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Mann Mobilia oder dümmer geht nimmer

Die besten Musterfälle findet man im echten Leben.

Kurze Fallbeschreibung: Am 01.02.2016 wurden ca. 100 Mitarbeiter der Verwaltung des Mann Mobilia Zentrallagers in Mannheim beim morgendlichen Arbeitsantritt vor dem Tor abgefangen, durch einen privaten Sicherheitsdienst die formale Kündigung ausgehändigt und der Zutritt zur Betriebsstätte verwehrt. Dies ohne Vorwarnung und ohne den Betriebsrat einzubeziehen. Die Firmenleitung kündigte kurz darauf zusätzlich an, dass das Büro des Betriebsrates kurzfristig den Standort zu verlassen habe. Mehr Details hat der SWR aufbereitet.

Als ich im Radio davon hörte, schoss mir spontan durch den Kopf … „Ja, genau SO sollte man es NICHT machen!“ Hier wurde der aktuelle Stand der Management Best Practices großzügig ignoriert und so ziemlich alles falsch gemacht, was man nur falsch machen kann.

Bitte nicht missverstehen! Ich kritisiere nicht die Entscheidung an sich. Es mag vernünftige strategische Gründe geben, 100 Verwaltungsmitarbeiter am Standort zu entlassen.

Mir geht es darum, wie die Entscheidung umgesetzt wurde.

 

Feigheit

Ich sage das jetzt als jemand, der selber schon Mitarbeitern kündigen musste … und dem auch bereits einmal gekündigt wurde. Ich bitte die direkte Sprache zu entschuldigen, aber so viel Arsch in der Managerhose sollte man haben, schwierige Entscheidungen selber umzusetzen und Entlassungsgespräche persönlich zu führen … statt durch einen externen Sicherheitsdienst vor dem Tor kündigen zu lassen. Also bitte!!! Alleine das qualifiziert ja schon für „Setzen, 6!“

 

Ignoranz

Es ist – simple gesagt – eine grobe Fahrlässigkeit, das Betriebsverfassungsgesetzt, die geltende Arbeitsgesetzgebung und die Risiken einer Auseinandersetzung mit Gewerkschaften so zu ignorieren wie geschehen. Die an Autismus grenzende Ignoranz der Verantwortlichen gegenüber dem aktuellen Stand der Management-Best-Practices ist erschreckend. Das Unternehmen bedarf offensichtlich dringend der Schulung aller Managementebenen durch externe Managementtrainer und Consultants sowie die verpflichtende regelmäßige Lektüre von Harvard Business Review.

 

Mitarbeiter ausschließen

Selbst wenn man den rechtlichen Rahmen komplett ausblendet, ist die Nichtmiteinbeziehung der Mitarbeiterschaft und des Betriebsrates ein unverzeihlicher Fehler. Frage: Was hat sich beim Rest der Mann Mobilia-Belegschaft spätestens seit dem 02.02.2016 verändert? Wird das Commitment der Mitarbeiter  für das Unternehmen noch dasselbe sein, wenn man davon ausgehen muss, dass einem etwas ähnliches jeden Tag selber passieren kann? Wie will man eine dermaßen verunsicherte Mitarbeiterschaft zukünftig zu Höchstleistungen motivieren?

 

Fehlende Konfliktfähigkeit

Offensichtlich lag der Kündigung ein schon länger schwelender Konflikt zwischen der Leistungserwartung des Managements und der Leistungserbringung der betroffen Abteilung zu Grunde (so lässt zumindest eine vom Unternehmenssprecher nachgeschobene Erklärung vermuten). Da ich nicht nachprüfen kann, ob dies eine vorgeschobene Begründung ist, möchte ich erst einmal davon ausgehen, dass es den Konflikt tatsächlich so gab. Nur … es ist die ureigenste Aufgabe des Managements, solche Konflikte frühzeitig und konstruktiv zu lösen und keinesfalls dermaßen eskalieren zu lassen. Die jetzt erfolgte Maßnahme ist jedenfalls meiner Meinung nach nur ein Zeichen von Überforderung und Hilflosigkeit des Managements.

 

Arroganz

Ich erwarte von einem Manager, dass er sich seiner eigenen Grenzen bewusst ist. Dass er (oder sie) eigene Überforderung erkennt. Und sich professionelle Unterstützung holt. Das ist keine Schande, das tun die Besten, einschliesslich der meisten Topmanager. Selbstüberschätzung und fehlende Bereitschaft, Unterstützung in Anspruch zu nehmen sind unprofessionell … und arrogant.

 

Dummheit

Tatsächlich ist summa summarum „Dummheit“ das Wort, das mir dauerhaft in den Kopf schießt, je länger ich diesen Fall durchdenke. Alle beschriebenen Fehler lassen sich eigentlich nur durch eklatante Dummheit erklären. Die Dummheit, feige und ignorant zu sein. Die Dummheit, die Mitarbeitervertretung nicht miteinzubeziehen.  Die Dummheit, den Konflikt eskalieren zu lassen. Die Dummheit, sich bei Überforderung keine Unterstützung zu holen.

 

Es wird noch sehr spannend werden, die mittelfristigen Auswirkungen zu beobachten … mediale Wellen, Gewerkschaftskampagnen, diverse arbeitsgerichtliche Prozesse, negatives Firmenimage, sinkendes Mitarbeiter-Commitment … ein nettes Portfolio negativer Effekte.

Schon jetzt ist die Aussage gerechtfertigt, dass man von Mann Mobilia lernen kann, wie man es nicht machen soll.

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