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Medium Online (2/3) – Biotop Onlinemedien

Eigenarten von Onlinemedien

Die nächste Frage liegt schon auf der Zunge: Was ist denn der Unterschied zwischen einem „normalen” Journalisten und einem Onlinejournalisten? – Antwort: Auf den ersten Blick gibt es keinen. Es ist prinzipiell dieselbe Tätigkeit, nur für ein jeweils anderes Medium. Alle Journalisten und Redakteure haben eine elementare Gemeinsamkeit. Sie stellen gerne Fragen. Sie sind neugierig und interessiert. Aber sie sind auch kritisch und hinterfragen. Sie bereiten Informationen und Themen auf und leisten vor. Online genauso wie offline.


Journalisten (on- und offline) bereiten Themen auf. Sie sind oft Vermittler zwischen Fachleuten/Insidern und der interessierten Öffentlichkeit.


 

Doch auf den zweiten Blick muss man meine Bemerkung „dieselbe Tätigkeit, nur für ein jeweils anderes Medium“ als sattsam untertrieben ansehen. Zumal dieses andere Medium ja tatsächlich aus ganz unterschiedlichen Medienformen – wie zum Beispiel Websites, Email-Newsletter, Versionen für mobile Endgeräte – besteht, die sich überdies noch im permanenten Wandel befinden. Beispielsweise sind die inzwischen bereits so beliebten Blogs eigentlich erst vor relativ kurzer Zeit zu dem professionellen Onlinemedienpotpourri hinzugestoßen.

Es wird schnell deutlich, dass Onlinemedien Eigenarten haben, auf die man sich einstellen und mit denen man umgehen muss:

  • Pluralität – Es gibt eine Reihe unterschiedlicher Onlinemedien, über die alternativ, parallel oder miteinander verknüpft publiziert werden kann.
  • Medienkonsistenz – Es gibt keine Medienbrüche mehr. Die gesamte Redaktion, Publikation und Nutzung läuft in einer durchgehend elektronischen/digitalisierten Produktionsschiene. Scanner, Satz, Film, Repro, Druck, Versand, etc. entfallen in der Regel.
  • Geschwindigkeit – Onlinemedien funktionieren schneller. Es wird heute fast selbstverständlich vorausgesetzt, dass eine Meldung wenige Minuten nach dem Ereignis in den entsprechenden Onlinepublikationen zu lesen ist. Das bedeutet für den Onlineredakteur einen im Vergleich zu seinem Printkollegen deutlich größeren Zeitdruck.
  • Nutzerfokussierung – Inhalte und Layout können gezielter auf die Bedürfnisse der Leser- und Nutzergruppen ausgerichtet werden. Das Leserverhalten kann detailliert ausgewertet und als konstruktives Feedback für die eigene Arbeit genutzt werden.
  • Interaktivität – Onlinemedien bieten ganz eigene Möglichkeiten, mehr über seine Leser zu erfahren und im Idealfall sogar einen Dialog mit Ihnen aufzubauen.
  • Dynamische Darstellung – Eine weniger inhaltlich aber konzeptionelle und gestalterische Herausforderungen ist die Tatsache, dass Onlinepublikationen bei verschiedenen Lesern unterschiedlich dargestellt werden. Es gibt kein absolutes, statisches Layout. Aber auch die ganze Publikation an sich bzw. Teilinhalte können innerhalb kürzester Zeit veränderten Rahmenbedingungen angepasst werden. Beispielsweise muss für das Einrichten einer neuen Rubrik nicht das gesamte Layout neu gestaltet werden. Auch können die Inhalte nachträglich verändert werden.
  • Vernetzung – Es gehört zum Charakter jeder Onlinepublikation, dass sie über Verweise (Links) Teil eines größeren Ganzen ist, ein Kapitel des Metadokumentes Internet. Diese integrierte Vernetzung wirkt sich auf das Leserverhalten aus, und bietet Vor- genauso wie Nachteile.

Sie sehen, die neuen Medien stellen den Redakteur/Journalisten vor neue Probleme – z.B. den erhöhten Zeitdruck – aber haben auch das Potenzial für ganz neue inhaltliche und journalistische Formen, die so in den klassischen Medien bisher nicht realisierbar waren. Ich denke hier vor allem an die Interaktion mit dem Leser, die Integration von Inhalten unterschiedlicher Formate (Text, Bild, Audio, Video) sowie die Möglichkeit individueller Informationsnutzung und Personalisierung.



 

Die Branche

Anfang dieses Jahrtausends litten die Onlinemedien genauso wie die Printverlage an einer großen Branchendepression. Selbst große Printredaktionen, wie beispielsweise die der F.A.Z., taten das lange unaussprechliche und entließen Mitarbeiter im bis zu dreistelligen Bereich. Redaktionen wurden zusammen gelegt, Beilagen und ganze Rubriken wurden gestrichen, Ausbildungsplätze fielen weg. Jeder Euro wurde zweimal umgedreht. Jede Ausgabe musste rechtfertigbar sein. Und doch erschien es mir, dass etablierte(!) Onlinepublikationen nicht ganz so hart von der Krise getroffen waren. Vielleicht weil die Konsolidierung bei ihnen schon vorher stattgefunden hatte. Vielleicht aber auch, weil Onlinepublikationen schon lange systematisch auf die Nutzung von Synergien und die Vermeidung von Redundanzen bauen. Bestimmte Aufgaben – wie beispielsweise Recherche oder Layoutarbeiten – sind bei den Großen der Branche längst zentralisiert, Schnittstellen und Überscheidungen mit den Print-Schwestern werden konsequent ausgenutzt und die Redaktionen so schlank und flexibel gehalten.

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2 Kommentare zu “Medium Online (2/3) – Biotop Onlinemedien

  1. Pingback: Medium Online (3/3) – Verleger ohne Verlag | VELTENSicht

  2. Pingback: Medium Online (1/3) – Was ist eigentlich ein Onlinejournalist? | VELTENSicht

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