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Von „Buildern“ und „Maintainern“

switch to English versionMir sind bisher grundsätzlich drei Arten menschlicher Charaktere in – vor allem größeren – Unternehmen über den Weg gelaufen: „Builder“, „Maintainer“ und „Destroyer“.

Builder

post20130120

Etwas aufzubauen ist ihre Leidenschaft. Sie sind rastlos. Der status quo ist ihnen nie gut genug. Nach der Implementierung ist vor der Implementierung.

Builder sind vorwärtsgerichtet, innovativ und in der Regel konstruktiv. Sie sehen Änderungen („changes“) als Mittel zum Zweck der Weiterentwicklung und Optimierung. Doch sie legen großen Wert darauf, dass jede Veränderung – die im Rahmen ihres Gesamtkonzeptes notwendig ist – wohlbegründete und im Nutzen belegbar ist.

Builder wissen, dass sie Andere (z.B. Maintainer) überzeugen und mitnehmen müssen, um erfolgreich sein zu können. Sie sind meistens sehr gut darin, Menschen positiv zu beeinflussen, und sie können sehr inspirierend und motivierend für Andere sein. Die Kehrseite der Medaille ist, dass Builder von Widerstand gegen – aus ihrer Sicht – offensichtliches Optimierungspotenzial sehr schnell frustriert sein können. Beispielsweise haben Builder die Tendenz, die Wichtigkeit von politischem Agieren zu unterschätzen, vor allem ausserhalb rein sachbezogener, geschäftsorientierter Interessen und Ziele. Wenn Builder scheitern, dann oft, weil sie durch politischen Spielchen geschlagen und überlistet wurden.

Darüber hinaus werden Builder immer starke Förderer und Treiber von Innovation und Weiterentwicklung sein.

Maintainer

Maintainer gehen darin auf, Stabilität, Beständigkeit und Zuverlässigkeit zu gewährleisten … von Prozessen, Dienstleistungen, Tools, etc.  Sie können die gleichen Aufgaben immer und immer wieder tun, Tag für Tag, Jahr für Jahr. Kontinuität ist ihre Mission. Ein netter Nebeneffekt von Maintainers ist, dass sie sehr gut Abweichungen und potenzielle Bedrohungen identifizieren können.

Also, Maintainer lieben den status quo. Doch es ist ein häufiges Missverständnis bzw. eine komplette Fehlinterpretation, dass Maintainer sich grundsätzlich Veränderungen widersetzen würden. Tatsächlich bestehen sie lediglich auf fundierte und überzeugende Gründe für Änderungen. Was eigentlich ein guter Ansatz ist!

Faktisch sind Maintainer das Rückgrat der meisten Unternehmen. Sie gewährleisten die Aufrechterhaltung der Geschäftstätigkeit. Und sie holen übereifrigen Builder auf den Boden zurück bzw. wischen hinter Destroyern auf.

Destroyer

Das Dilemma von Destroyern ist, dass sie meistens denken, sie wären Builder. Diese Diskrepanz zwischen Eigen- und Fremdwahrnehmung ist definitiv ein Problem bei Destroyern.

Dabei haben sie eigentlich sogar ein bisschen recht. Aufbau und Entwicklung braucht oft Veränderungen, und Veränderungen bedeuten eben oft auch Zerstörung des vorherigen. Aber Destroyer machen 2 grundlegende – aus meiner Sicht – Fehler. Zum einen sind sie einseitig auf Änderungen (im Sinne von „change“, Wandel) fixiert. Und zum anderen verwechseln sie in der Regel Veränderung mit Zerstörung.

Viele Destroyer unterliegen der Illusion, dass der radikaler Wandel einen Eigenwert hat. Sie sind Jünger des „Change“. In ihrer Vorstellung fördert zerstörerische Veränderung Kreativität und Weiterentwicklung. Der Ursprung dieses Missverständnisses ist eine veraltete und falsche soziologische Deutung des biologischen Evolutionsparadigmas. Darüber hinaus unterschätzen Destroyer meistens die Wichtigkeit eines intensiven und soliden Change Managements – nicht wenn sie vom Wandel reden, aber wenn sie ihn umsetzen. Dann ist Zerstörung nicht die zwangsläufige Folge des Wandels, sondern eines schlechten (oder gar nicht vorhandenen) Change Managements.

„Hubschrauber-Manager“ sind typische Destroyer. „Hubschrauber-Manager“ sagt ihnen nichts? Ich bin sicher, sie kennen welche! „Hubschrauber-Manager“ hüpfen von einer Position zur nächsten, wie Touristen bei einem Helikopter-Sightseeing-Flug. Sie fliegen einfach ein (von wo auch immer), machen bei der Landung Unmengen von Wind, erzeugen maximales Durcheinander, und fliegen früh genug wieder aus, bevor sie sich den Ergebnissen ihrer Aktivitäten stellen oder für langfristige Folgen verantworten müssen.

Leider haben von den drei beschrieben Typen die Destroyer in vielen Unternehmen den größten Einfluss, und machen aufgrund ihrer Dominanz Buildern und Maintainern das Leben unnötig schwer.

Und was sind Sie?

Ich selber haben ohne Zweifel eine starke Builder-Komponente. Ich liebe es, Dinge voran zu bringen, weiterzuentwickeln, zu implementieren und neue Lösungen zu bieten. ich kann auch Maintainer sein … für eine Weile. Doch früher oder später erfüllt mich das nicht mehr, und ich fange von alleine an, in meinem unmittelbaren Umfeld „weiterzubauen“. Ich verschließe mich auch nicht der Zerstörung. Aber ich bestehe auf einer ausreichenden und überzeugenden Begründung sowie einem guten Change Management. Und ich hasse es, wenn sogenannte „running systems“ ohne wirklichen Grund zerstört oder radikale Veränderung nur um ihrer selbst willen durchgeführt werden.

Insgesamt gesehen bin ich wohl ein Builder mit einer untergeordneten Maintainer-Facette und lediglich konstruktiven Destroyer-Qualitäten.

Und was sind Sie … Builder, Maintainer oder Destroyer?

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