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Jetzt kommt „Das Schlimmste“!

Bisher war es ja schon schlimm. Dann wurde es immer schlimmer. Doch jetzt. Jetzt droht „Das Schlimmste“!

Zumindest wenn man prominenten Meinungsmachern glauben darf.

Es ist ein Dienstag Abend im November 2011. Europa rotiert. Griechenlands Premier Papandreou kündigte eine Volksabstimmung über das – nur wenige Tage zuvor mit grossem Aufwand erreichte – Rettungspaket an. Die europäischen Kollegen sind echauffiert. Die Börsen machen das, was sie immer machen, nämlich überreagieren.

Nun wurde zu diesem Zeitpunkt bereits seit vielen Wochen und Monaten medial über „drohende Dominoeffekte“, „Zerreißproben“ für das solidarische Europas, den möglichen Untergang des Euro und des Abendlandes überhaupt schwadroniert. Ein Untergangsszenario nach dem anderen war aufgerollt und durchdekliniert worden. Doch nun … in einer zugegebenermassen überraschenden und schwierigen aber noch lange nicht alternativlosen Situation … waren die üblichen sprachlichen Superlative bereits vorab verbraucht worden. Und die Presse scheint überfordert.

So sehe ich beispielsweise in einer grossen deutschen Abendnachrichtensendung den Brüsseler Korrespondenten von aufgeregten Politikern berichten. Dabei ringt er ob der Ereignisse selber erregt hyperventilierend um Worte, als wäre das Atomium kurz vor einer Kernschmelze. Wohl, um die „Dramatik“ der Situation auch körperlich auszudrücken. Sein Gegenpart, der „anchorman“ der Nachrichtensendung und selbst langjähriger Journalist und Korrespondent geht noch einen Schritt weiter.

Er bringt die ultimative Übertreibung. „Kommt jetzt das Schlimmste?“ höre ich den Journalisten seinen Kollegen fragen. Selbstredend, dass nicht ausgeführt wird, was denn „das Schlimmste“ überhaupt ist. Und für wen es „das Schlimmste“ wäre. Und was den wäre, sollte es sogar noch schlimmer als „das Schlimmste“ kommen. Die verbreitete journalistische Krisen- und Übertreibungsrhetorik nimmt Anlauf zum Purzelbaum.

Das ist schon bitter, wenn einem die Superlative ausgehen! Wohl tatsächlich das Schlimmste für einen Journalisten …

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