Bitte mehr Gelassenheit

Und wieder einmal hat sie es geschafft. Mit einem doppeldeutigen Twitter-Tweet  erzeugt AfD-Grande Beatrix von Storch einen erwartbaren Entrüstungssturm „des Internets“ und eine respektable Medienpräsenz. Minimaler Aufwand, maximaler Ertrag.

Ich verstehe nicht, warum von Storch und Konsorten immer wieder diese Aufmerksamkeit bekommen. Man nehme eine Prise wohlkalkulierte Provokation und schon springen alle wie der Hund nach dem Stöckchen.

Der Grundsatz, dass schlechte Presse besser ist als gar keine Presse, gilt gerade und vor allem für die AfD. Sie lebt davon. Sie braucht es wie der Junkie sein Dope. Nichtbeachtung wäre fatal für diese Partei.

Ja, ich finde die These durchaus plausibel, dass Medien und Presse sowohl durch den Umfang als auch die Art und Weise der journalistische Beachtung den Aufstieg der AfD gefördert haben.

Daher unterstütze ich Jan Böhmermanns Vorschlag, von Storch „einfach mal zu ignorieren“. Ich würde mir weniger vorhersehbare, aufgescheuchte und letztlich unterstützende mediale Beachtung wünschen.

Stattdessen etwas mehr entspannte Gelassenheit.

„… wie nie zuvor!“

Heute Morgen strahlt der Radiosender SWR3 die Nachricht in den Äther „Die Eisfläche am Nordpol ist so klein wie nie zuvor.“

Einige Sätze weiter kommt dann die Erläuterung, dass die Größe der Eisfläche überhaupt erst seit 1979 gemessen wird. Die korrekte Meldung müsste also heißen „Die Eisfläche am Nordpol ist kleiner als in den letzten 30 Jahren zuvor.“ Das würde die beobachtete Veränderungen am Nordpol-Eis aber lediglich auf einen – für den Nordpol und das Erdklima – vernachlässigbaren Wimpernschlag reduzieren. Und hört sich auch „leider“ viel weniger dramatisch und endzeitlich an. Vorbei wäre es mit der angeblichen Topmeldung.

War die SWR3-Meldung nun journalistisch legitime Überspitzung … oder einfach nur platte Fehlinformation? Erlaubte Dramaturgie oder journalistisch unsaubere Faktenaufbereitung?