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Good-bye Google!

Es ist ein echtes Dilemma!G1314160

Einerseits traue ich Google & Co. nicht über den Weg (siehe beispielsweise früheren Blogbeitrag). Ich fühle mich nicht wohl, meine Termine, Adressen und Mails auf Servern abzulegen, die dann irgendwo auf der Welt liegen, wo irgendjemand damit machen kann, was er oder sie will, ohne dass ich das mitbekomme. Und selbst wenn ich Daten aus meinem Google- oder Facebook- oder Dropbox-Account lösche, und selber nicht mehr angezeigt bekomme, heißt dies nicht, dass sie wirklich gelöscht sind, und nicht doch noch als Kopie auf irgendeinem Server liegen. Was einmal raus ist in die Cloud, ist nicht wieder rückholbar. Faktisch gebe ich bei Nutzung von Gmail, Facebook, Dropbox, Picasa, etc. meine informationelle Selbstbestimmung auf.

Andererseits ist es so schön bequem mit den mobilen, überall synchronen Cloud-Daten. Ich habe Kalender und Adressen immer in der aktuellsten Version dabei, und kann mit jedem Gerät  Termine abgleichen oder neue Kontakte hinzufügen. Falls notwendig habe ich auch unterwegs Zugriff auf Mails und Feeds. Meine Urlaubsfotos sind immer mit dabei. Die aktuellste Geschäftspräsentation sowieso. Und ich lese meine abonnierten Medien wo ich gerade bin. Das ist schon schön und angenehm.

Ein Teufelskreis!

Also habe ich eine Lösung gesucht, die Bequemlichkeit weiter zu haben, ohne Anderen meine Daten zu schenken … und gefunden.

Ein eigener kleiner Cloudserver. Der kann genau dasselbe wie Gmail, Dropbox und Co., aber die Daten liegen bei mir zuhause und nicht bei Google auf Offshore-Servern in der rechtsfreien Zone internationaler Gewässer.

Linux-basiert – Ich habe einen alten Rechner genommen und Ubuntu LTS aufgespielt. Linux bringt von Hause aus bereits umfangreiche Sicherheitsfunktionen, wie Firewall oder Fail2ban mit. Der Server hat eine dynamische IP, wobei die jeweils aktuelle IP-Adresse vom Linuxtool ddclient zum Anbieter übertragen wird. Ports für Mail, HTTP und HTTPS habe ich im DSL-Router frei gegeben. SSL/HTTPS war schnell eingerichtet und aktiviert.

IMAP-Mailserver – Ich synchronisiere meine Mails per IMAP mit Android, Blackberry und Windows. Die freien Serveranwendungen Postfix und Dovecot bringen alles mit, was es braucht. Spamassassin, Amavisd, ClamAv und Postgrey sorgen für (lernfähigen) Spam- und Virenschutz. Fetchmail sammelt automatisch Mails aus verschiedenen Postfächern ein. ManageSieve sorgt für die automatische Sortierung von Mails in Themenordner (Thunderbird-Plugin verfügbar). Ich bin auch noch über eine alternative Gesamtlösung gestolpert – klar, nachdem ich meinen Mailserver von Hand eingerichtet hatte: iRedMail, kostet etwas, aber dafür hat man alles im Paket.

Webmail – Zusätzlich zu meinen Geräten habe ich weltweit Web-Zugriff auf meine Mails zuhause mit Hilfe des freien und ebenfalls mit Plugins erweiterbaren Webmailers Roundcube.

File-Cloud – Mobilen Zugriff auf meine Dateien und Dokumente habe ich mit ownCloud. Für ownCloud gibt es zahlreiche Plugins, um den Funktionsumfang individuell zu erweitern. Eine spannende Alternative und auf jeden Fall einen Versuch wert (v.a. als Einstieg) ist der Java-basierte LimboMedia Homeserver. Beide, ownCloud und LimboMedia, erlauben nutzeranhängigen Zugriff auf freigegebene Server-Verzeichnisse.

Sharen – ownCloud bietet zahlreiche Features zum Sharen mit der Welt oder mit bestimmten Gruppen (z.B. Familie).

Kontakte, Aufgaben und Kalender – … synchronisiere ich mit meinen Android-Geräten ebenfalls per ownCloud. Mein Blackberry dito. Thunderbird und Outlook ebenfalls. Im Prinzip können ownCloud Adressbücher und Kalender von jedem Tool oder Gerät genutzt werden, das CalDav/CardDav oder Webdav kann … und das sind immer mehr.

Groupware – Das freie Group-Office war auch schnell installiert. Group-Office erlaubt virtuelles Zusammenarbeiten im Team, bietet ebenfalls Filesharing, Kalender und Kontakte in der eigenen Cloud, und lässt sich nahtlos mit ownCloud verbinden. Alternativ lohnt sich ein Blick auf Citadel.

Eigene Bookmarks und Notizen – … managed und synchronisiert ownCloud (oder LimboMedia, oder Group-Office).

Eigene Bilder und Fotos unterwegs dabei – … managed und synchronisiert ownCloud (oder LimboMedia). Geschossene Fotos kann ich direkt in ownCloud hochladen, d.h. sie liegen kurz danach schon bei mir zuhause.

Eigene Musik unterwegs dabei – … managed und synchronisiert ownCloud (oder LimboMedia).

Eigene Videos unterwegs dabei – … managed und synchronisiert ownCloud (oder LimboMedia).

FeedsTiny Tiny RSS (auf meinen Server) hat bei mir Feedly abgelöst. Funktioniert absolut super, ich kann meine RSS-Feeds filtern, bündeln, neue individuelle erzeugen, etc.pp. Und Apps für Android und Blackberry gibt es auch. Zusätzlich feeded ein kleines Script den Inhalt bestimmter Mailboxen als RSS in Tiny Tiny RSS.

Wiki – Mein eigenes Wiki managed das installierte MediaWiki.

Sicherung/Backup – Mein kleiner aber feiner Cloud-Server macht jeden Abend bei mir zuhause ein Backup aller Daten, Mails, Kontakte, Termine, Aufgaben, Fotos, Dateien, etc.pp. … nur für mich.

 

Summa summarum habe ich mittlerweile völlig stressfrei Gmail, Dropbox, Google Drive, Picasa und Feedly abgelöst. Ich genieße denselben bequemen Funktionsumfang, aber meine Daten gehören weiter mir und liegen nur auf meinem Rechner. Selbst zum Suchen verwende ich mittlerweile Google immer weniger. Stattdessen ixquick oder die anonymisierte Googledaten-Suche Startpage. So kann ich stolz sagen: „mission accomplished“, good-bye Google!

Paranoiker könnten nun – nicht ganz unberechtigt – einwenden, dass jetzt bei mir alle Daten schön nett und mir zuordenbar auf einem großen Haufen liegen. Während sich die bösen Buben vorher die Daten erst einmal aus verschiedenen Quellen zusammensuchen und mit mir verknüpfen mussten, liegt jetzt alles brav gebündelt auf dem Präsentierteller … sollten sie meinen kleinen Cloud-Server hacken.

Nun, dem sei dann so. Letztendlich gibt es keinen hundertprozentigen Schutz. Und auch bei verstreuten Diensten ist alles automatisch verknüpft, wenn man beispielsweise überall seinen Google- oder Facebook-Account verwendet, um sich anzumelden („ups!“). Es ist für mich außerdem noch etwas anderes, ob jemand bei mir einbricht und stielt, oder ob ich der Panzerknackerbande meine Wertsachen zu treuen Händen selber frei Haus liefere.

Ich stelle mir gar nicht mehr die Frage, ob man Goggle oder Facebook vertrauen kann. Ich gehe davon aus, dass das, was technisch möglich ist, früher oder später offiziell oder inoffiziell auch getan werden wird. Was hippe innovative US-Unternehmen von gesetzlichen Einschränkungen und Verbraucherschutz halten, kann man aktuell im Fall Uber ganz lebendig verfolgen.

Die einzige Lösung ist, bewusst und sorgfältig mit den eigenen Daten und Dateien umzugehen. Das kann mir niemand abnehmen, auch kein Gesetzgeber. Selbst auf meinen eigenen Cloud-Server lade ich keine sensiblen Daten oder Dateien. Und Daten, die ich nicht mehr brauche, verschiebe ich regelmäßig von dort in mein Archiv ohne Internetzugang.

Bequemlichkeit ist verführerisch und sehr gefährlich. Der Schutz der eigenen Selbstbestimmung, Datenhoheit und letztlich Freiheit wiederum verlangen einen gewissen Aufwand und Mühe. Und manchmal eben auch, auf Bequemlichkeit zu verzichten.

Ein echtes Dilemma!

 


Zum weiterlesen …

 

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Ein Kommentar zu “Good-bye Google!

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