Ablenkung. Kurz, prägnant, gezielt – Fakten, Fakten, Fakten.

Ich war einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort … ungeplant und unerwartet. Und als mich der Verlagsleiter dann auch noch fragte, ob ich mich nicht um den gesamten Produktionsprozess bis zur Lieferung der Druckdaten an die Druckerei kümmern könnte, nahm ich an. Ein Layout wurde entwickelt, verbindliche Richtlinien für Form und Zusammensetzung der Inhalte wurden erstellt. Jede Woche reservierte ich eine feste Zeit für vorbereitende Recherchen nach Branchennachrichten, Pressemitteilungen, Veranstaltungshinweisen und Hintergrundinformationen. Jeweils die dritte Woche jedes Monats war die „Intensivphase“, in welcher die eigentlichen Inhalte erstellt, redigiert, formatiert und gesetzt wurden. Im Laufe der Zeit erweiterten wir unser kleines Team um freie Mitarbeiter, die uns Routineaufgaben wie Ordnen, Redigieren und Formatieren abnahmen. Eine erste, noch sehr einfach gestrickte Redaktionsinfrastruktur entwickelte sich. Es war eine enorm herausfordernde und anstrengende, aber gleichzeitig auch sehr spannende und lehrreiche Zeit.

Durch die enge Zusammenarbeit mit dem Verlag bekam ich nach und nach einen Einblick in die Arbeitsweise von Redaktionen und die Produktion von Fachmagazinen. Es entwickelten sich weitere Projekte bei denen wir anderen Fachredaktionen im selben Haus mit redaktionellen Inhalten zuarbeiteten: News, Veranstaltungshinweise, Themenseiten, Interviews. Weitere Mitarbeiter kamen hinzu und schließlich hatten wir in unserem Büro einen kompletten redaktionellen Workflow etabliert. Dies alles in einer Zeitspanne von nur ungefähr 15 Monaten.

Probleme, Probleme …

Nach einem Jahr wurde deutlich, dass ein monatlich erscheinendes Printmedium dem Anspruch „Latest News“ nicht gerecht werden konnte. Zu dem Zeitpunkt, wo die „News“ beim Leser auf dem Tisch lagen, hatten Sie schon mindestens 1 Woche Druck und Versand, davor 3 Tage Produktion und Satz und im ungünstigsten Fall davor noch 3-4 Wochen Ablage hinter sich. Das ließ sich nun wirklich nicht „latest“ nennen! Ein Druckperiodikum mit monatlicher Frequenz kann nicht topaktuell sein, das ist ein Widerspruch in sich.

Ein weiteres Problem war, dass wir mit dem veranschlagten Jahresabonnementpreis im dreistelligen Euro-Bereich nicht genug Abonnenten für eine gesunde Finanzierung des Projektes gewinnen konnten. Wir bekamen Lob für die mutige, unabhängige und inhalteorientierte Aufmachung, aber bezahlen wollte dann doch keiner dafür.

Wir entwickelten Lösungen. Erste von vielen Ideen: Erscheinungsfrequenz erhöhen. Doch es wurde schnell klar, dass dies keine echte Weiterentwicklung war. Der Aufwand an Endproduktion pro Monat würde genauso wie Druck- und Versandkosten erhöht werden, ohne die Perspektive, dass sich die Aktualität wirklich überzeugend verbessert hätte.

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Ein Kommentar zu “Ein Onlinemagazin wird geboren (1/3) … Wie die Jungfrau

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