Gedanken eines desillusionierten CDU-Mitglieds

Die CDU war immer meine politische Heimat.

Lange Zeit ohne formale Zugehörigkeit. Später auch als Mitglied. Und dann einige Jahre als lokal-kommunal Engagierter.

 

Aber schon seit längerem fühle mich in der Bundespolitik meiner Partei nicht mehr zuhause, habe mich schleichend innerlich von der Bundesebene distanziert.

Angefangen hat es vor vielen Jahren mit „Fremdgehen“ bei der Europawahl. Weil ich die Ansätze der CDU in Richtung eines europäischen Bundesstaates nicht mittragen konnte. OK, zugegeben, es war auch guter Schuss Trotzverhalten dabei, gegen aus meiner Sicht politische Fehlentwicklungen in der Bundespartei. Eine Art schadensbegrenzter, heimlicher Protest. Und in Gesprächen merkte ich, dass ich nicht der Einzige war.

Heute gebe ich aus Verbundenheit dem lokalen CDU-Kandidaten noch meine Stimme. Aber die Partei CDU, meine Partei, wähle ich schon seit langem nicht mehr. Bei der Zweitstimme hat mich die CDU verloren.

 

Dabei bin ich bezüglich ihrer „DNS“, ihrer Grundüberzeugungen, richtig bei der CDU. Im Verständnis von einer ausgewogenen Balance zwischen individueller Freiheit und Beitrag für die Gemeinschaft, von sozialer Marktwirtschaft, von innerer und äußerer Sicherheit, von der Identifikation mit dem eigenen Land und einer Verantwortung für Europa.

 

Aber in der Umsetzung stimmt es für mich nicht mehr. Ehemalige konservative Kernpositionen der CDU, wegen derer ich auch in die CDU eintrat und zu denen ich weiter stehe, sind in den Jahren der Kanzlerschaft schleichend entschwunden.

  • Ich bin für Europa aber gegen einen europäischen Superstaat.
  • Ich bin für den Euro. Aber stark enttäuscht, wie willig Stabilitätskriterien aufgegeben wurden.
  • Ich bin der Meinung, dass jeder seine Rechnungen selber bezahlen sollte bzw. gegen die Vergemeinschaftung von Schulden.
  • Ich bin für die Wehrpflicht.
  • Ich bin für einen höheren Wehretat, um es der Bundeswehr zu ermöglichen, ihre umfangreichen und wichtigen Aufgaben professionell, mit optimaler Ausrüstung und mit Würde zu erfüllen.
  • Ich für Atomkraft. Ich bin gegen die Verspargelung der Landschaft.
  • Ich bin für die Freiheit, die persönliche Erfüllung in der gleichgeschlechtlichen Liebe finden zu dürfen. Aber ich bin gegen die Ehe für alle.
  • Ich bin dafür, dass Männer und Frauen bei gleicher Qualifikation die gleichen Chancen haben. Aber ich bin gegen Frauenquoten.
  • Ich bin für einen starken Rechtsstaat und eine konsequente innere Sicherheit.
  • Ich für die Einhaltung des Rechts, gerade auch in Ausnahme- und Notsituationen.
  • Ich bin für die Aufnahme Schutzbedürftiger, aber nicht der Ansicht, dass jeder aus einem Land mit niedrigerem Lebensstandard als dem deutschen schutzbedürftig ist.
  • Ich bin für den kontrollierten Zugang zu unserem Land, auch von Schutzbedürftigen. Und ich bin der Meinung, dass Grenzen durchaus geschützt werden können.
  • Ich bin für das individuelle Grundrecht aus Asyl, aber gegen eine massenhafte, kollektive Anwendung.
  • Ich bin gegen den Doppelpass.
  • Ich bin für eine deutsche Leitkultur, in dem Sinne wie sie einst von Thomas de Maizière vorgeschlagen wurde (bevor die Idee verleumdet und das Wort zum Kampfbegriff wurde).
  • Ich bin der Überzeugung, dass keine Politik alternativlos ist.

Und das sind nur die Themen, die mir auf die Schnelle einfallen. Alles ehemalige CDU Positionen, die inzwischen entweder in die Tonne getreten, weichgespült oder in CDU-Verantwortung gegenteilig umgesetzt wurden.

 

Oder die CDU-Bundesvorsitzende und Kanzlerin ignorierte einfach CDU-Parteitagsbeschlüsse im Rahmen ihrer „Realpolitik“. Sie ist nicht die Erste, die das macht … aber das macht es auch nicht besser.

Ich weiß, dass eine Partei sich nicht auf Grundüberzeugungen ausruhen darf. Sie muss auch gewählt werden, um umsetzen zu können. Dass es ein Balanceakt ist, Wahlen zu gewinnen, ohne seine Prinzipien zu verraten.

Mir persönlich kommt es allerdings so vor, als wäre genau diese Balance nicht mehr im Lot. Als ginge es in der CDU fast nur noch darum, dass Angela Merkel Kanzlerin bleibt. Im Zweifel für die Wählbarkeit. Inhalte und Überzeugungen scheinen real überfahren werden von der angeblichen „Alternativlosigkeit“ der Bundesvorsitzenden.

Mich irritiert auch die anscheinend völligen Blindheit gegenüber der Tatsache, dass sich seit Jahren mehr und mehr vormals treue CDU Anhänger abwenden. In der Analyse nach Wahlen werden regelmäßig Wechselwählergewinne schön geredet, aber die Wahlabstinenz oder der Verlust von Stammwählern geflissentlich ignoriert. Welch fataler Fehler.

 

An dieser Stelle kommt oft und nicht ganz unberechtigt der Einwand, dass ich mich selber mehr engagieren könnte, mich einbringen und die Ausrichtung der CDU aktiv mitgestalten. Na klar könnte ich das. Allein … es fehlt mir der Glaube.

Wenn ich sehe, dass gestandene Politprofis auf dem Bundesparteitag und im Bundesvorstand hörig jeden inhaltlichen Bruch durchwinken, dass offizielle Parteitagsbeschlüsse unwidersprochen übergangen werden, dann fehlt mir die Überzeugung, dass ausgerechnet mein bescheidenerer Beitrag etwas ändern sollte.

Ich hätte auch ernsthafte Probleme, als Aktiver die CDU Politik nach Außen zu vertreten. Beispielsweise an einem Parteistand in der Diskussion mit den Bürgern die Politik meiner Partei zu verteidigen oder zu erklären. Wie könnte ich das, wenn ich selber in der Breite überhaupt nicht dazu stehe.

 

Alternativen?

SPD … warum sollte ich mich dem Original zuwenden, wenn ich die Kopie nicht mag.

Der FDP stände ich wirtschaftspolitisch sehr nahe. Aber die pseudoreligiöse Überbetonung der persönlichen Freiheit geht mir in Teilen definitiv zu weit.

Die Grünen sind gut in der Problembenennung. Aber viele ihrer Problemlösungen sind aus meiner Sicht definitiv die falschen. Und unregelmäßige bevormundende, ökofundamentalistische Ausbrüche stoßen mich ab.

Der krakeelende Chaotenhaufen der AfD ist für mich unwählbar. Dito die LINKE. Ist für mich alles dieselbe schale Soße.

 

Ich bin heute vor allem wegen der Menschen dort noch Mitglied der CDU. Menschen, die ich schätzen lernen durfte. Sie halten mich weiter in der Partei, mit ihnen fühle ich mich verbunden. Es sind Menschen wie Volker Bouffier, Wolfgang Schäuble, Wolfgang Bosbach, Thomas de Maizière, Roland Koch, Friedrich Merz, und darüber hinaus viele öffentlich Unbekannte, mit denen ich die Freude hatte, politisch zusammen zu arbeiten.

Aber ich befürchte, sagen zu müssen, dass ich mich sehne nach der Zeit nach Angela Merkel.

 


Advertisements

Der Fake-News-Check

Wie erkenne ich Fake News und moderne Sagen?
5. Der Fake-News-Check

.

Der letzte Teil der Miniserie ‚Wie erkenne ich Fake News und moderne Sagen?‘ ist eine Checkliste mit deren Hilfe man mögliche Fake News, Hoaxes und moderne Sagen erkennen kann.

Wenn eine Meldung 4 oder mehr Kriterien erfüllt, ist sie mit grosser Wahrscheinlichkeit eine Fake News.

Merkmal Ja!
Ich lese die Nachricht in Social Media (z.B. Facebook).
Es wird aufgefordert, die Nachricht zu teilen/weiter zu verbreiten.
Die Nachricht warnt vor irgendetwas.
Die Nachricht stellt überspitzt dar.
Die Nachricht ist emotional geschrieben/verfasst.
Die Nachricht macht mich wütend bzw. regt mich auf.
Die Nachricht verwendet Allgemeinplätze.
Formulierungen sind schwammig oder widersprüchlich.
Die Nachricht ist meinungsstark oder bezieht eindeutig Position.
(aber nicht als Kommentar oder Glosse markiert)
Die Nachricht unterscheidet klar gut/böse und ist wenig differenziert.
Der Charakter von Personen wird „kritisch“ betrachtet.
Es wird eine Geheimorganisation oder eine alles kontrollierende Gruppierung erwähnt.
Datum der Nachricht nicht aktuell oder kein Datum angegeben.
Fehlen Beweise/Belege für einzelne Behauptungen.
Es wird keine Quelle für enthaltene Informationen angegeben.
Wenn ich auf das Link zur Quelle klicke lande ich woanders.
Bei der angegeben Quelle findet sich die Nachricht/Information nicht.
Die angegebene Quelle existiert nicht.
Behauptungen lassen sich nicht verifizieren.
Die Nachricht wird von staatlich kontrollierten Medien verbreitet
(z.B. RussiaToday).
Die  Quelle hat kein Impressum.
Die Nachricht findet sich nur bei einer Quelle
(bzw. bei nahe verwandten Medien)
Bilder passen nicht zum Text.
Bilder sind geklaut und/oder zeigen eigentlich etwas anderes.
Die Nachricht ist bei mimikama.at gelistet.
Der Domainname der URL (Webadresse) passt irgendwie nicht.
Ich habe das Gefühl, dass irgendetwas mit der Nachricht nicht stimmt.

 


Websites, die Fake News listen …

 

8 schnelle Tricks für die tägliche Nachrichtenlektüre (Miniserie ‚Wie erkenne ich Fake News und moderne Sagen?‘)

Wie erkenne ich Fake News und moderne Sagen?
4. Die Quelle

  .

Das bekommt man immer wieder um die Ohren geschlagen …

Man – möge – doch – bitte – die Quelle(n) prüfen.

  .

Nur … leichter gesagt als getan!

Soll ich wirklich jedes Mal losrennen und gegenprüfen, ob eine Nachricht oder Information aus einer seriösen Quelle stammt?

Kann ich das? Will ich das?

  .

Für Profis

… wie Journalisten, professionelle Rechercheure und Analysten gehört eine intensive Quellenprüfung tatsächlich zur täglichen Routine (sollte es zumindest). Wie das Checken der Instrumente vor dem Abflug eines Flugzeuges. Lästig, aber muss halt, wenn man Wert auf Zuverlässigkeit und Qualität legt.

Dabei werden Informationen kritisch hinterfragt und gegengeprüft …

  • Sind enthaltene Kerninformationen plausibel? Kann ein ein Ereignis zu dem genannten Datum überhaupt stattgefunden haben, oder können genannte Personen tatsächlich zum Datum am genannten Ort gewesen sein, etc.
  • Gibt es nur eine einzige Quelle für die Information/Nachricht, oder wird sie durch unterschiedliche Quellen bestätigt?
  • Und ist die Information in den unterschiedlichen Quellen konsistent? Falls es Abweichungen gibt, welche … und warum?
  • Falls es mehrere Quellen gibt, sind diese wirklich unabhängig voneinander, oder hat am Ende nur einer vom anderen abgekupfert?
  • Kann jemand die Nachricht persönlich bestätigen? Ein Beteiligter, ein Zeuge, ein Vertreter einer genannten Institution? Ist diese Person glaubwürdig?
  • Und so weiter und so fort …

Ganz wichtig ist für den Profi auch die Frage „qui bono?; also, wer einen Nutzen von der Streuung der Information/Nachricht zum aktuellen Zeitpunkt haben könnte. Und ob es eine Verbindung zwischen möglichen Nutznießern und der Quelle gibt. Oft sehr erhellend.

  .

Für meine täglichen Nachrichtenlektüre

… geht das natürlich zu weit. Ich will ja entspannt lesen.

Aber ein paar einfache Dinge gibt es schon, auf die ich achte

  1. Meine Grundeinstellung. Ich mache mir bewusst, dass es keine absolut neutrale Quelle gibt. Ich gehe pauschal davon aus, dass jede Nachricht/Information eine Interpretation enthält.
      .
  2. Ignoriere Facebook & Co. Soziale Medien eignen sich grundsätzlich nicht als zuverlässige Informationsquellen. Punkt. Leider vermischen sich dort gute Informationen mit einem grossen Haufen Mist. Und es ist wirklich schwierig beides sauber auseinander zu halten.
      .
  3. Breit informieren. Je nach Zeit und Möglichkeit lese bzw. konsumiere ich unterschiedliche Nachrichtenquellen. Tageszeitung, Wochenzeitung, verschiedene Newsportale, Radiosender und TV-Nachrichtensendungen, und wenn es sich ergibt auch mal gerne eine englischsprachige Zeitung oder Nachrichtensendung gegen den Binnenblick.
    .
  4. Taucht dieselbe Nachricht bei mehrere seriösen Quellen auf? Lese ich eine Information tagsüber in meiner Zeitungs-App, höre sie später im Radio und sehe sie am Abend in den Nachrichten, schreibe ich ihr eine höherer Zuverlässigkeit zu.
    .
  5. Was ist die Schnittmenge? Ich achte darauf, wie dieselbe Nachricht in unterschiedlichen Quellen formuliert wird und was trotz unterschiedlicher Interpretation und Schwerpunktsetzung der gemeinsame Kern ist? Welche Informationen sind trotz unterschiedlicher Interpretationen konsistent und immer enthalten?
    .
  6. Wie ist eine Nachricht geschrieben? Ich achte darauf, wie eine Nachricht verfasst ist. Welche Sprache wird verwendet? Werden einseitig besetzte Begriffe eingesetzt? Ist die Nachricht emotional formuliert (siehe ‚3. Wut‘)? Will sie mich aufregen, mich wütend machen? Gibt es eine „mythische Gruppe“ (siehe ‚1. Die mythische Gruppe‚)? Werden Behauptungen aufgestellt aber nicht bewiesen (siehe ‚2. Beweislastumkehr‚)?
    .
  7. Keine staatlich kontrollierten/beeinflussten Medien. Haben Informationen von ARD, ZDF, der WELT, der Süddeutschen oder DIE ZEIT für mich einen höherer Stellenwert als beispielsweise von RussiaToday und anderen staatlich kontrollierten Medien.
    .
  8. Fähigkeit zur Selbstkritik. Für mich haben Nachrichten und Informationen aus Quellen, die Fehler zugeben, eine höhere Wertigkeit. Spricht auch eher für die ARD als für RT.

Und immer wieder: cui bono? …!

  .

Manipulation durch Emotionen (Miniserie ‚Wie erkenne ich Fake News und moderne Sagen?‘)

Wie erkenne ich Fake News und moderne Sagen?
3. Wut

  .

Fake News sind oft wütend formuliert … aber wollen auf jeden Fall Wut auslösen. Sie zielen bewusst darauf ab, Emotionen zu erzeugen.

Denn Emotionen und vor allem Wut schalten das sachlich-kritische Nachdenken ab, und verführen dazu, eine Geschichte unreflektiert und ungeprüft weiter zu verteilen. Fake News sind wie Viren, sie wollen anstecken und befallen, Menschen und Gehirne. Und Wut ist Einfallstor und Futter für den Virus.

Wollen Sie Virenfutter sein?

.

Ich werde mittlerweile vorsichtig, wenn mich eine Nachricht aufregt, wütend macht, oder traurig, oder betroffen. Merke ich also, dass eine Geschichte oder Nachricht starke Emotionen bei mir weckt, dann halte ich bewusst inne … und hinterfrage und recherchiere nach. Bevor ich einer falschen Geschichte auf den Leim gehe, bloß weil sie mich wütend macht.

  .

Deshalb:
  • Kopf anschalten und kritisch bleiben
  • bei Geschichten und Nachrichten, die aufregen, vorsichtig werden,
  • und sich nicht von emotionalisierten Bildern oder Geschichten manipulieren lassen

„Beweis mir doch das Gegenteil!“ (Miniserie ‚Wie erkenne ich Fake News und moderne Sagen?‘)

Wie erkenne ich Fake News und moderne Sagen?
2. Die Beweislastumkehr

  .

Mies aber effektiv.

Etwas behaupten, und beim kritischen Nachfragen kommt ein Spruch wie „beweis mir doch, dass es nicht so ist!“

   .

Nein, liebe Freunde der Weltverschwörung. Die Beweispflicht liegt grundsätzlich bei demjenigen, der eine Behauptung aufstellt.

Wenn ich behaupten würde, es gäbe einen Mann im Mond, dann müsste auch ich die Existenz eines Mannes im Mond beweisen. Da ich das nicht kann, halte ich meine Klappe, so schön die Vorstellung auch wäre.

   .

Ich befürchte allerdings, dass sich der typische Verschwörungsanhänger dieser einfach Logik entzieht. Also gibt es weiterhin Bücher über diverse Weltverschwörungen, Merkels Masterplan zur Abschaffung des deutschen Volkes, den Imperialismus von EU und NATO, die Nichtexistenz der Bundesrepublik Deutschland, krankmachende Impfungen, Krebsheilung durch hochdosierte Vitamine, Chemtrails, dass die Amerikaner nie auf dem Mond gewesen wären, die angeblichen Inszenierung von 9/11, die Scheibentheorie , UFOs, Nessie, den Yeti, und möglicherweise auch über einen Mann im Mond.

  .

Ich muss allerdings zugeben, dass es einen Vorteil gibt, sich auf diese falsche Denke einzulassen. So kann ich ganz entspannt alle Verschwörungsanhänger, Impfgegner, Volksretter, UFO-Jäger, Vitaminfanatiker, etc. zu durchgeknallten, neurotischen Spinner deklarieren … … … beweis‘ mir doch das Gegenteil!

Mythische Gruppen und Geheimorganisationen (Miniserie ‚Wie erkenne ich Fake News und moderne Sagen?‘)

Wie erkenne ich Fake News und moderne Sagen?
1. Die mythische Gruppe

  .

In sozialen Netzwerken kursieren immer wieder Falschmeldungen (‚fake news‘, ‚hoaxes‚) und moderne Sagen.

Diese haben sehr oft als – selbstredend bösen – Protagonisten eine mythische Gruppe, anonym, amorph, und oft ‚geheim'(nisvoll). Beispiele gefällig?

  • „die USA und die CIA“ … ein beliebter Klassiker
  • „der militärisch-industrielle Komplex“ … vormals sehr beliebt in linksintellektuellen Kreisen, ist aber irgendwann irgendwie abhanden gekommen
  • „die Atomkraftlobby“ … die sich allerdings mittlerweile irgendwie selber atomisiert hat
  • „die Pharmaindustrie“ … wobei sich Insider bei der Vorstellung totlachen
  • „die jüdische Weltverschwörung“ … als Vorstellung sehr bekloppt, aber leider unkaputtbar
  • „die Eliten“ … hallo! … gleich mehrere?
  • „die etablierten Parteien“ … gerne von Parteigängern vorgworfen, die sich selber gerade etabliert haben
  • „DIE Lügenpresse“ … warum habe ich dabei immer einen kleinen, grauen, zeternden älteren Herren mit verbissenem Gesicht vor Augen?
  • „DIE Flüchtlinge“ … war in den 50ern schon mal beliebt … jetzt wieder da
  • „DIE Klimalobby“ … aber auch gerne alternativ „DIE Klimaleugner“
  • etc. pp.

Übrigens immer gerne mit dickem, fetten, grossen, dreifach unterstichenem „DIE“ („DIE Pharmaindustrie“ zum Beispiel). Ein verbaler Zeigefinger, fest, bestimmt und unumstösslich ausgestreckt in Richtung des unsagbar Bösen.

  .

Die mythische Gruppe bzw. Geheimorganisation zeichnet sich dadurch aus, dass sie …

  1. ein Mythos ist, also nicht real existiert,
  2. aber die sich als als fiktive Projektsfläche eignet, um ihr pauschal das ganze Unglück der Welt zuzuschreiben, wie Hexen, Drachen oder die Anhänger Lord Voldemorts,
  3. sich auch keiner gegen Vorwürfe gegen diese Gruppe wehrt, weil sich erstmal gar keiner angesprochen fühlt oder es einfach real niemanden gibt, der sich angesprochen fühlen könnte,
  4. und die Vorstellung der bösartigen, formlosen Masse einen grusligen Schauer erzeugt, ähnlich wie der Anblick des Raubzuges einer wimmelnden Wanderameisenkolonie im brasilianischen Regenwald.

  .

Ich denk mir nur immer … bei all den vielen aktiven, geheimen Gruppierungen, die alle irgendwie eine Art Weltherrschaft anstreben … müssten die sich doch eigentlich gegenseitig ganz schön ins Gehege kommen, oder?

  .

Lange Rede, kurzer Sinn:

Verwendet eine Nachricht oder Geschichte eine mythische Gruppe oder Geheimorganisation, dann ist es mit Sicherheit eine ‚fake news‘ bzw. eine moderne Sage (= Lügengeschichte).

Warum Joe Siemens nicht gut tun wird

„Namen sind Schall und Rauch.“ mag man flapsig für Dingen und Gegenständen sagen, wenn einem der richtige Begriff gerade einmal nicht einfallen will.

Namen von Menschen jedoch sind mehr als „Schall und Rauch“, sie sind im positivsten Sinne Wurzel und Identität.

Deswegen ist die Änderung des eigenen Namens immer ein großer, persönlicher Schritt. Und nicht ohne Grund machen Gesetzgeber und Verwaltungen diesen nicht leicht. Ich kenne Menschen, die aus guten Gründen den Aufwand auf sich nahmen, ihren Nachnamen ändern zu lassen (Anmerkung: die folgenden Beispiele sind abgeleitet und rein fiktiv). Beispielsweise von „Allesschitt“ zu „Allesschmitt“ … das ist nachvollziehbar denke ich. Oder wenn das mit US-Datenbanken inkompatible „Busen-s“ (ß) bei Vielreisenden für stetige, nervige Diskussionen bei der Ein- und Ausreise sorgt, wie bei „Jens Boß“ – O-Ton am Einreiseschalter: „Why is you name in the passport different from our ESTA file, Mr. Bob?“ – heute „Jens Boss“.

Jemand, bei dem ich es jedoch bisher leider nicht nachvollziehen kann, ist Siemens-Chef Joe Kaeser, vormals Josef Käser. Auch wenn die Kommunikationsabteilung des Unternehmens sehr offensiv das Bild verbreitet, wie verbunden Joe Kaeser seiner niederbayerischen Herkunft sei … es fühlt sich irgendwie nach unterwürfiger Anbiederung an anglo-amerikanische Gegebenheiten zum alleinigen Zweck der Förderung der eigenen Karriere an.

Das ist jetzt sehr hart formuliert, ich weiss. Aber läuft es nicht darauf hinaus? Falls meine Vermutung richtig ist, stellt sich doch zwangsläufig die Frage, wie gut einem Unternehmen eine Führungspersönlichkeit tut, die sogar ihren Namen zum persönlichen Vorteil instrumentalisiert?

Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter. Starke Unternehmen wie Siemens brauchen integere Führer, um sich dauerhaft auf internationalen und umkämpften Märkten zu behaupten. Doch welche Integrität darf man von einem Manager erwarten, der noch nicht einmal zu seinem Namen steht? Selbstsicherheit und innere Stabilität drücken sich meiner Meinung nach anders aus.

Ich würde mich für Siemens freuen, wenn meine Vermutungen falsch sein sollten. Die gescheiterte Alstom-Übernahme könnte jedoch bereits ein erstes Anzeichen dafür sein, dass Joe Kaeser nicht gut für Siemens sein wird. Josef Käser wäre es vielleicht gewesen.