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Wo findet man hochqualitative Patentinformationen?

switch to English versionFür viele IP-Schaffenden ist es eine echte Herausforderung, zu wissen wo und wie man auf aktuelle und hochqualitative Patentinformationen zugreifen kann.

OK, für einfache Suchen, wie beispielsweise nach einer Patentnummer, einem konkreten Erfinder oder Anmelder, einer bekannten Patentüberschrift, und so weiter, gibt es eine Reihe einfach zu nutzender Internetquellen, die durch nationale und internationale Patentämter zur Verfügung gestellt werden. Beispielhaft nenne ich esp@cenet (EPODOC), DEPATISnet und die USPTO Datenbanken.

Eine weitere spannende Quelle für einfachere Recherchen – vor allem im Kontext pharmazeutische Entwicklung –  ist DrugPatentWatch. Allerdings leider kostenpflichtig.

Für komplexere Informationsrecherchen jedoch, wie nach dem nach umfassendem FTO, bei einer Patentverletzung oder für eine angestrebte Patentannullierung, für eine Patentportfolioanalyse oder statistische Auswertungen, braucht es noch besser Hilfsmittel für die Durchführung effizienter(!) und letztlich erfolgreicher Recherchen. In diesen Fällen konsultieren Profis hochspezialisierte Datenbanken bei Datenbankhosts wie STN, Lexis-NexisDialog und anderen.

Aber was ist ein „Datenbankhost“? Hosts bieten einen zentralen Zugang zu vielen Datenbanken unterschiedlicher Produzenten. Die wesentlichen Vorteile liegen darin …

 

  • Hosts geben Zugang zu professionellen Datenbanken, die verbesserte, hoch-qualitative und zuverlässige Patentinformation zur Verfügung stellen,
  • Hosts bieten eine einheitliche und zentrale Suchoberfläche, über welche die Nutzer ganze Gruppen (selbst)ausgewählter Datenbanken simultan durchsuchen können,
  • Sie können jederzeit selber entscheiden, welche Datenbank(en) sie aus dem Gesamtbestand miteinbeziehen möchten,
  • Sie müssen bei vielen Rechercheaufgaben weitgehend nicht mehr auf individuellen Datenstrukturen und -logiken einzelner Datenbanken Rücksicht nehmen, da ein datenbankübergreifendes harmonisiertes Datenmodell angeboten wird,
  • die Daten verschiedener Datenbanken sind teilweise miteinander verknüpft,
  • und … es gibt nur eine Rechnung.

Der Hauptnachteil der Hosts ist, dass sie nicht umsonst sind, und dass man in der jeweiligen spezifischen kommandozeilebasierten Retrieval-Sprache geübt sein sollte. Denn erst diese sogenannten Retrievalsysteme bieten wirklich leistungsstarke Such- und Analysetools. Die Hosts sind sich dieser Hürde durchaus bewusst, und sie versuchen seit Jahren über alternative Lösungen neue Kunden zu gewinnen, welche nicht so firm mit professionellen Retrievalsprachen- und -systemen sind. Beispielsweise offerieren sie immer öfter webbasierte Suchmasken. Doch, um ganz offen zu sein … ich habe bisher keine Suchmaske für professionelle Fachdatenbanken gesehen, welche auch nur annähernd vergleichbar vielseitige und effiziente Funktionalitäten bieten konnte, wie eine Retrievalsprache.

Welchen Host sollte ich verwenden?  Die meisten Hosts haben einen inhaltlichen Schwerpunkt. STN konzentriert sich auf naturwissenschaftliche Informationen (Biotech, Pharma, Ingenieurswissenschaften, Werkstoffkunde, usw.), Dialog auf Business und Marktinformationen und Lexis-Nexis auf Rechtsinformationen. Interessanterweise bieten die meisten Hosts auch Patentdatenbanken, da dieser Bereich einer der lukrativsten ist … ein Schelm, der Arges dabei denkt. Ich selber habe im Kontext Pharma/Biotech sehr gute Erfahrungen mit STN gemacht, vor allem, da inhaltliche verwandte Informationen (wie Fachliteratur, Firmenprofile, Marktnachrichten, chemische Information) ebenfalls dort verfügbar und oft querverlinkt war. Delphion (vormals IBM patent server, jetzt Mitglied der Thomson Derwent Group) ist der einzige Host, der ausschliesslich Patentdatenbanken anbietet. Allerdings ohne die Möglichkeit, Nicht-Patentinformation kreuz zu recherchieren, aber dafür mit umfangreichen Analysetools.

Sie sollten sich auch genau über den jeweiligen Abrechnungsmodus der Hosts informieren. Bei Dialog beispielsweise zahlt man eine Flatrate-Gebühr im Voraus, die nach einem Jahr verfällt, unabhängig davon, ob man den Zugang genutzt hat oder nicht. Unter Umständen ist die Flatrate auch keine echte Flatrate sondern eher eine gedeckelte Mindestabnahmemenge, d.h. wenn man den das „Flatrate“-Volumen übersteigt, zahlt man wieder zusätzlich. Also Vorsicht! Andere, wie STN Classic, kalkulieren die Datenbankgebrauchszeit zuzüglich Dokumentgebühren. Wieder andere, wie STN Easy, verlangen keine zeitabhängigen Gebühren, sondern dafür etwas höhere Dokumentgebühren. Meine Empfehlung für den Einstieg in hostbasierte Informationsrecherchen (vor allem im Kontext Life Sciences) wäre ‚STN Easy‘ (oder ein vergleichbares System eines anderen Anbieters), da dessen Suchoberfläche Anfänger leichter zu bedienen ist und die Kosten überschaubar. Sobald man sich mit dem System und seinen Grundfunktionen angefreundet hat, kann man dann schrittweise  auf die professionelle Suchoberfläche wechseln und sowohl bezüglich der Leitung als auch reduzierter Kosten noch mehr herausholen.

Wenn Sie nun abschliessend sagen sollten „nein, ich möchte noch nicht mal damit meine Zeit verbringen“, zum Beispiel, weil es nicht zu ihrer Kernaufgabe gehört, bleibt noch die Möglichkeit, einen professionellen Informationsrechercheur (Information Broker, Infobroker) zu konsultieren. Infobroker sind erfahrene Experten darin, Fachinformationen aus verschiedenen Quellen zuverlässig und effizient zu gewinnen. Die meisten dieser Spezialisten haben sich auf spezielle Branchen spezialisiert, und sind in Fachverbänden, wie der AIIP (Association of Independent Information Professionals) oder der deutschen DGI (Deutsche Gesellschaft für Informationswissenschaft und Informationspraxis) organisiert.

In zukünftigen Posts gehe ich ein bisschen mehr auf die Vor- und Nachteile einzelner Datenbanken ein sowie auf erfolgreiche Recherchestrategien. Freuen Sie sich drauf!

Revidierte und übersetzte Version des Artikels „Identifying High-Quality Patent Information“, erstveröffentlicht im Juni 2004 durch Inside-Lifescience, ISSN 1610-0255.

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