Lernen von den Großen – 6 Tipps zum Schutz Ihrer Daten

Großunternehmen folgen beim Schutz Ihrer Daten und Systeme einigen einfachen Prinzipien. Warum sich diese nicht abschauen, und – angepasst – selber anwenden …

 

1. Es gibt keinen 100%igen Schutz

Es ist jedem IT-Verantwortlichen klar, dass selbst bei den besten und innovativsten Schutzmaßnahmen immer ein Restrisiko bleibt. Unternehmen müssen immer die Balance halten zwischen sinnvoller Nutzung moderner IT-Lösungen und nicht beeinträchtigender Abschottung.

Also gehen kluge IT-Strategen grundsätzlich davon aus, dass ein erfolgreiches Eindringen durch Hacker nur eine Frage der Zeit ist. Man kann es maximal erschweren, verzögern, die Wahrscheinlichkeit reduzieren.

Dabei passiert etwas spannendes, wenn man sich vom üblichen Schutzwall-Denken löst und sich mit der Tatsache anfreundet, dass irgendwann einmal jemand auf der eigenen Platte herumstöbern wird. Die Sichtweise ändert sich.

Tipp: Gehen Sie ganz selbstverständlich davon aus, dass Ihr Rechner früher oder später gehackt werden wird.


2. Daten und Dateien nach Schutzwürdigkeit klassifizieren

Wenn ich sage, dass sich die Sichtweise ändert, dann meine ich, dass man anfängt seinen Daten und Dateien mit anderen Augen zu betrachten. Was kann ein Hacker ruhig sehen, wenn er denn dann mal bei mir drin ist, und was darf er auf keinen Fall in die Finger kriegen?

Moderne Unternehmen ordnen daher ihre Daten in gestaffelten Klassen. Von „public“ bis streng geheim. Das spannende ist, dass man dabei ein ganz anderes Bewusstsein für die eigenen Daten und Informationen bekommt. Was ist denn wirklich wichtig? Was könnte schaden und was nicht? Und wann und warum?

Im Privatleben könnte es Klassen geben wie „nur für mich“, „nur für die Familie“, „Freunde und Vereine“, „für jeden“. Beim Finden der persönlichen Schutzklassen helfen ein paar Fragen:

  • Was kann ruhig jeder sein? Was dürfte im Dorfklatsch behandelt werden?
  • Was habe ich ohnehin schon öffentlich (z.B. bei Facebook, Xing, LinkedIn, etc.)?
  • Was sollte nur für meine Familie sehen bzw. lesen?
  • Was könnte mir schaden?
  • Was geht keinen(!) etwas an? Was sollte ausschließlich unter meiner Kontrolle bleiben?

Tipp: Klassifizieren Sie Ihre Daten in 3-4 Stufen von „kann ruhig jeder sehen“ bis „das darf außer mir nie irgendjemand sehen“.


3. Konzentrieren Sie sich auf den Schutz der wirklich sensiblen Dinge

Im nächsten Schritt behandeln Großunternehmen Ihre Daten unterschiedlich, je nach Klassifizierung. Man könnte auch sagen, statt einem Schutzwall um alles, gibt es mehrere Verteidigungslinien mit unterschiedlicher Schutzhöhe.

So können weniger geheime Informationen und Dateien ruhig in einer durchschnittlich geschützten Arbeitsumgebung liegen. Und andere wiederum in stärker geschützten Bereichen mit begrenztem Zugang für ausgewählte Mitarbeiter.

Das können Sie privat auch mit einfachen Mitteln umsetzen. Zum Beispiel. Dateien, die eigentlich jeder sehen dürfte, können in einen Cloudspeicher. Daten mit Zugang für die Familie auf den PC oder in ein Heimnetzwerk. Schutzwürdige Dateien beispielsweise in ein Truecrypt-Volume, das nur bei Bedarf eingehängt wird. Und die ganz geheimen Sachen auf einen verschlüsselte, kennwortgeschützte externe Festplatte, die nur angeschlossen wird, wenn die Daten wirklich gebraucht werden..

Tipp: Schaffen Sie unterschiedliche Ablageplätze für Daten unterschiedlicher Schutzwürdigkeit, und gehen Sie da sehr konsequent mit um.


4. Vertrauliche Dateien nicht ständig verfügbar haben

Eine ganz einfache und in vielen Großunternehmen fest etablierte Strategie lautet, dass man besonders schutzwürdige und vertrauliche Daten nicht durchgängig verfügbar macht. Was nicht verfügbar ist, kann keiner klauen.

Warum müssen zum Beispiel Ihre Kontoauszüge oder Gesundheitsunterlagen permanent verfügbar auf Ihrer Festplatte herumlungern, wenn Sie diese ohnehin nur alle paar Monate einmal brauchen?

In der vorangegangenen Auflistung hatte ich schon Ablageplätze für besondere Daten aufgezählt, Truecrypt-Volumes und externe Festplatten, dazu kann man natürlich auch noch kennwortgeschützt USB-Sticks und andere Tools ergänzen, auf die man sensible Daten auslagern kann, bis man sie tatsächlich einmal braucht.

Tipp: Lagern Sie besonders schutzwürdige und vertrauliche Daten und Dateien auf externe oder quasi-externe Medien aus.


5. Keine sensiblen Daten in Clouddienste

Großunternehmen sind an diesem Punkt sehr restriktiv. Oft sind die Nutzung von Dropbox und Co. ausdrücklich untersagt und die entsprechenden Zugangsseiten in den Firewalls der Firmennetzwerke gesperrt. Aus guten Gründen.

Auch hierbei geht es um Bewusstsein. Wo man im privaten Alltag manchmal nachlässig seine Daten in einer bequemen Cloudlösung speichert („wird schon nichts passieren“), haben Unternehmen im geschäftlichen Einsatz ein geschärftes Bewusstsein. Das Problem ist, wenn etwas passiert, ist es nicht mehr rückgängig zu machen. Unternehmen wissen das. Davon kann man lernen.

Denn über in irgendeine Cloud ausgelagerte Daten gibt man seine informationelle Selbstbestimmung ab. Man hat faktisch keine umfassende Kontrolle mehr über diese Daten und Dateien. Nein, das ist nicht paranoid, sondern ist eine ganz reale Gefahr, wie diverse Ereignisse der letzten Zeit zeigen, bei denen Dummköpfe Nacktbilder von sich oder Kennwörter in Cloudlösungen ablegten und sich wunderten, als diese auf einmal ganz woanders auftauchten.

Tipp: Wenn Sie sich nicht schützen, macht es keiner. Niemals gehören sensiblen Daten in die Cloud.


6. Arbeiten Sie nur mit eingeschränkten Nutzerkonten

Ich hatte weiter oben schon erwähnt, dass Unternehmen sehr gerne mit unterschiedlichsten Nutzerrechten und -einschränkungen arbeiten. Klar macht das in diesem Umfeld Sinn, werden Sie denken, aber bei mir wäre das doch mit Kanonen auf Spatzen geschossen.

Ja … und Nein. Natürlich brauchen Sie keine exzessive Nutzerverwaltung wie die Großen. Aber etwas können Sie sich trotzdem abgucken.

Bei einer üblichen PC-Standardinstallation richtet Windows Ihnen automatisch ein Benutzerkonto mit recht umfangreichen Rechten ein. Ein (Quasi-)Administratorenkonto. Das bedeutet aber auch, dass jeder Hacker, jedes Virus und jedes Schadprogramm, die unbeachtet im Hintergrund unterwegs sind während Sie am Rechner arbeiten, dieselben Administratorenrechten haben. (ich bitte die Poweruser unter Ihnen um Nachsicht, dass ich hier stark vereinfache … mir geht es um das Grundprinzip)

Schlauer ist es unter Umständen, zwei Benutzerkonten zu haben, eines weiterhin als Administratorenkonto und ein zweites z.B. als „Hauptbenutzer“ mit weniger Rechten, welches Sie standardmäßig verwenden. Bei Bedarf – z.B. für die Installation einer neuen Software – kann man dann kurz in das Administratorenkonto gehen. Es macht jedenfalls keinen Sinn und ist ein unnötiges Risiko, im Alltag permanent als Admin unterwegs zu sein.

Tipp: Verwenden Sie zum Surfen und Arbeiten ein eingeschränktes Nutzerkonto, und nur bei Bedarf Administratorenrechte.

 

Sie sehen, 6 sehr einfache Wege, um die eigenen Daten sofort besser zu sichern. Großunternehmen machen uns vor, dass der beste Schutz ein bewusster Umgang mit den eigenen Daten und Dateien ist.

Sie haben es selbst in der Hand!

Ein Kommentar zu „Satiriker Sonneborn lässt Oettinger auflaufen“

Am 01. Oktober erschien in der Welt Kompakt ein Artikel mit der Überschrift „Satiriker Sonneborn lässt Oettinger auflaufen“ zur Befragung Günther Oettingers als designierter EU-„Digitalkommissar“ durch das EU-Parlament.

Da die Kommentarfunktion dieses WELT-Artikels leider heute schon ausgeschaltet war, das Ganze aber meiner Meinung nach nicht unkommentiert stehen gelassen werden sollte, schreibe ich meine Gedanken kurz hier und hoffe, dass sie ihren Adressaten finden.

 

Lieber leider ungenannter Autor,

 

Sie berichten in Ihrem Artikel über eine Aussage des designierten EU-Kommissars Oettinger. Dieser hatte auf die Frage, wie Bürger im Internet geschützt werden können, geantwortet, dass man Menschen, die beispielsweise Nacktbilder von sich ins Netz stellen, kaum schützen kann. In Folge machten Sie sich über das angeblich unvollständige Verständnis Oettingers zur „Welt des Internets“ lustig, weil dieser das Abspeichern in kennwortgeschützten Cloudservices gleichsetze mit „ins Netz stellen“.

Ich bin mir ehrlich gesagt nicht sicher, ob Günther Oettinger da nicht weiter ist und eine klarere Sicht der „Welt des Internets“ hat als Sie, lieber Autor. Wie naiv kann man denn sein, wenn man Cloudservices seine intimsten Daten und Fotos anvertraut? Die dann auf einem Server auf der anderen Seite des Planeten stehen. Sie selber wissen – seien Sie ehrlich! – nicht einmal wirklich in welchem Land. Ihre persönlichsten Daten auf einem Serverspeicher, auf den eine unbekannte Anzahl Ihnen vollkommen unbekannter Menschen Zugriff hat.

Wer ist da tatsächlich erschreckend naiv? Wem fehlt da wirklich das vollständige Verständnis der „Welt des Internets“? Nein, lieber Autor, auch bei Cloudservices geben Sie faktisch und real Ihre  informatorische Selbstbestimmung auf. Und ich selber kann der verallgemeinernden Aussage Günther Oettingers nur voll zustimmen, dass es sehr dumm bzw. eigentlich richtig dämlich ist, Nacktfotos oder andere sensible Daten von sich ins „Netz“ zu stellen, auch und gerade in Cloudservices als Teil desselben.

Abschließend darf ich noch ergänzen, dass die vollkommen daneben gegriffene Wahl Ihrer Headline meinen Gesamteindruck des Artikels abrundet. EU-Abgeordneter Martin Sonneborn ist ganz sicher ein begnadeter Selbstdarsteller. Doch so toll war seine von Ihnen herausgegriffene Frage eigentlich gar nicht, auch kein echter Schenkelklopfer … und schon überhaupt gar nicht repräsentativ für die parlamentarische Vorstellung und Befragung von Günther Oettinger (der diese – mal so ganz nebenbei – im Gegensatz zu Anderen im ersten Anlauf mit Bravour absolvierte). Darf ich fragen, warum Sie ausgerechnet diese Momentaufnahme so herausstellen?

Ich würde mir wünschen, lieber namenloser WELT-Redakteur, dass Sie sich bei der zukünftigen journalistischen Begleitung digitaler Themen auf EU-Ebene weniger von sonnebornschen Wichtigtuern blenden lassen und mehr die wirklich kritischen und berichtenswerten Themen herausarbeiten. Da gibt es wahrhaftig genug. Auch für eine echte kritischen Begleitung der Arbeit des neuen Digitalkommissars. Pseudowitzigkeiten kann „Titanic“ besser, das ist da ganz gut aufgehoben. Von der WELT erwarte ich mehr.

 

In diesem Sinne mit Vorfreude,

Ihr ergebener Leser

 


Wird Roche von Google übernommen?

Nein, ich bin ganz sicher nicht empfänglich für Verschwörungstheorien. Aber für Fakten. Und für Muster und Zusammenhänge, die aus einer Ansammlung einzelner Fakten herausscheinen.

Ich will gerne zeigen, was ich damit meine. Hier 5 zusammenhanglose Einzelfakten …

  1. März 2009, die Hoffmann-La Roche AG (Roche) kündigt die Übernahme des US-Biotechunternehmens Genentech an. Mitarbeiter sprechen bis heute davon, dass zumindest operativ und kulturell in Wirklichkeit Genentech Roche übernommen hätte. Genentech CEO zum Zeitpunkt der Übernahme ist Arthur D. Levinson. Levinson ist zwischen 2004 und 2009 auch Aufsichtsratsmitglied bei Google.
  2. Februar 2012, Roche verschiebt großflächig seine interne eMail in die Google Cloud. D.h. die gesamte eMail-Kommunikation des Pharmaunternehmens geht ab sofort über Google-Server.
  3. Die technologisch Kernkompetenz von Google ist die Auswertung und Analyse großer, unstrukturierter Datenbestände.
  4. September 2013, Google-Chef Larry Page verkündet den Einstieg von Google in die Pharmabranche: „Ich freue mich, Calico zu verkünden, ein neues Unternehmen, das sich auf Gesundheit konzentriert, genauer gesagt, auf das Altern und die damit einhergehenden Krankheiten.“ Arthur D. Levinson (mittlerweile Verwaltungsratsmitglied bei Roche) wird CEO der Google-Pharmatochter.
  5. November 2013, Hal Barron,vormaliger Chief Medical Officer und Leiter der globalen Produktentwicklung von Roche/Genentech, wird R&D Leiter bei Calico.

Geht es nur mir so, dass ich beim Anblick der Gesamtkonstellation Bauchschmerzen bekomme?

Dass Google über sein Suchmaschinen-Kerngeschäft hinaus alternative Geschäftsfelder anstrebt, wird schon länger offensiv kommuniziert und ist kein Geheimnis. Google engagiert sich in vielversprechenden Zukunftstechnologien wie hipper Hardware (Google Glass, Google Watch), Robotik (Boston Dynamics), Energiegewinnung (Makani Power), Infrastruktur (Project Loon), intelligente Haustechnik (Nest), Medizintechnik (Kontaktlinsenprojekt des Google X-Lab) … und eben auch Pharma und Gesundheit.

Frage: Würde Roche seine gesamte interne Kommunikation – die in der Regel vor allem über eMail und Dokumentenclouds läuft – auch einem Subunternehmen seines Konkurrenten Pfizer anvertrauen? Aus sehr guten Gründen wohl nicht!

Ist Roche klar, in welche zumindest potenzielle Lage sie sich selbst hinein manövriert haben? Was sie Google in die Hände gelegt haben?

Ich schwanke noch ein bisschen, wie ich Franz Humers (im September 20134 Verwaltungsratspräsident der Hoffmann-La Roche AG) Begeisterung für Levinsons Engagement bei Google interpretieren soll …

„[Levinson’s] track record at Genentech has been exemplary, and we see an interesting potential for our companies to work together going forward. We’re delighted he’ll stay on our board.“

  1. Gibt es im Hintergrund einen großen Plan einer engeren Zusammenarbeit zwischen Roche und Google?
  2. Ist das pure Naivität?
  3. Wurde er überrumpelt, und das war ein verklausuliertes politische Statement basierend auf Unsicherheiten, da man diese Entwicklung noch nicht einordnen kann?

Nun, ein großer Plan würde einen Grad an Organisiertheit und langfristiger Planung voraussetzen, den ich ehrlich gesagt bezweifle. Naivität wäre wiederum nicht unrealistisch aber fatal. Und wenn man schon einmal in einem größeren Pharmaunternehmen gearbeitet hat, fühlt sich die Überforderungs-Hypothese irgendwie nahe bei der Wahrheit an.

Aber wie schon gesagt, ich will mich nicht an Gefühle sondern lieber an Fakten halten und nicht zum Verschwörungstheoretiker werden. Auch wenn mir das im vorliegenden Fall wirklich nicht leicht gemacht wird. Ich spinne jetzt einfach mal ein bisschen herum, welche Schlagzeilen wohl so in der Zukunft auf uns warten mögen …

„Google übernimmt Genentech“ (= Google übernimmt Roche)

„Google neu unter den Top 5 der größten Pharmaunternehmen – Roche fällt zurück“

Schon jetzt lese ich real und aktuell (03. März 2014) erste Spekulationen über die Nachfolge von Roche-Verwaltungsratvorsitzenden Humers …

„Roche’s Franz Humer to step down in 2014. Could Art Levinson step in?“

Wird da am Ende die Phantasie von der Wirklichkeit überholt?

Last not least hier ein weiteres Fundstück vom 14. Februar 2014 …

„Roche verliert 140 000 Emails“

OK … da jetzt anfangen, zu spekulieren, würde wohl definitiv bei einer Verschwörungstheorie enden. Also, vorerst Ende vom Lied.

Vorerst.


Mehr zum Nachlesen …

Waisenknabe NSA oder die freiwillige Entblätterung

– Miniserie Datenschutz –

Die aufgeregte Diskussion über das Abschöpfen der weltweiten Internetkommunikation durch diverse Geheimdienste ignoriert, dass es ein viel größeres und gefährlicheres Datenleck gibt. Wir selber.

Schon Google und Facebook wissen heute wesentlich mehr über viele von uns als die NSA. Ganz ohne Ausspähung. Bereitwillig und fröhlich speisen wir selber jeden Tag die Datenbanken. Auf Basis der mittlerweile minütlich ge-share-ten und ge-like-ten Informationen und GPS-Positionsmeldungen, können Google, Facebook und Co. vom durchschnittlichen Benutzer heute schon ganz persönlich zugeordnet wissen …

  • wie Du aussiehst
  • wen Du kennst, und mit welchen dieser Du Dich besser verstehst (weil mehr kommunizierst)
  • was Du chattest und mailst, und welche Probleme Du hast
  • wo und was Du arbeitest
  • wo Du was und wann einkaufst
  • welche Bücher Du liest
  • welche politische Richtung Du bevorzugst
  • was Du am liebste isst
  • ob Du selber kochst oder öfter auswärts isst
  • wohin Du in den Urlaub fährst
  • welche Hobbies Du hast
  • wo Du gerade bist

Dagegen ist die NSA mit ihrem lächerlichen Metadaten-Sammeln ein Haufen von Waisenknaben und Stümpern.

Nein, die größte Gefahr für den Datenschutz ist nicht die NSA. Das sind wir selber.

Die Doppelmoral beim Datenschutz

– Miniserie Datenschutz –

Die NSA wird aktuell zum Inbegriff der bösen Datenkrake stilisiert.

Durchaus nicht zu unrecht, wie ich meine. Ich gehe allerdings ganz verfolgungswahnfrei seit vielen Jahren davon aus, dass der weltweite Mailverkehr von irgendjemandem irgendwo zumindest gesammelt und gegebenenfalls auch ausgewertet wird. Viel technischer Aufwand war dazu auch 2002 und davor nun wirklich nicht nötig. Und ich verhalte mich daher seit langem entsprechend, und die aktuelle pseudo-überraschte Hysterie stellt sich mir ziemlich merkwürdig und heuchlerisch dar (wie ich a.a.O. gestern bereits schilderte).

Jetzt ist es nur so. Irgendwie regen sich momentan dieselben Leute über den Abgriff persönlicher Daten und das Abhören von privater Kommunikation durch die NSA und anderer Geheimdienste auf, die sich sonst ergötzen am Abgriff persönlicher Daten durch das deutsche Finanzamt, dem illegalen Abhören persönlicher Telefonate zwischen bösen Bankern oder dem staatlichen Ankauf von Datenhehlerware. Das ist nicht nur verwirrend … sondern auch selbstentlarvend heuchlerisch.

Man badet in der medialen Verbreitung der Aufzeichnung einer Unterhaltung zwischen zwei Bankern, und legitimiert damit nachträglich das offensichtlich vorsätzlichen, pauschalverdachtsgetriebene, illegale Abhören von Telefongesprächen.

Man unterstellt pauschal allen Bundesbürgern, sie könnten Steuerbetrüger sein, und legitimiert damit das großflächige Ausspähen von Privatkonten durch die Finanzämter und den vorsätzlichen Erwerb von im Ausland illegal gesammelten persönlichen Bankdaten. Wie war das, was macht die NSA nochmal …?

Oder heiligt etwas der Zweck die Mittel?

Die Jagd nach Steuersündern und das öffentliche Blamieren böser Banker haben offensichtlich für bestimmte politische Couleurs einen höheren Stellenwert, als die Jagd auf Terroristen, die ja „nur“ Menschen umbringen und ganze Regionen tyrannisieren.

Wie heuchlerisch ist das denn?! Empfinde wirkliche nur ich dies als sehr fragwürdiges Wertesystem?

Die NSA und die geheuchelte „Affäre“

– Miniserie Datenschutz –

Es ist das Thema des Sommers 2013. Der amerikanische Geheimdienst National Security Agency (NSA) spioniert im großen Stil die Internetkommunikation der Welt aus. Und da wir auf unserer kleinen deutschen Insel der Glückseligen eben auch zu dieser Welt gehören, anscheinend unbescholtene deutsche Bürger gleich mit.

Eigentlich kann man sich nur wundern, dass im Jahre des Herrn 2013 alle so überrascht tun. Ist die ganze künstliche Aufregung Heuchelei oder einfach nur Dummheit?

Bereits Ende des alten Jahrtausends war bekannt, dass US-Geheimdienste im Allgemeinen und die NSA im speziellen Systeme aufbauen, welche systematisch elektronische Kommunikationsmittel abgreifen. 1999 berichtete u.a. heise über den PRISM-Vorläufer Echelon, ein <sic!> „Überwachungssystem unter der Leitung des amerikanischen Geheimdienstes, der unter Mitwirkung der Geheimdienste Großbritanniens, Australiens, Kanadas und Neuseelands die elektronische Kommunikation (Email, Telefon, Fax, Übertragungen über Satelliten, Glasfaser und Mikrowellen) abhört“.

Bereits in den frühen 2000er-Jahren bestanden einige meiner damaligen Kunden, namhafte Patentanwaltskanzleien, aus guten Gründen darauf, dass Projektinformationen per Email ausschließlich verschlüsselt gesendet werden. Keine Internet-Nerds, sondern Menschen mit Bewusstsein und Aufmerksamkeit für technische Möglichkeiten und Risiken.

Selbst in Interneteinführungskursen für Senioren gehört der Hinweis, dass unverschlüsselte Emails nicht geschützt sind, schon lange zum Standardprogramm. Nur an Medien und der SPD ist das alles wohl irgendwie vorbei gegangen, „Ja wie? Ja was? Da ha’m wir ja gar nichts von gewusst.“ Heuchelei oder Dummheit?

Wo waren Sie denn all die Jahre, die investigativjournalistischen Demokratiewächter? Offensichtlich hatte die Jagd nach gemeingefährlichen Bundespräsidenten und staatszersetzenden Dissertationsplagiatoren ihre ganze Aufmerksamkeit gefordert.

Und Siggi Gabriel gibt den Ahnungslosen, und nimmt seinen Parteikollegen Frank-Walter Steinmeier, der 2002 als Regierungsmitglied den Datenaustausch zwischen deutschem Bundesnachrichtendienstes (BND) und der NSA abgesegnet hatte, mit den Worten in Schutz, man sei damals (2002!) zum massenhaften Ausspionieren von Daten technisch gar nicht in der Lage gewesen. Heuchelei?

Im besten Fall wohl lediglich provinzielle Naivität.

Ankauf gestohlener schweizerischer Bankdaten

Wer versteht das denn noch?

Bei jedem Versuch, einen Mafioso abzuhören oder Anschlagspläne von den Computern Terrorverdächtiger zu kopieren, wird ein Tanz um das hohe Gut der Datensicherheit und informatorischen Selbstbestimmung veranstaltet. Selbst gegen Google Streetview gibt es nahezu eine Volksaufstand.

Aber um an die Finanzdaten hunderter von Bundesbürgern zu kommen, wird mal eben schnell Hehlerware erworben, die angeblich enthüllen soll, aber offensichtlich doch nur zur banalen Selbstbereicherung mit krimineller Energie beschafft wurden.

Und alle schreien ‚Hurra‘!

Denn wie so oft wird gerne und schnell mit dem Finger auf irgendwelche „Grosskopferten“ gezeigt. Aber es ist doch eine Illusion zu glauben, dass  gestohlenen Daten nicht auch Bankkontoinformationen aller Einkommensklassen enthalten. Vielleicht sind wir abgestumpft, weil der Fiskus ohnehin schon direkten Zugriff auf Michels deutsche Bankkonten hat. Heiligt der Zweck wirklich immer die Mittel? Und warum fragt keiner nach den Ursachen, fragt sich keiner, warum es nicht wenige Deutsche mit ihren Guthaben ins Ausland treibt?