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Ein Kommentar zu „Satiriker Sonneborn lässt Oettinger auflaufen“

Am 01. Oktober erschien in der Welt Kompakt ein Artikel mit der Überschrift „Satiriker Sonneborn lässt Oettinger auflaufen“ zur Befragung Günther Oettingers als designierter EU-„Digitalkommissar“ durch das EU-Parlament.

Da die Kommentarfunktion dieses WELT-Artikels leider heute schon ausgeschaltet war, das Ganze aber meiner Meinung nach nicht unkommentiert stehen gelassen werden sollte, schreibe ich meine Gedanken kurz hier und hoffe, dass sie ihren Adressaten finden.

 

Lieber leider ungenannter Autor,

 

Sie berichten in Ihrem Artikel über eine Aussage des designierten EU-Kommissars Oettinger. Dieser hatte auf die Frage, wie Bürger im Internet geschützt werden können, geantwortet, dass man Menschen, die beispielsweise Nacktbilder von sich ins Netz stellen, kaum schützen kann. In Folge machten Sie sich über das angeblich unvollständige Verständnis Oettingers zur „Welt des Internets“ lustig, weil dieser das Abspeichern in kennwortgeschützten Cloudservices gleichsetze mit „ins Netz stellen“.

Ich bin mir ehrlich gesagt nicht sicher, ob Günther Oettinger da nicht weiter ist und eine klarere Sicht der „Welt des Internets“ hat als Sie, lieber Autor. Wie naiv kann man denn sein, wenn man Cloudservices seine intimsten Daten und Fotos anvertraut? Die dann auf einem Server auf der anderen Seite des Planeten stehen. Sie selber wissen – seien Sie ehrlich! – nicht einmal wirklich in welchem Land. Ihre persönlichsten Daten auf einem Serverspeicher, auf den eine unbekannte Anzahl Ihnen vollkommen unbekannter Menschen Zugriff hat.

Wer ist da tatsächlich erschreckend naiv? Wem fehlt da wirklich das vollständige Verständnis der „Welt des Internets“? Nein, lieber Autor, auch bei Cloudservices geben Sie faktisch und real Ihre  informatorische Selbstbestimmung auf. Und ich selber kann der verallgemeinernden Aussage Günther Oettingers nur voll zustimmen, dass es sehr dumm bzw. eigentlich richtig dämlich ist, Nacktfotos oder andere sensible Daten von sich ins „Netz“ zu stellen, auch und gerade in Cloudservices als Teil desselben.

Abschließend darf ich noch ergänzen, dass die vollkommen daneben gegriffene Wahl Ihrer Headline meinen Gesamteindruck des Artikels abrundet. EU-Abgeordneter Martin Sonneborn ist ganz sicher ein begnadeter Selbstdarsteller. Doch so toll war seine von Ihnen herausgegriffene Frage eigentlich gar nicht, auch kein echter Schenkelklopfer … und schon überhaupt gar nicht repräsentativ für die parlamentarische Vorstellung und Befragung von Günther Oettinger (der diese – mal so ganz nebenbei – im Gegensatz zu Anderen im ersten Anlauf mit Bravour absolvierte). Darf ich fragen, warum Sie ausgerechnet diese Momentaufnahme so herausstellen?

Ich würde mir wünschen, lieber namenloser WELT-Redakteur, dass Sie sich bei der zukünftigen journalistischen Begleitung digitaler Themen auf EU-Ebene weniger von sonnebornschen Wichtigtuern blenden lassen und mehr die wirklich kritischen und berichtenswerten Themen herausarbeiten. Da gibt es wahrhaftig genug. Auch für eine echte kritischen Begleitung der Arbeit des neuen Digitalkommissars. Pseudowitzigkeiten kann „Titanic“ besser, das ist da ganz gut aufgehoben. Von der WELT erwarte ich mehr.

 

In diesem Sinne mit Vorfreude,

Ihr ergebener Leser

 


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