„Avenidas“ von Eugen Gomringer

avenidas
avenidas y flores

flores
flores y mujeres

avenidas
avenidas y mujeres

avenidas y flores y mujeres y
un admirador

Eugen Gomringer

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Deutsche Übersetzung:

„Alleen
Alleen und Blumen

Blumen
Blumen und Frauen

Alleen
Alleen und Frauen

Alleen und Blumen und Frauen und
ein Bewunderer“

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Warum?

Darum: Berliner Alice-Salomon-Hochschule entfernt Gedicht von Fassade 

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Hier scheitert die schulische Förderung der Naturwissenschaften

©Pixabay

Allerorten großes Lamentieren über das nachlassende Interesse deutscher Schüler an naturwissenschaftlichen Fächern. Deutschland geht anscheinend der naturwissenschaftlich-technische Nachwuchs aus.

Kommissionen werden gegründet. Fachreferate in Ministerien eingerichtet. Millionenschwere Förderprogramme aufgesetzt.

Aber ein über Mundpropaganda hinausgehender Erfolg will sich nicht einstellen. Im Vergleich zu den eingesetzten Mitteln sind die Veränderungen bisher eher bescheiden.

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Eine Geschichte aus dem realen Leben

… bringt uns vielleicht ein stück weit auf die Spur, woran es (auch) scheitern könnte …

Ich kenne eine junge Dame, an der Oberstufe eines deutschen Gymnasiums. Diese Schülerin zeigt ausgesprochene Stärken und Begabungen in Sprachen, in Kreativität, im Umgang mit Menschen.

Mit den naturwissenschaftlichen Fächern hatte sie dagegen immer eher zu kämpfen. Aber sie ist motiviert, neugierig, offen und leistungsbereit.

Als eine thematische Facharbeit ansteht, wählt sie das Fach Biologie. Sie entscheidet sich bewusst nicht wie viele ihrer Mitschüler für ein leichteres Fach, in welchem sie eine gute Note sicher hätte. Obwohl sie weiß, dass die Biologie nicht ihre Stärke ist, sieht sie die Möglichkeit, über die Facharbeit ihre Note im Fach zu verbessern. Meiner Meinung nach ein kluger und guter Ansatz.

Sie kniet sich voll rein. Sie sucht sich ein nicht einfaches Thema aus dem Bereich aktuelle medizinische Innovation aus und holt sich das Einverständnis ihres Lehrers. Sie recherchiert, trägt Informationen aus zahlreichen Quellen zusammen und versucht das wissenschaftlich komplexe Thema inhaltlich zu erfassen. Sie holt sich Feedback und diskutiert mit einem verwandten Biologen. Schließlich verfasst eigenständig und mit viel Aufwand einen ausgesprochen soliden Text. Das Ergebnis ist eine Facharbeit, die in Form und Inhalt den Vergleich mit anderen nicht zu scheuen braucht, und die bezüglich Aufwand, inhaltlicher Substanz und Präsentation überdurchschnittlich ist.

So weit so gut.

Die Schülerin gibt die Facharbeit ab und wartet gespannt auf das Feedback ihres Biologielehrers.

Dieser gibt ihr einige Zeit später die Arbeit mit einer eher mittelmäßigen Note zurück, sagen wir beispielsweise 9 Punkten (eine ‚3+‘ für Menschen meiner Generation). Begründung (ich erlaube mir, in meinen Worten zusammenzufassen): 1. etwas zu lang und zu viel, 2. das Quellenverzeichnis ist nicht richtig formatiert.

… … …

Die junge Dame ist nachvollziehbar enttäuscht. Im Gespräch mit ihren Mitschülern erkennen diese außerdem, dass der Biologielehrer offensichtlich keiner Facharbeit mehr als „befriedigend“ gab, während die Facharbeiten beispielsweise im Fach Religion fast durchgehend mit „sehr gut“ bewertet wurden.

Nun: finde den Fehler!

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Ich habe keine Ahnung, was den Biologielehrer in unserer Geschichte antrieb. Ich kann nur spekulieren.

  • Vielleicht erkannte er die besondere Situation nicht, die einmalige Chance die naturwissenschaftliche Neugier einer Schülerin zu wecken und zu fördern?
  • Vielleicht hat er ein überzogenes wenn nicht überhebliches Verständnis von der angeblichen Höherwertigkeit der Naturwissenschaften gegenüber anderen Fächern?
  • Vielleicht will er sich durch ‚höhere‘ Qualitätserwartungen und strengere Bewertung im Kollegium abgrenzen?
  • Vielleicht will er nur aus seiner Sicht geeignete Schüler für die Naturwissenschaft selektieren?
  • Vielleicht dachte er, dass eine im Fach sonst eher schwächere Schülerin eine solche Facharbeit nicht ohne fremde Hilfe oder Abkupfern schreiben konnte (ohne es allerdings ernsthaft zu prüfen)?
  • Vielleicht war er auch selber mit dem recht innovativen Thema der Facharbeit inhaltlich überfordert?

Doch was auch immer meiner Vorstellungskraft einfallen will, ich komme immer zu dem einen Schluss: der Mann ist für den Job ungeeignet.

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Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass das Interesse von Schülern an naturwissenschaftlichen Themen vor allem von Lehrern geweckt wird, denen es gelingt, ihre Schüler mitzureißen, zu begeistern und zu motivieren. Bei mir selber war es einst so.

 

Lehrer wie dieser richten mehr Schaden für die Lust der Schüler an den Naturwissenschaften an, als es alle Fördergelder und -programme jemals kompensieren könnten.

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Über Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung

Eine fast reale Geschichte

Neulich im Wartezimmer meines neuen Hausarztes.

An der Wand hing eine Approbationsurkunde mit seinem vollständigen Namen. Der erinnerte mich an einen ehemaligen Klassenkameraden gleichen Names, vor 20 Jahren ein drahtiger und langhaariger Kerl.

Doch als ich den Arzt sah, verwarf ich den Gedanken. Dieser wohlgenährte, grauhaarige Mann mit der knubbeligen Nase war viel zu alt, um in meiner Klasse gewesen zu sein.

Nachdem er mich untersucht hatte, fragte ich ihn trotzdem, woher er komme und ob er zufällig meine Schule besucht hätte. „Ja“, antwortete er. Ich: „Wann haben Sie das Abi gemacht?“, Er: „1987, warum?“ „Sie waren in meiner Klasse“ antwortete ich. Er betrachtete mich aufmerksam und fragte dann: „Und was hatten Sie unterrichtet?“

 

angelehnt an „Leicht verschätzt“ von Peter Kottlorz auf SWR3

Die Schöpfer alternativer Fakten

Ich erinnere mich noch gut an einen vorpubertären Jungen, den ich einst darauf ansprach, warum er mit viel roher Gewalt einen Baum verletze, und der mich mit großen Augen ansah und mir versicherte, er sei das nicht gewesen … „Neeeiiiin, das war ich nicht!“ … während er ein mit Holzspänen verklebtes Beil in der Hand hielt, welches er kurz zuvor aus meinem Arbeitskeller stibitzt hatte.

Baum mit Kerbe + Junge mit Beil in der Hand + beide zur selben Zeit am selben Ort = … ! Nun ja, damals bekam ich eine sehr bodenständige Vorstellung von dem, was heute „alternative Fakten“ genannt wird.

Jahre später …

„Neeeiiin, ich habe keine Kombattanten auf die Krim geschickt und keine Waffen in die Ostukraine, mit denen ein niederländisches Flugzeug abgeschossen wurde!“

Wiederum wenig später …

„Neeeiiin, ich hatte die meisten Teilnehmer einer Präsidentenvereidigung ever!“

Irgendwie habe ich ein déja-vu …

 

Mancher auf diese Aussagen folgende Kommentar hörte sich nun so an, als wären Trump, Putin, Erdogan und manche Vertreter der AfD (die ich durch Namensnennung nicht unnötig aufwerten möchte), als seien diese die Schöpfer des Konzeptes „alternativer Fakten“.

Doch sie sind es nicht. Das Konzept ist ganz und gar nicht neu!

 

Die Wochenschaupropaganda über großartige Siege an der Ostfront, während zur selben Zeit eine ganze Heeresgruppe elendig verreckte, sind im kollektiven Gedächtnis bis heute präsent. Alt-Nazis und Neofaschisten schwärmen bis heute von der „tollen Zeit“ und dass „nicht alles schlecht war“. Da existiert 70(!) Jahre später und trotz intensiver Aufarbeitung und der Existenz Unmengen dokumentierter Echt-Fakten immer noch eine alternative Wahrnehmung.

Anderes Beispiel. Die glücklicherweise genauso  von der Geschichte geschluckten Stalinisten im alten Sowjetreich und der DDR lugen sich mit „alternativen Fakten“ eine komplette alternative Realität in die Tasche. Wesentliche Teile der Partei „DIE LINKE“ und andere Ewig-Gestrige tun das bis heute. Putin ist ein Kind der postfaktische Gesellschaft der UdSSR. Der proaktive agitierende Einsatz „alternativer Fakten“ gegen politische Gegner im Allgemeinen und den Westen im speziellen sind für ihn selbstverständlich. Er wurde darin ausgebildet und konditioniert.

Last not least noch ein Beispiel aus persönlichem Erleben, abseits der Weltgeschichte und im realen Alltag. Seit meiner Zeit als junger Biologiestudent muss ich mich in Sachen Gentechnologie mit Unmengen wirren Thesen,  „alternativen Fakten“ und Verschwörungstheorien von Greenpeace, BUND und anderen Lobbygruppen auseinandersetzen. Bis heute arbeiten diese überaus erfolgreich mit postfaktischen Mitteln.

„Alternative Fakten“ werden wahrscheinlich als politisches Instrument eingesetzt, seitdem es Menschen gibt. Das macht es nicht besser. Aber es auf Trump, Putin und Co. zu begrenzen, ist mir zu engstirnig.

 

„Alternative Fakten“ sind nicht neu und bei weitem kein Privileg von politisch Rechten und Narzissten. Allen gemeinsam sind ein unbedingter Wille zur Macht, die Rücksichtslosigkeit bei der Wahl der Mittel, eine Unterordnung der Realität unter die eigene Vorstellung, eine ungesunde Überbewertung des Bauchgefühls, die Unlust, sich selber zu hinterfragen, sowie eine offen zur Schau getragene Gleichgültigkeit gegenüber Fakten, Daten und der Realität.

Das Verhalten von Trump, Putin, Erdogan und auch einzelnen AfD Vertretern erinnert mich manchmal schon sehr an den kleinen Jungen, der damals mit großen Augen und einem frisch benutzen Beil in der Hand vor mir stand und mir versicherte, das wäre ja alles ganz anders gewesen.

Lernen von den Großen – 6 Tipps zum Schutz Ihrer Daten

Großunternehmen folgen beim Schutz Ihrer Daten und Systeme einigen einfachen Prinzipien. Warum sich diese nicht abschauen, und – angepasst – selber anwenden …

 

1. Es gibt keinen 100%igen Schutz

Es ist jedem IT-Verantwortlichen klar, dass selbst bei den besten und innovativsten Schutzmaßnahmen immer ein Restrisiko bleibt. Unternehmen müssen immer die Balance halten zwischen sinnvoller Nutzung moderner IT-Lösungen und nicht beeinträchtigender Abschottung.

Also gehen kluge IT-Strategen grundsätzlich davon aus, dass ein erfolgreiches Eindringen durch Hacker nur eine Frage der Zeit ist. Man kann es maximal erschweren, verzögern, die Wahrscheinlichkeit reduzieren.

Dabei passiert etwas spannendes, wenn man sich vom üblichen Schutzwall-Denken löst und sich mit der Tatsache anfreundet, dass irgendwann einmal jemand auf der eigenen Platte herumstöbern wird. Die Sichtweise ändert sich.

Tipp: Gehen Sie ganz selbstverständlich davon aus, dass Ihr Rechner früher oder später gehackt werden wird.


2. Daten und Dateien nach Schutzwürdigkeit klassifizieren

Wenn ich sage, dass sich die Sichtweise ändert, dann meine ich, dass man anfängt seinen Daten und Dateien mit anderen Augen zu betrachten. Was kann ein Hacker ruhig sehen, wenn er denn dann mal bei mir drin ist, und was darf er auf keinen Fall in die Finger kriegen?

Moderne Unternehmen ordnen daher ihre Daten in gestaffelten Klassen. Von „public“ bis streng geheim. Das spannende ist, dass man dabei ein ganz anderes Bewusstsein für die eigenen Daten und Informationen bekommt. Was ist denn wirklich wichtig? Was könnte schaden und was nicht? Und wann und warum?

Im Privatleben könnte es Klassen geben wie „nur für mich“, „nur für die Familie“, „Freunde und Vereine“, „für jeden“. Beim Finden der persönlichen Schutzklassen helfen ein paar Fragen:

  • Was kann ruhig jeder sein? Was dürfte im Dorfklatsch behandelt werden?
  • Was habe ich ohnehin schon öffentlich (z.B. bei Facebook, Xing, LinkedIn, etc.)?
  • Was sollte nur für meine Familie sehen bzw. lesen?
  • Was könnte mir schaden?
  • Was geht keinen(!) etwas an? Was sollte ausschließlich unter meiner Kontrolle bleiben?

Tipp: Klassifizieren Sie Ihre Daten in 3-4 Stufen von „kann ruhig jeder sehen“ bis „das darf außer mir nie irgendjemand sehen“.


3. Konzentrieren Sie sich auf den Schutz der wirklich sensiblen Dinge

Im nächsten Schritt behandeln Großunternehmen Ihre Daten unterschiedlich, je nach Klassifizierung. Man könnte auch sagen, statt einem Schutzwall um alles, gibt es mehrere Verteidigungslinien mit unterschiedlicher Schutzhöhe.

So können weniger geheime Informationen und Dateien ruhig in einer durchschnittlich geschützten Arbeitsumgebung liegen. Und andere wiederum in stärker geschützten Bereichen mit begrenztem Zugang für ausgewählte Mitarbeiter.

Das können Sie privat auch mit einfachen Mitteln umsetzen. Zum Beispiel. Dateien, die eigentlich jeder sehen dürfte, können in einen Cloudspeicher. Daten mit Zugang für die Familie auf den PC oder in ein Heimnetzwerk. Schutzwürdige Dateien beispielsweise in ein Truecrypt-Volume, das nur bei Bedarf eingehängt wird. Und die ganz geheimen Sachen auf einen verschlüsselte, kennwortgeschützte externe Festplatte, die nur angeschlossen wird, wenn die Daten wirklich gebraucht werden..

Tipp: Schaffen Sie unterschiedliche Ablageplätze für Daten unterschiedlicher Schutzwürdigkeit, und gehen Sie da sehr konsequent mit um.


4. Vertrauliche Dateien nicht ständig verfügbar haben

Eine ganz einfache und in vielen Großunternehmen fest etablierte Strategie lautet, dass man besonders schutzwürdige und vertrauliche Daten nicht durchgängig verfügbar macht. Was nicht verfügbar ist, kann keiner klauen.

Warum müssen zum Beispiel Ihre Kontoauszüge oder Gesundheitsunterlagen permanent verfügbar auf Ihrer Festplatte herumlungern, wenn Sie diese ohnehin nur alle paar Monate einmal brauchen?

In der vorangegangenen Auflistung hatte ich schon Ablageplätze für besondere Daten aufgezählt, Truecrypt-Volumes und externe Festplatten, dazu kann man natürlich auch noch kennwortgeschützt USB-Sticks und andere Tools ergänzen, auf die man sensible Daten auslagern kann, bis man sie tatsächlich einmal braucht.

Tipp: Lagern Sie besonders schutzwürdige und vertrauliche Daten und Dateien auf externe oder quasi-externe Medien aus.


5. Keine sensiblen Daten in Clouddienste

Großunternehmen sind an diesem Punkt sehr restriktiv. Oft sind die Nutzung von Dropbox und Co. ausdrücklich untersagt und die entsprechenden Zugangsseiten in den Firewalls der Firmennetzwerke gesperrt. Aus guten Gründen.

Auch hierbei geht es um Bewusstsein. Wo man im privaten Alltag manchmal nachlässig seine Daten in einer bequemen Cloudlösung speichert („wird schon nichts passieren“), haben Unternehmen im geschäftlichen Einsatz ein geschärftes Bewusstsein. Das Problem ist, wenn etwas passiert, ist es nicht mehr rückgängig zu machen. Unternehmen wissen das. Davon kann man lernen.

Denn über in irgendeine Cloud ausgelagerte Daten gibt man seine informationelle Selbstbestimmung ab. Man hat faktisch keine umfassende Kontrolle mehr über diese Daten und Dateien. Nein, das ist nicht paranoid, sondern ist eine ganz reale Gefahr, wie diverse Ereignisse der letzten Zeit zeigen, bei denen Dummköpfe Nacktbilder von sich oder Kennwörter in Cloudlösungen ablegten und sich wunderten, als diese auf einmal ganz woanders auftauchten.

Tipp: Wenn Sie sich nicht schützen, macht es keiner. Niemals gehören sensiblen Daten in die Cloud.


6. Arbeiten Sie nur mit eingeschränkten Nutzerkonten

Ich hatte weiter oben schon erwähnt, dass Unternehmen sehr gerne mit unterschiedlichsten Nutzerrechten und -einschränkungen arbeiten. Klar macht das in diesem Umfeld Sinn, werden Sie denken, aber bei mir wäre das doch mit Kanonen auf Spatzen geschossen.

Ja … und Nein. Natürlich brauchen Sie keine exzessive Nutzerverwaltung wie die Großen. Aber etwas können Sie sich trotzdem abgucken.

Bei einer üblichen PC-Standardinstallation richtet Windows Ihnen automatisch ein Benutzerkonto mit recht umfangreichen Rechten ein. Ein (Quasi-)Administratorenkonto. Das bedeutet aber auch, dass jeder Hacker, jedes Virus und jedes Schadprogramm, die unbeachtet im Hintergrund unterwegs sind während Sie am Rechner arbeiten, dieselben Administratorenrechten haben. (ich bitte die Poweruser unter Ihnen um Nachsicht, dass ich hier stark vereinfache … mir geht es um das Grundprinzip)

Schlauer ist es unter Umständen, zwei Benutzerkonten zu haben, eines weiterhin als Administratorenkonto und ein zweites z.B. als „Hauptbenutzer“ mit weniger Rechten, welches Sie standardmäßig verwenden. Bei Bedarf – z.B. für die Installation einer neuen Software – kann man dann kurz in das Administratorenkonto gehen. Es macht jedenfalls keinen Sinn und ist ein unnötiges Risiko, im Alltag permanent als Admin unterwegs zu sein.

Tipp: Verwenden Sie zum Surfen und Arbeiten ein eingeschränktes Nutzerkonto, und nur bei Bedarf Administratorenrechte.

 

Sie sehen, 6 sehr einfache Wege, um die eigenen Daten sofort besser zu sichern. Großunternehmen machen uns vor, dass der beste Schutz ein bewusster Umgang mit den eigenen Daten und Dateien ist.

Sie haben es selbst in der Hand!

„Produktliteraturdatenbank“ (PLD) – Was ist denn das schon wieder?

switch to English versionPharmazeutische Unternehmen müssen zwangsläufig regelmäßig – wenn nicht sogar permanent – die zu ihren Produkten publizierte Literatur analysieren. Nicht nur, weil sie bezüglich Arzneimittelsicherheit (Verarbeitung von wirklich jeder irgendwo erwähnten ungewünschten Nebenwirkung) und medizinischer Information (Beantwortung von Produktfragen durch Ärzte oder Apotheker) gesetzlich dazu verpflichtet sind. Darüber hinaus ist die wissenschaftliche Literatur ein wahrer Schatz an Daten und Erkenntnissen bezüglich des Produktverhaltens im echten Leben. Marketing, Competitor Intelligence, Produktinnovation, und vieles mehr können enorm davon profitieren.

Doch wir sprechen hier von einem gigantischen Pool von Millionen von Publikationen aus tausenden von wissenschaftlichen Fachzeitschriften, der jeden einzelnen Tag weiterwächst. Ad-hoc-Recherchen verursachen deutliche Kosten:

  1. Professionelle Literaturdatenbanken sind ziemlich teuer, und der Markt wird von einigen wenigen Anbietern dominiert, die manchmal wie Monopolisten auftreten.
    (und um es (wiedermal) klar und deutlich zu sagen: Nein, PubMed qualifiziert definitiv nicht, vor allem wegen der dünnen Abdeckung und des relativ gering aufbereiteten Inhaltes.)
  2. Präzise Antworten durch manuelle Suche und Auswertung der wissenschaftlichen Literatur zu finden, ist extrem zeitaufwendig. Und je billiger die Quelle, desto mehr (teurer) Arbeitsaufwand ist notwendig.

 

Die Lösung

Sogenannte „product literature databases“ (PLDs) or „corporate literature databases“ liefern systematisch Wissen, was über die eigenen Produkte publiziert wurde und wird … viel effizienter und produktiver als hochredundante und parallele individuelle Ad-hoc-Literaturrecherchen.

PLDs sind quasi Teilmengen der weltweiten Literatur, die nur solche Publikationen einschließen, die sich mit einem Produkt des Unternehmens beschäftigen. Typischerweise werden sie entweder von automatischen Suchagenten (Suchprofilen) gefüllt, oder durch Feeds von Datenbanklieferanten.

Gut designte PLDs bieten außerdem noch Mechanismen, um Publikationen zu bewerten, Annotationen hinzuzufügen und beim Finden definierter Ereignisse ein Signal zu geben.

 

Externe PLD-Anbieter

Das in Großbritannien ansässige Unternehmen Pi2 solutions Ltd. ist ein etablierter Lieferant für maßgefertigte PLD-Lösungen spezielle für Pharma und Biotech. Das Unternehmen wurde allerdings in diesem Sommer von ProQuest Dialog gekauft. Pi2 unterstützt traditionell vor allem Pfizer, und seit 2009/2010 auch Wyeth (wo vorher OvidSP® als Tool für individuelle Literaturrecherchen im Einsatz war). Ein Poster, das beim „9th Annual Meeting of the International Society for Medical Publication Professionals“ präsentiert worden war könnte einen Einblick in die grundsätzliche Vorgehensweise und Funktionalität geben. Darüber hinaus gibt es keine öffentlichen Informationen darüber, welchen Markterfolg bzw. Marktanteile Pi2 effektiv hat. Ich bin ziemlich gespannt, wie sich die neue Zusammenarbeit unter dem Dach von ProQuest  auswirken wird.

Die großen B2B Anbieter für Informationsdatenbanken und -dienstleistungen, wie Reed Elsevier, Thomson Reuters und Wolters Kluwer, die faktisch den Massenmarkt für Literaturrohdaten dominieren, sind weitere potenzielle Kandidaten, um Pharmaunternehmen PLDs anzubieten. Vor allem Elsevier hat bereits ein deutliches Interesse gezeigt, Industriekunden mehr kundenindividuelle und ausgereiftere Dienste anzubieten. Vor kurzem baute Elsevier eine Art maßgeschneiderten Produktliteraturdienst für die Pharmakovigilanz von Sanofi durch eine Kombination der hauseigenen Datenbankinhalte mit der QUOSA Literaturmanagement-Software.

 

Unternehmensinterne PLDs

Die Novartis Gruppe hatte bereits seit den späten 60ern eine eigene interne PLD, anfangs noch auf Karteikarten. Die zuletzt „eNova“ genannte Lösung war die ausgereifteste und leistungsstärkste PLD, die ich jemals gesehen habe. Novartis sammelte die Literatur über ihre Produkte nicht nur, sondern führte eine detaillierte Auswertung der beinhalteten Produkterkenntnisse und klinischen Ergebnisse durch. Im Ergebnis war die Novartis-PLD in der Lage, sehr präzise Antworten auf die unterschiedlichsten Aspekte des Produktverhaltens im echten Leben zu liefern … quasi auf Knopfdruck. „eNova“ wurde von der Novartis Ende 2013 schließlich eingestellt und abgeschaltet, obwohl interne Analysen einen deutlich positiven Effekt auf die Produktivität und individuelle Zeiteinsparungen von 93% und mehr  für produktbezogene Informationsrecherchen und -analysen belegt hatten.

Roche besaß vormals ebenfalls eine interne PLD, ähnlich zu „eNova“. Diese war bereits einige Jahre zuvor abgeschaltet worden. Als „Nebeneffekt“ verlagerten sich Produktliteraturrecherchen und der zugehörige Arbeitsaufwand vervielfältigt in die Fläche der Organisation. Beispielsweise musste nach dem Wegfall jede Länderniederlassung einen eigenen Ersatz für die Dienstleistung organisieren, um Pflichtaufgaben, wie medizinische Information, sowie nationale regulatorische Anforderungen erfüllen zu können. Es versteht sich von selbst, dass diese Aufsplitterung unterschiedlicher Lösungen und Ansätzen nicht wirklich produktivitätssteigernd bzw. kostensenkend war.

Einige Zeit später, als die negativen Effekte der Entscheidung, die interne PLD abzuschalten, immer deutlicher und offensichtlicher wurden, versuchte die Roche, die interne PLD zu reaktivieren. Dies scheiterte jedoch, da ein 2-stelliger Millionenbetrag in CHF notwendig gewesen wäre, für den niemand das Budget genehmigen wollte.

Übrigens war diese Betrag deutlich höher als der Weiterbetrieb einer nichtabgeschalteten PLD gekostet hätte.

 

Warum haben PLDs so ein schlechtes „standing“?

Wenn man die Entwicklungen bei Novartis und Roche anschaut, fragt man sich unwillkürlich, warum die dortigen PLDs trotz offensichtlicher Vorteile für das Unternehmen abgeschaltet wurden? Tatsächlich gibt es für den sinnvollen Betrieb von internen PLDs Abhängigkeiten und Rahmenbedingungen, die momentan gelebten Managementprinzipien manchmal zuwiderlaufen.

  1. PLDs brauchen Nachhaltigkeit und langfristige Planung. Die momentan gelebte Managementpraxis in Pharmaunternehmen – zumindest den großen – ist jedoch eher kurzfristig und sprunghaft. Ohne strategische Verankerung der PLD besteht die Gefahr, dass die PLD – wie andere interne Services – eine kurzfristigen Budget- oder Strukturentscheidung zum Opfer fällt. Dies ist im Fall der PLD allerdings besonders fatal, da PLDs – im Gegensatz zu anderen internen Services – nicht ebenso kurzfristig einfach wieder angeschaltet werden kann.
  2. PLDs sparen in der Fläche. Es ist ein fatales Dilemma. Als zentraler Service fallen die Kosten der PLD in der Regel auf dem Konto einer (globalen) Geschäftseinheit an, die nicht unbedingt selber davon profitiert. Die Einspareffekte bezüglich höherer Produktivität, wegfallende Kosten für externe Dienstleister, Synergieeffekte, etc. pp. wirken aber in der Fläche, bei ganz anderen Geschäftseinheiten. Das heißt, Budget und Nutzen sind organisatorisch entkoppelt. Insgesamt hat das Unternehmen zwar eine enormen Vorteil und eine Einsparung. Nur leider ist das immer seltener der Blick bei „provinziellen“ Budgetentscheidungen.
  3. PLDs sind IT, sind sie nicht. Selbstverständlich brauchen gute PLDs eine leistungsfähige IT-Infrastruktur, Datenbanken, und so weiter. Dadurch besteht die Gefahr, dass PLDs vorschnell in der IT verortet werden. Dort gehören sie meiner Meinung nach aber nicht unbedingt hin. Ich brauche auch einen PC zum Arbeiten, bin aber kein Programmierer. Zur intelligenten Implementierung einer PLD gehört für mich eine klare Verortung im Business, allenfalls an einer klar gesetzten Schnittstellenfunktion zwischen Business und IT.
  4. PLDs haben als zentrale Funktion stark. Nur dann können sie die erzeugten Synergieeffekte voll ausspielen. Im Gegenzug scheint es aber in pharmazeutischen Unternehmen in regelmäßigen Wellen, und jetzt gerade wieder, eine Tendenz zu geben, Aufgaben in die Fläche zu verteilen. Der Gedanke ist dann „Wir sparen bei Global die Kosten für die PLD, und jeder macht das ein bisschen mit.“ Witziger Gedanke … der allerdings fatale Auswirkungen auf die Produktivität der Mitarbeiter hat.
  5. PLDs sind oft von Informationsexperten für Informationsexperten designed. Das hat zum Teil historische Gründe. Passt aber nicht mehr zum heutigen Einsatzumfeld in pharmazeutischen Unternehmen. In den letzten 10-15 Jahren wurde die Anzahl ausgebildeter Information Professionals in  den Pharmaunternehmen konsequent heruntergefahren. Dies bedeutet auch, dass sich die unternehmensinternen PLD-Nutzer deutlich Richtung Fachexperten (z.B. Mediziner) ohne explizite Erfahrung in der Nutzung professioneller Informationstools verschoben haben. Und ich habe bisher kaum eine PLD gesehen, die diese neuen Nutzergruppen bezüglich Usability adäquat bedient.

 

Fazit

Eine eigene PLD, intelligent designed und implementiert, kann den ständigen Bedarf an Wissen, was über die eigene Produkte publiziert wird, zuverlässig decken, Probleme mit regulatorischen Anforderungen und Behörden vorbeugen und gleichzeitig die Produktivität im Unternehmen erhöhen.

Doch zu „intelligent designed und implementiert“ gehören auch eine langfristige, strategische Verankerung im Unternehmen sowie ein ausreichender Grad von Unabhängigkeit von kurzfristigen Entscheidungen und taktischen Veränderungen im Unternehmen. Das kurzfristige Abschalten einer etablierten internen PLD kann versteckte aber deutliche Kosten für das Unternehmen verursachen, und war in allen bekannten Fällen ein nichtumkehrbares zurück auf Null.

Eine der aktuell wichtigsten Herausforderungen für PLDs ist, durch zielführende und intuitiv zu bedienende Interfaces, Medizinern und anderen Nichtinformationsprofis einen effizienten Zugang zu Antworten anzubieten. Die Abstimmung über den Erfolg erfolgt mit den Füßen … bzw. den Tastaturen.

Good-bye Google! – Die Liste

Auf besonderen Wunsch poste ich diesen Nachtrag zum meinem „Good-bye Google!“ Artikel. Eine Liste von Quasi-Monopolisten, und wie ich sie bei mir ersetzt habe …

 

was wofür ersetzt mit …
Gmail mobile Email (IMAP) IMAP-Mailserver und Roundcube *
Gmail-Kontakte Kontakte auf mobilen Geräten nutzen und synchronisieren ownCloud *
Gmail-Kalender Termine auf mobilen Geräten nutzen und synchronisieren ownCloud *
Gmail-Aufgaben Aufgaben auf mobilen Geräten nutzen und synchronisieren ownCloud *
Bookmarks meine Bookmarks mobil nutzen und synchronisieren ownCloud (oder LimboMedia) *
OneNote, Evernote meine Notizen mobil nutzen und synchronisieren ownCloud (oder LimboMedia) *
Feedly Newsfeeds lesen Tiny Tiny RSS *
Drobbox, Google Drive Dateiablage in der Cloud, Dateien mit Freunden teilen ownCloud *
Picasa Online-Fotos, Fotos mit Freunden teilen ownCloud (oder LimboMedia) *
meine Musiksammlung mobil hören LimboMedia (oder ownCloud) *
meine Videos mobil sehen LimboMedia (oder ownCloud) *
mein eigenes Wiki mobil pflegen MediaWiki *
Google-Suche Internetsuche ixquick und Startpage
Amazon Bücher und eBooks online bestellen, Wunschzettel osiander.de
meine Passwörter unterwegs dabei securesafe.com (Schweiz)
Cloud-Backup regelmäßige Sicherungskopien meiner Daten rsync und BackInTime *
Android Smartphone Smartphone Blackberry mit IMAP-Mailzugriff, Whatsapp, Skype, ownCloud App, Limbomedia App, Tiny Tiny RSS App, Osiander App sowie allen von mir benötigten Android Apps via Snap

 * = auf meinem eigenen Cloudserver

 

To be continued …