Der schlimmste Fehler

„Der schlimmste Fehler in diesem Leben ist, ständig zu befürchten, dass man einen macht.“

Elbert Hubbart

Meine Arbeitseinstellung

Vor kurzem bekam ich von einem neuen Vorgesetzten ein nettes Lob. Er habe von vielen Leuten schon viel Gutes über mich gehört. Das ist doch mal ein guter Start in eine neue Zusammenarbeit! Fühlt sich gut an … und irgendwie nach“viral marketing“. 😉

Das Erlebnis hat mich aber auch ins Nachdenken gebracht, was Kollegen dazu bringen könnte, sich wertschätzend über mich zu äußern. Hat meine berufliche Grundeinstellung etwas damit zu tun?

 

1. Tu es richtig, oder lass es bleiben.

Alte Pfadfinderkrankheit. Ich versuche immer alles zu geben und so gut wie mir möglich zu erledigen. Ich möchte das was ich tue richtig tun, nicht halb. Vom kleinsten Task bis zur großen Strategieentwicklung. Das ist eine meiner Quellen der Zufriedenheit.

 

2. Tu etwas für Andere.

Ich unterstütze ganz bewusst und aktiv Kollegen. Gerne auch kurzfristig oder spontan, wenn es nötig ist. Das liegt nicht daran, dass ich sonst nichts zu tun  hätte. Ganz im Gegenteil. Es braucht dabei sicher auch eine gesunde Balance mit den eigenen Verpflichtungen. Und manchmal geht es auch nicht sofort jetzt gleich. Doch wenn ich merke, dass echte Not am Mann (oder der Frau) ist, versuche ich es mir einzurichten, und möglichst zeitnah zu unterstützen. In meiner persönlichen Aufwand-Nutzen-Bilanz schneidet das deutlich positiv ab. Denn, „together we achieve more.“

 

3. Mach‘ das Leben nicht komplizierter als es ohnehin schon ist.

Ich sehe keinen Sinn oder Mehrwert darin, Dinge zu komplizieren. Kostet nur Zeit, Nerven und Produktivität. Also strebe ich möglichst einfache, pragmatische, konstruktive und – wenn möglich – gemeinsame Lösungen an. Und ich bin bereit, mich auf sinnvolle Lösungsvorschläge von Kollegen einzulassen, auch wenn ich selber vielleicht eine andere Idee habe. Viele Wege führen nach Rom! Klar widerspreche ich auch einmal oder kämpfe für die eigene Idee, wenn es mir inhaltlich notwendig erscheint. Aber ansonsten sehe ich keinen Grund, Anderen ohne substanziellen Mehrwert das (berufliche) Leben schwerer zu machen.

 

4. Schätze andere wert.

Ich habe Kollegen immer schon gerne positives Feedback gegeben. Untergebenen, Gleichgestellten  und Vorgesetzten. Es ist total schön, zuzuschauen, was dann mit dem Menschen passiert. Probieren Sie es einmal! Kein Schleimen … einfach nur sagen, wenn man ehrlich der Meinung ist, dass jemand etwas gut gemacht hat oder etwas gut gelaufen ist. Weitere Möglichkeiten, seine Wertschätzung zu zeigen sind, das man Andere nicht warten lässt (beispielsweise bei Meetings), sich offen auf Vorschläge und Ideen einlässt und für das andere Teammitglied da ist, wenn er oder sie einmal kurzfristig Unterstützung braucht. Das tolle ist: je mehr (ehrliche und ehrlich empfundene) Wertschätzung man gibt, desto mehr bekommt man selber zurück.

 

5. Nimm Dich selber nicht zu ernst.

Ja wie jetzt? Da schreib ich „nimm Dich selber nicht zu ernst“ in einem Artikel über mein ach so tolles Arbeitsethos. Was sich nach leichter Persönlichkeitsstörung anhört, hat für mich einen sehr hohen Stellenwert. Ich finde es gut und wichtig, sich selbst mit einem kleinen Augenzwinkern zu betrachten. Ich finde nichts selbstdemontierender, als jemand, der verbissen auftritt und nicht fähig ist, auch einmal über sich selbst und eigene Fehler zu lachen. Selbstironie hilft, mit den Füssen auf dem Boden zu bleiben … und im Team eine gute Arbeitsatmosphäre zu schaffen. Davon bin ich zutiefst überzeugt. Und offen gesagt hat mir bisher noch nie ein anderes Teammitglied gesagt, ich würde zu oft Schmunzeln oder Lachen.

 

Lassen Sie besser nicht Ihre Kunden die Qualitätskontrolle machen

Ich nenne es das „Microsoft-Prinzip“ … und es ist falsch. Seit vielen Jahren ist Microsoft bekannt dafür, halbgare Software auszuliefern, die nach und nach repariert werden durch Patches und „Service Packs“ auf der Basis der von Kunden gefundenen Fehler. Faktisch lässt Microsoft seine Kunden die Qualitätskontrolle (QC) machen.

 

Szenenwechsel. Vor einigen Jahren nahm ich an einem Lean-Process-Workshop teil. Um direkt zum Punkt zu kommen, der schließlich entwickelte „optimierte“ und ‚lean‘ Prozess verzichtete auf eine Ausgangskontrolle und schob den abschließenden Schritt der finalen Qualitätskontrolle zum Kunden. Um fair zu sein, wir hatten einige schlaue neue QC Zwischenchecks an Übergabe-Schnittstellen im Prozess eingebaut … aber die Prüfung, dass das Produkt abschließend in Ordnung war, wurde faktisch übergeben.

Ich war damals sehr überrascht, der Einzige zu sein, der widersprach und offen insistierte „das ist schlicht und einfach Mist!

An diesem Punkt muss ich anmerken, dass ich mit einem Erfahrungshorizont kam, der sich von dem  der Anderen unterschied. Bevor ich zu der pharmazeutischen Firma kam (für welche ich zu diesem Zeitpunkt arbeite), hatte ich ca. 10 Jahre lang mein eigenes kleines Service-Unternehmen. Ich war davon durchdrungen, dass sich Kunden typischerweise wünschen bzw. klar erwarten, für Ihr Geld zuverlässige Qualität zu bekommen. Und ich denke bis heute, sie können das auch erwarten. Ich tue das ja auch. Als Service-Provider war es immer eine großartige und unglaublich befriedigende Erfahrung, vom Kunden das Feedback zu bekommen, dass er ebenfalls zufrieden war mit einer qualitativ hochwertigen, fehlerfreien Lieferung. Ich kann nur sagen, es macht wirklich Spaß, sein eigenes Produkt vom Kunden wertgeschätzt zu erleben.

 

Selbstverständlich braucht es immer auch eine explizite Endabnahme durch den Kunden, mit der zwangsläufig eine – wie auch immer gestaltete Form der – kundenseitigen Kontrolle einhergeht. Alleine aus vertragsrechtlichen Gründen.  Aber das meine ich hier nicht. Idealerweise sollte der Kunde hierbei nämlich nichts finden. Zumindest keine Flüchtigkeitsfehler oder fehlerhaften Produkte, die durch eine geeignete Ausgangskontrolle identifiziert und zurückgehalten hätten werden können.

Erneuter Szenenwechsel. Vor kurzem arbeitete ich mit einer Agentur, deren Lieferungen ich immer wieder gegenprüfen und kleinere wie grössere Fehler korrigieren musste. Aus meiner Sicht tat ich deren Arbeit. Und wir sprechen hier von Fehlern, die augenscheinlich waren und durch einen einfachen Gegencheck auf Agenturseite vor Ablieferung ausgemerzt hätten werden können. Ich fragte mich selber, warum ich eigentlich einen Teil der Arbeit tat, für die ich bezahlte? Ich persönlich erwarte ganz klar zuverlässige und ausgereifte Produkte bzw. Werke, die abschließend qualitätsgeprüft sind, bevor sie in meiner Inbox landen. Diese Agentur nervte mich.

War dies die Basis einer langen, fruchtbaren Zusammenarbeit?

Ich denke nicht.

 

Lange Rede kurzer Sinn, das Abliefern ordentlich qualitätsgeprüfte Produkte kann besser für Ihr Business sein als „über-lean“ zu sein. Spielen Sie nicht Microsoft solange Sie nicht dieselbe Monopolstellung haben.

Machen Sie durch Qualität im Detail zufrieden … und genießen Sie im Gegenzug eigene Zufriedenheit und Erfolg!

Positiv in das neue Jahr – Fürchte Dich nicht!

„Fürchtet Euch nicht!“

… betitelt Jan Ross seinen Leitartikel in der ZEIT (#52 vom 23.12.2015), die Anlehung an die biblische Weihnachtsgeschichte als Kontrast zur Sicht auf „2015 als Jahr der Angst“.

Es folgt ein wirklich lesenswerter Text, den ich nur jedem empfehlen kann. Ich fand es bereits richtig gut, dass die Welt das Politikressort der Weihnachtsausgabe mit einer Artikelserie unter dem Motto „Es gab auch gute Nachrichten“ aufmachte. Jan Ross‘ Artikel hinterlies bei mir dabei  den stärksten Eindruck.

Ross vergleicht die politischen Krisen und Herausforderungen des Jahres 2015 mit der Situation nach der Weltwirschaftskrise vor 85 Jahren (Zitat): „Man muss sich klarmachen, wie angeschlagen die freie Welt Anfang der 1030er Jahre war: historisch in die Ecke gedrängt von den scheinbar kraftstrotzenden Ideologien Kommunismus und Faschismus, voller Selbstzweifel hinsichtlich der Erneuerungsfähigkeit des eigneen Wirtschaftssystems und der Zukunftschancen der liberalen Demokratie.“ Ross skiziiert, welch wichtige Rolle die Furchtlosigkeit und der  (resultierende) Mut zum Experiment des damaligen Präsidenten der USA, Franklin Delano Roosevelt, bei der Überwindung der dunklen Jahre spielten. Sein Fazit: Die historische Erfahrung lehrt, dass man mit Optimismus und Zuversicht besser fährt als mit Angst.

„Fürchtet Euch nicht!“ lässt sich aber nicht nur auf die politische Großwetterlage anwenden. Sondern sehr passend auch auf das Geschäftsleben und den Job. Einer meiner Lieblingssprüche lautet „Angst ist ein schlechter Ratgeber“. Ich nerve mein unmittelbares Umfeld längst damit, qweil ihc das immer und immer wieder sage. Aber es ist meine feste Überzeugung. Empfundene Angst taugt als passables Warnsignal, zum Beispiel für unausgesprochene Konflikte oder zu lösende Probleme. Aber Angst sollte nie  Entscheidungsgrundlage oder Motivation sein. Was man aus Angst tut oder unterlässt ist meistens falsch.

Ängste im Job gibt es viele. Angst vor dem Scheitern eines Projektes, Angst vor dem Scheitern eines Auftrages, Angst vor dem Verlust eines wichtigen Kunden, Angst vor einem schwierigen Kollegen, Angst vor einer Umstrukturierung, Angst vor einer Versetzung, Angst vor dem Jobverlust, Angst vor der Karrieresackgasse, Angst vor dem Chef, Angst vor dem Versagen, Angst vor Ablehnung und Gesichtsverlust. Ich kenne selber viele dieser Ängste. Da ist keiner von frei, egal wie abgebrüht er oder sie sich gibt. Und wer tatsächlich gar keine Angst spürt ist entweder dumm oder ungesund ignorant. Angst zu spüren ist nicht das Problem, sie kann ein wertvoller Indikator sein, dass etwas nicht richtig läuft.

Aber Angst zu folgen, sich von der Angst bestimmen zu lassen, die Angst als Grundlage von Entscheidungen und Handlungen zu machen ist definitiv der falsche Weg. Angst blockiert unsere Experimentierfreude und den Mut für innovative Lösungen und Wege.

Franklin D. Roosevelt sagte bei seiner Amtseinführung am 04. März 1933 folgenden Satz:

Das Einzige, was wir zu fürchten haben, ist die Furcht selbst.

Daher ist „Fürchtet Euch nicht!“ ein großartiger Wahlspruch und ein ausgezeichneter Vorsatz für den Start in das neue Jahr.

Fürchte Dich nicht!

Positiv aus dem alten Jahr

2015 war ein gutes Jahr!

Es scheint auf den ersten Eindruck vielleicht nicht so und es gibt leider ausreichend Schlechtreder, die vor allem auf Krisen und Konflikte fixiert sind.

Aber es gab in 2015 viel Positives und Gutes auf das man zurückblicken darf. In der Ausgabe 52/2015 (23.12.2015) der ZEIT haben Hannes Soltau, Merlind Theile und Doreen Borsutzki einige bemerkenswerte Fakten zusammengetragen. (Onlineversion leider ohne Grafiken mit den Details)

Im Jahr 2015 ..

  • hatten weltweit mehr Menschen Zugang zu Trinkwasser
    (91% vs. 77% in 1990)
  • stieg die durchschnittliche Lebenserwartung weltweit
    (71 Jahre vs. 65,3 Jahre in 1990)
  • gab es weniger Verkehrstote in Deutschland
    (2/3 weniger seit 1991)
  • gab es weniger hungernde Menschen weltweit
    (-17% seit 2004, -21% seit 1990)
  • sank die Kindersterblichkeit weltweit
    (mehr als halbiert seit 1990)
  • stieg die Beschäftigungsquote in Deutschland
    (siehe auch Statistik der Arbeitsagentur)
  • gab es weniger Schulabbrecher in Deutschland
    (5,6% vs. 9,6% in 2001)

Natürlich gab es in 2015 auch viele tragische Ereignisse und fatale Entwicklungen. Aber eben nicht nur. Wer das Gute ausblendet verliert die Gesamtsicht.

Ich selber blicke gerne und dankbar auf 2015 zurück. Es war für mich persönlich ein sehr gutes Jahr … und für die Welt gab es auch schon weitaus schlechtere.

Vielen Dank für diese Inspiration, liebe ZEIT!

Warum wird schlechte Führung toleriert?

post20140914

In meiner Zeit in einem internationalen Großkonzern bin ich immer und immer wieder bei der einen Frage gelandet.

Warum gibt es bezüglich Führungsqualität so eine eklatante Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit?

Da war zum einen der formulierte Selbstanspruch des Unternehmens. Das, was im internen Verhaltenskodex und in Managerrichtlinien als gute Führung definiert war. Das, was mir auf internen Führungsschulungen an Erwartungen, Techniken und Best-Practice beigebracht wurde. Alles davon konnte ich voll unterschreiben und es stand – aus meiner Sicht – ein wirklich toller Gesamtansatz dahinter … auf dem Papier.

Andererseits war da die Realität. Die alltäglich beobachtete und erlebte Führungspraxis, nein ich muss sagen: Führungsversagen und -inkompetenz. Das offensichtliche und vorsätzliche Nichteinhalten der selbstgewählten Führungsexzellenz. Quer durch die Organisation, quer über alle Hierarchiestufen, und nicht nur vereinzelt. Selbstverständlich gab es auch Leuchtfeuer im allgemeinen Führungsstumpfsinn; Ausnahmen bestätigen auch in diesem Fall die Regel. Aber in der Fläche hatten unternehmensintern Führungsstil-Anspruch und -Realität leider nicht viel miteinander zu tun.

Ich grübelte nächtelang, was denn da bloß los war, woran es scheiterte. Schließlich waren die theoretischen Verhaltensvorgaben für das Führungspersonal klar und eindeutig. Schließlich hatten wir alle dieselben Führungsschulungen besucht. Irgendetwas verursachte bei Rückkehr in den Arbeitsalltag eine partielle Amnäsie bezüglich des Gelernten.

Ich landete mit meinen Überlegungen eigentlich immer bei derselben Ursache, wenn ich mir auch abschließend nie wirklich sicher war. War es so, dass andere Ziele und Prozesse – wie beispielsweise Jahresergebnisse, Einsparvorgaben oder eine konkrete Form von  Mitarbeiterbewertung – gutes Führungsverhalten nicht förderten sondern unter Umständen sogar bestraften? Dass andere Dinge einfach wichtiger waren, um im Unternehmen in einer Führungsposition zu überleben und weiterzukommen?

Meine subjektive Schlussfolgerung wurde nun durch eine Veröffentlichung im Harvard Business Manager zumindest im Ansatz bestätigt. Carsten Steinert und seine Forschungsgruppe von der Hochschule Osnabrück fanden bei der Auswertung einer Befragung von Führungskräften in deutschen Unternehmen, dass Unternehmen offensichtlich schlechte Führung tolerieren, solange die Ergebnisse stimmen.

Bedeutet dies, dass Führungsqualität und -kompetenz also nur reines Mittel zum Zweck sind? Und wenn der Zweck ohnehin schon erfüllt ist, braucht es das nicht?

Dies würde zu einem grundsätzlichen Trend passen, dass vor allem größere, börsennotierte Unternehmen zunehmend manisch fixiert sind auf Quartalsebene und Jahresabschlüsse. Dass kurzfristige Zahlen wichtiger zu sein scheinen als Strategie und unternehmerische Nachhaltigkeit.

Meiner persönlichen Meinung nach sind hohe Führungsqualität und -kompetenz übrigens mehr wert. Sie sagen etwas über das professionelle Selbstverständnis, den Charakter und die Motivation einer Führungskraft aus. Seien Sie besser als Andere! Seien Sie kein Manager, sondern denken Sie unternehmerisch. Der Weg der guten Führung lohnt sich … wenn man die Fähigkeit besitzt, über Quartalsergebnisse hinaus zu blicken, jedenfalls.

 


 

Referenzen:

Narzisstischer Chef – Was tun?

Jeder von uns kennt einen. Einige von uns hatten sogar schon einmal einen. Aber keiner wünscht sich einen. Einen narzisstischen Vorgesetzten.

Narzisstische Chefs sind nicht nur anstrengend und demotivierend, ihre Ergebnisse, Leistungen und Erfolge sind auch bekanntermaßen eher unterdurchschnittlich. Und sie handeln oft nicht so, wie es für das Team oder das Unternehmen gut wäre, sondern orientieren sich primär an der eigenen Außenwirkung und Erfolg.

Aber wie geht man mit so einem um, wenn man ihn sich gefangen hat?

Ist mein Chef ein Narziss?

Lassen Sie uns erst einmal klären, ob Sie tatsächlich Betroffener sind und in unsere kleine Selbsthilfegruppe gehören. Es ist common sense, dass sich narzisstische Manager durch eine Reihe von charakteristischen Eigenschaften auszeichnen:

  1. er hat ein übersteigertes Selbstbewusstsein  … OK, das ist relativ
  2. wirkt arrogant und selbstgefällig
  3. ist primär machtorientiert
  4. Schein ist ihm wichtiger als Sein
  5. Selbstkritik ist ihm fremd
  6. fällt nicht durch Mitgefühl auf
  7. dominiert Diskussionen
  8. kann keine Kompromisse
  9. macht andere regelmäßig klein
  10. sein Lieblingswort = „Ich“

Falls die meisten Punkte zutreffen, sind sie zumindest in der Risikogruppe. Dies heißt jetzt allerdings nicht, dass jeder Chef, den man darin wiedererkennen mag, zwangsläufig ein Narziss ist. Aber die Wahrscheinlichkeit ist deutlich erhöht.

Aber was tun, wenn mein Chef tatsächlich ein Narziss ist? Je nach Charakter gibt es unterschiedliche Ansätze …

Strategie 1 – Auf der Sachebene bleiben

Oh je. Netter Versuch. Es gibt nur ein Problem. Ihr narzisstischer Chef ist nie auf der Sachebene, dort werden Sie ihn nicht erreichen. Er ist in einem ganz anderen „Stockwerk“. Ihm geht nie um die Sache oder um Fakten, sondern immer ausschliesslich um sich selber. Fakten, die ihm dienen, nutzt er. Fakten, die ihm nicht nutzen, ignoriert oder leugnet er.

Strategie 2 – Ich erzieh‘ ihn mir

Das funktioniert schon mit nicht-narzisstischen Menschen nicht immer. Und mit einem Narziss überhaupt gar nicht. Sparen Sie sich zwangsläufigen Frust und Enttäuschung. Lernen setzt Lernbereitschaft und -willigkeit voraus. Und die hat der Narziss nicht. Er weiss und kann ja schon alles (zumindest geht er fest davon aus).

Strategie 3 – Auf sein Scheitern spekulieren

Manche lassen sich auf ein gewagtes Spiel ein. Sie gehen davon aus, dass früher oder später doch jemand erkennen müsse, dass Ihr Vorgesetzter nur ein Schaumschläger ist bzw. wer wirklich die Arbeit macht.

Das mag in einer idealen Welt so sein. Aber wir leben nicht in einer idealen Welt. Seien Sie sich bewusst, dass der Narziss ein Meister im Täuschen und in der Selbstdarstellung ist. Und er hat in der Regel bevorzugten wenn nicht sogar exklusiven Zugang zur nächsthöheren Entscheiderebene.

Im Windschatten des narzisstischen Chefs gibt es eigentlich nur Verlierer. Daher würde ich persönlich von dieser Strategie abraten.

Strategie 4 – Aussitzen

Warum nicht einen narzisstischen Chef aussitzen? Beispielsweise liegt in vielen großen Pharmaunternehmen die durchschnittliche Aufenthaltszeit eines Mittelmanagers in einer konkreten Position bei überschaubaren 2 Jahren. Und narzisstische Chefs sind ohnehin in der Regel Hubschrauber-Manager (fliegen ein, machen viel Wind, fliegen wieder aus). Früher oder später ist er also ohnehin wieder weg. In der Zwischenzeit macht man einfach seine  – also: Ihre und seine – Arbeit und geht dem Vorgesetzten weitestgehend aus dem Weg. Wegducken und Aussitzen.

Allerdings sollten Sie akzeptieren, dass im Fall von Misserfolgen und Problemen Sie schuld sein werden, während sich Ihr Chef Erfolge und Fortschritte an die eigene Brust heften wird. Sie haben die Arbeit, er kassiert die Lorbeeren. Wenn Sie damit umgehen können, kann Aussitzen eine mittelfristige Option sein.

Strategie 5 – Verschwenden Sie Ihre Zeit nicht

Unter Abwägung wechselseitiger Vor- und Nachteile ist die sinnvollste Alternative zu einem narzisstischen Chef … ein neuer Job. Vor allem, wenn Sie lösungs- und erfolgsorientiert sind oder selber weiterkommen möchten. Oder beides.

Ja, ein Wechsel nervt, kostet Energie, bring Unruhe ins Leben … aber tut das der narzisstische Chef nicht auch? Der Unterschied ist: der Narziss zieht Sie runter, hält Sie klein und zurück … ein erfolgreicher Wechsel dagegen ist vorwärts gerichtet und hat das Potenzial, Sie weiterzubringen.

Warum also wertvolle Lebenszeit an einen zwangsläufig niedrigperformanten Vorgesetzten verschwenden statt etwas Besseres daraus zu machen? Warum Ihre Kraft und Leistung vergeuden? Nehmen Sie das Heft selbst in die Hand.

Fazit

Mittelfristig kann das Aussitzen eines narzisstischen Chefs eine Option sein.Wirklich zielführend und zufrieden stellend ist jedoch wohl nur ein proaktiver Stellenwechsel.

Egal für welche Strategie Sie sich persönlich entscheiden. Eines sollten Sie niemals tun … Ihren narzisstischen Chef infrage stellen. Selbst mit der konstruktivsten und diplomatischst formulierten Kritik können narzisstische Vorgesetzte nicht umgehen. Sie werden die unangenehme Erfahrung machen, dass Ihre positiven Ansätze persönlich genommen und als beleidigend empfunden werden. Denken Sie daran, narzisstische Chefs sind vor allem auf sich selber ausgerichtet und nicht auf die Sache.

 


 

P.S.: Sorry, meine Damen, aber es gibt leider auch narzisstische Managerinnen und Chefinnen. Wie Sie aber am vorangegangenen Satz leicht sehen konnten, habe ich mich (alleine) aus Gründen der besseren Lesbarkeit entschieden, auf textliches gender mainstreaming und equal mentioning zu verzichten. Die verwendete  maskuline Form sollte jedoch nicht als einseitig männliche Orientierung der Problematik fehlinterpretiert werden.

 


 

Mehr lesen …