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Armageddon in Chemnitz

Folgt man aktuellen Medienberichten und den Aussagen einzelner Bundespolitiker, dann geht es in Chemnitz momentan um nichts anderes als die biblische Endzeitschlacht zwischen Gut und Böse, Armageddon.

Schaue ich mir dagegen die Bilder von dort an und folge den Tweets der Beteiligten, dann komme ich eher zu dem Eindruck, dass in Dresden momentan nicht die Guten gegen die Bösen kämpfen, sondern gewaltbereite linke Idioten gegen gewaltbereite rechte Idioten.

Höre ich mir die Aussagen und Interviews der verantwortlichen Landespolitiker an, dann komme ich eher zu dem Eindruck, dass der Mut und Rückgrat fehlen zur klaren Kante, deutlichen Bekenntnissen. Stattdessen laues Rumgeeier um Wähler nicht zu verprellen, die nie Wähler sein werden.

Höre ich mir die interviewenden Journalisten an, dann habe ich eher den Eindruck, dass Landespolitikern die Verantwortung für ein gesamtgesellschaftliches Versagen untergeschoben werden soll. Und dass es mehr um betroffenheitsschwangere Skandalisierung geht als um lösungsorientieres Aufarbeiten.

Höre ich die Anklagen über die ‚rechten Sachsen‘, dann bin ich geschockt und frustriert über die pauschale Stigmatisierung und das Versagen der Zivilgesellschaft, eine differenzierten und vielfältigen Diskussionskultur zu erlauben. Wenn jeder, der nicht links ist, immer wieder gesagt bekommt, dass er rechtsaußen wäre, dann glaubt und akzeptiert er das irgendwann.

Höre ich die Forderungen nach dem Aufstehen der Zivilgesellschaft gegen den rechtsextremen Mob, dann frage ich mich, welche „Zivilgesellschaft“ denn damit gemeint ist? Wer sich denn dazu zählen darf? Wer als Mitglied dieser „Zivilgesellschaft“ vollumfänglich qualifiziert und anerkannt ist? Ob ‚rechte‘ aber nicht rechtsradikale Sachsen nicht auch zu der angerufenen Zivilgesellschaft gehören, oder ob sie draußen bleiben müssen? Oder ob die Vorstellung von „Zivilgesellschaft“ auf akzeptierbare Schubladen begrenzt sein könnte?

Schaue und höre ich nach Chemnitz, dann denke ich, dass es tatsächlich keine ‚Seite‘ gibt, zu der ich gehören und von der ich mich vereinnahmen lassen will.

Doch, halt! Ich bin bei denen, die Mitleid haben mit der Familie und den Freunden des Getöteten, bei denen die jede Instrumentalisierung des individuellen Leids abstößt, bei denen die Menschen mit allen(!) ihren Sorgen – ob berechtigt oder nicht – ernst nehmen und nicht nicht stigmatisieren.

Das ist nicht mein Armageddon.

 

Siehe auch …

„Die Zivilgesellschaft meidet Chemnitz aus guten Gründen“ von Don Alfonso in der WELT v. 29. August 2018

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