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Ade Badische Zeitung!

Als wir vor etwas mehr als drei Jahren ins schöne Markgräflerland gezogen waren, lag es nahe, eine Regionalzeitung zu abonnieren.  Schließlich wollten wir  mitbekommen was das schöne Baden so an Kultur, Genuß und Veranstaltungen zu bieten hat. Platzhirsch war (und ist) die Badische Zeitung (BZ).

Ich war auch anfangs durchaus angetan. Sonst persönlich kein Freund von Lokal- und Regionalzeitungen (das ist ausdrücklich nicht abwertend gemeint, sondern einfach nur persönliche Lesepräferenz), haben mir Aufmachung und grundsätzliche Inhalte von Anfang an sehr gefallen. Ich will gar nicht sehr ins Detail gehen, sondern lediglich betonen, dass ich die BZ für eine der besten Regional/Lokalzeitungen mit politischem Anspruch hielt, die ich bis dahin kennengelernt hatte.

OK, zugegeben, manchmal hatte ich schon den Eindruck, dass es politische Tendenzen gab, aber es blieb immer im akzeptablen Rahmen. Und welche Zeitung mit ernsthaft politischem Anspruch schafft es schon komplett neutral zu bleiben?

Doch dann kam die causa Guttenberg.

Ich will jetzt hier ausdrücklich kein Fass aufmachen und Grundsatzdiskussionen zur moralischen Integrität von Herrn zu Guttenberg anfangen. Ob er unhaltbar ist oder zu unrecht verfolgt, darüber soll an anderer Stelle entschieden werden.

Mir geht es viel mehr darum, wie medial und in der Presse damit umgegangen wurde und immer noch wird. Meiner Meinung nach hat ein Grossteil der deutschen Presse und Medien in Sachen objektiver Berichterstattung grob versagt. Der mediale Aufstand war bezogen auf den realen Vorwurf bzw. das tatsächliche Fehlverhalten völlig unangemessen.

Man muss es sich einmal in Erinnerung rufen. Es gibt einen amtierenden Parteivorsitzenden, der vor weniger als 10 Jahren wegen persönlicher Vorteilnahme im Amt zurück trat und heute … wieder dieselben Ämter bekleidet (wobei anzumerken sei, dass bei diesem damals eine ähnlich unverhältnismäßige mediale Hetze veranstaltet wurde). Wir haben Abgeordnete, die auf der Gehaltsliste fremder Geheimdienste standen. Wir haben politische Frontleute, die als informelle Mitarbeiter der StaSi geführt wurden. Wir hatten Minister, die in jüngeren Jahren PLO Terrorcamps besuchten und sich aktiv als Demo-Schläger betätigten.

Jetzt ist da einer, der hat doch tatsächlich … Fussnoten vergessen. Ach Du meine Güte! Was für ein böser böser Bube!

Man muss kein Guttenberg-Anhänger sein, um Mitleid zu empfinden und sich an Pranger und Treibjagd erinnert zu fühlen. Ich selber bin – ganz offen gesprochen – nur noch abgenervt von dem penetranten und opportunistischen Guttenberg-bashing. Man könnte fast meinen, die deutsche Medienlandschaft dreht kollektiv durch. Seit Monaten wird mit allen Mitteln (so hat es den Anschein) versucht, Guttenberg zu demontieren. Und zwar nicht politisch-inhaltlich, sondern vor allem persönlich. Kolumnen und Kommentare, Worte und Sätze werden als Waffe verwendet. Und die Verhältnismässigkeit der Mittel ist nicht gewahrt. Die Wertigkeiten stimmen nicht mehr.

Auch  in der Badischen Zeitung wurde der Fall Guttenberg über viele Wochen hinweg penetrant beackert als gäbe es sonst nichts auf der Welt. Dies vor allem in den Leitkommentaren auf der ersten Seite, die sich meiner Meinung nach zunehmend einseitig entwickelten und journalistischen Maßstäben verließen. Von kleinen, versteckten, unterschwelligen Bemerkungen und Seitenhieben in anderen Rubriken mal abgesehen. Ich bin ein großer Freund von Meinungsvielfalt und Meinungsstreit. Aber die Form, in welcher das Thema eben auch in der BZ behandelt wurde, ging für mich über ein gesundes Maß hinaus. Am Ende war die BZ-Lektüre für mich keine wirkliche Freude mehr. Es gab gleichzeitig wahrhaft wichtigeres in Deutschland und der Welt, das mich mehr interessiert hätte.

Nach längerer Bedenkzeit entschl0ß ich mich nun, in der Zukunft auf die Badische Zeitung zu verzichten. Es ist für mich persönlich ethisch nicht vertretbar, journalistisches Fehlverhalten mitzufinanzieren. Von meiner Zeitung erwarte ich, daß sie für mich schreibt, und nicht, daß Redakteure verbale Selbstbefriedigung betreiben, indem sie sich an gerade missliebigen Politikern – egal welcher Couleur – abarbeitet.

Nun mag es sein, daß ich durch den überzogenen Medien-Hyphe mittlerweile übersensibel bin (oder eher übersensibilisiert?). Doch die BZ steht für mich stellvertretend für eine konkrete Fehlentwicklung und konkretes Fehlverhalten vieler Pressevertreter in Deutschland. Und daß Andere dasselbe machen, darf für ein Presseerzeugnis mit qualitativem Selbstanspruch sowieso nie ein Argument sein.

Daher bleibt mir nur noch zu sagen: „Ade Badische Zeitung!“

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