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ADAC im Fadenkreuz

Man muss kein Freund des ADAC sein, damit er einem gerade ziemlich leid tut. Er bekommt gerade die volle Breitseite des deutschen Medienmobs ab. Die Jagd ist eröffnet. Es hat eh mal wieder ein Opfer gebraucht. Guttenberg ist abgehangen. Wulff ist erlegt. Brüderle abgetaucht. Lammert zu riskant. Schavan beim Papst.

Gut, die Vorwürfe reduzieren sich aktuell auf …

  1. bei der Wahl zum Auto des Jahres wurde die Plazierungsreihenfolge manipuliert
  2. dabei der Liebling des Marketingchefs weiter oben platziert
  3. sind Vorstandsmitglieder des Vereins mit Hubschraubern des Vereins geflogen
  4. verkauft der ADAC Autobatterien.

Alleine durch tägliches Wiederholen kann man da einen herrlichen Skandal draus bauen. Mir selber wurde die manipulierte Reihenfolge (2.) mittlerweile an vier (n=4) unterschiedlichen Tagen in den Fernsehnachrichten als die Hammeraufdeckung des Tages präsentiert. Neu jedoch war die „neue Enthüllung“ schon beim zweiten Mal nicht wirklich. Und dass ehrenamtliche Führungsmitglieder des Vereins fliegendes Inventar des Vereins gebraucht habe, ist für mich eine Angelegenheit des Vereins. Dort denselben Maßstab anzuwenden wie bei hauptamtlichen Staatsangestellten, die Inventar des Staates gebrauchen, finde ich nicht richtig.

Und wer da schon immer (oder auf einmal) ADAC-Experte war. Meine Güte, wo sind die denn alle auf einmal aufgetaucht? Ja, und was die alle so wissen! Wobei … eigentlich ist spannend, was sie nicht wissen. Denn außer dem oben schonn genannten tragen sie bisher nicht wirklich Neues dazu bei. Man hätte schon erwarten dürfen, dass bei der ganzen investigativen Hetze mehr heraus kommt. Zumindest dürfen reihum alle mal sagen, wie schlimm das doch ist. Wie gesagt, durch’s Wiederholen wirkt es sogar noch schlimmer. Es sagt allerdings keiner, wer denn da eigentlich den oder überhaupt einen Schaden hatte (außer der ADAC selber bzw. seine Mitglieder). Das Ganze ist wie ein Mord ohne Leiche.

Nein, so richtige Opfer sind nicht zu finden. Oder kennen Sie jemanden, der so leichtfertig ist, und seine Autokaufentscheidung von der Wahl des Gelben Engels abhängig gemacht hat? Selbst falls Sie einen finden sollten, hätte ich nicht wirklich Mitleid. Und Autobatterien verkauft der ADAC seit – gefühlt – Jahrzehnten. Hatte bisher niemanden gestört. Und es sollte bitte auch nicht mit zweierlei Maß gemessen werden. Die meisten Presse- und Medienorgane verdienen ebenfalls zunehmend ein Zubrot über diversen Schnickschnack, von lustigen Plüschfiguren und Schlüsselanhänger, über hochpreisige CDs und Bücher, bis hin zu iPads und Kulturreisen. Stört auch niemanden.

Die Zerschlagung des Vereins und den Rücktritt des gesamten Vorstandes und die Rückabwicklung der Mondlandung kann man aber trotzdem mal fordern. Das geht immer irgendwie. Ist bei vielen Presse- und Medienvertretern ganz oben in der Textbausteinkiste abgelegt, das fällt fast von alleine in den Mund.

Doch das Verhältnis der geforderten Konsequenzen im Vergleich zum real entstandenen (Nicht)Schaden, ist wohl nicht ganz ausgewogen, oder täusche ich mich?! Da kommen mir irgendwie Kanonen und Spatzen in den Sinn. Oder Bagger für den Hausputz.

Nein, liebe Journalisten. Euer überzogenes Scharfrichtertum nervt mich eigentlich nur, muss ich ganz ehrlich sagen. Man kann dem ADAC tatsächlich eine einzige Sache vorwerfen, nämlich dass er im Jahr 2014 immer noch mit den Strukturen eines Kaninchenzüchtervereins geführt wurde. Dafür braucht es aber keine Enthüllungsjournalisten, sondern einfach nur einen regelmäßigen Blick in die Vorstandsnachrichten der Mitgliederzeitschrift. Und ein wirkliches Verbrechen ist es eigentlich auch nicht.

Doch dem ADAC hat sich mittlerweile ein Hoffnungsschimmer aufgetan. Unsere Schweizer Nachbarn haben gerade spontan das bundesrepublikanisch-mediale Feuer auf sich gezogen. Vielleicht haben die Kaninchenzüchter Glück, und kommen mit einem blauen Auge davon. Tu fortis Helvetia!

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