Warum ich Trapper schätze …

switch to English version… weil ich die positiven Eigenschaften schätze, für die Trapper stehen …

  • sie verwenden und teilen erfolgreich das Wissen aus mindestens zwei verschiedenen Welten
  • sie machen das beste aus knappen Ressourcen und Möglichkeiten
  • sie sind pragmatisch und können sich flexibel an wechselnde Bedingungen anpassen
  • sie sind Unternehmer, keine Manager
  • sie starten nur wohlbegründete Veränderungen
  • sie sind ausschliesslich aus guten Gründen „lean“
  • sie sind ergebnisorientiert
  • sie geben nicht leicht auf, wissen aber auch, wann es besser ist, aufzuhören … das persönliche Management ihrer Lebenskraft ist für sie essentiell
  • sie arbeiten unabhängig genauso erfolgreich wie als Teil eines Teams
  • sie lieben die Natur (OK, sie haben keine Wahl, nehmen wir es als romantisierende Grundannahme)
  • sie können ohne iPhone-App Feuer machen
  • sie können ohne Blackberry kommunizieren
  • sie schaffen es, über grössere Entfernungen mit Freunden in Kontakt zu bleiben … ohne Facebook
  • sie sind auf Optimismus angewiesen
  • und … für sie sind Ergebnisse wichtiger als gutes Aussehen. 😉

 

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Praxis Onlineredakteur: Geschwindigkeit

Hase und Igel

Onlinemedien sind schnelle Medien. Auf aktuelle Ereignisse kann unmittelbar und zügig reagiert werden. Für den Onlineredakteur hat dies zur Konsequenz, dass er einem noch höheren Zeitdruck ausgesetzt ist, als seine Printkollegen. Redakteure bei Tageszeitungen haben im schlimmsten Fall wenige Stunden zur Verfügung, der Onlineredakteur manchmal nur wenige Minuten.

Beispiel 11. September 2001. Zwei Flugzeuge krachen in das New Yorker World Trade Center. In Deutschland ist es kurz nach 15 Uhr. Die Redaktionen laufen heiß. Die politische Redaktion der FAZ bereitet für den Drucklegungstermin gegen Abend erste Texte vor. Dabei können die sich anfangs überschlagenden Ereignisse und teilweise widersprüchlichen Einzelmeldungen abgewägt und sorgfältig ausgewertet werden. Die interne Rechercheabteilung arbeitet Hintergrundinformationen zu. Die Korrespondenten und freie Mitarbeiter in den USA werden aktiviert. Reuters und CNN liefern im Laufe der folgenden Stunden zahlreiche Bilder vom Unglücksort und den Ereignissen, aus denen die besten ausgewählt werden können. Im Endergebnis liefert die FAZ in der Ausgabe des folgenden Tages einen sorgfältig recherchierten Komplex aus Ereignisberichten und Hintergrundartikeln, dessen Detailinformationen im Rahmen des möglichen überprüft und bestätigt werden konnten.

Im Kontrast hierzu die Ereignisredaktion von n-tv online. Hier müssen bereits wenige Minuten nach dem Anschlag erste (kleinere) Texte und Bilder auf der Website stehen. Die Onlineredaktion profitiert dabei von Synergieeffekten, weil Nachrichten und Bilder von der TV-Redaktion und dem Medienpartner CNN sofort übernommen werden können. Trotzdem ist der zeitliche Erwartungsdruck hoch, und Meldungen müssen innerhalb von Minuten überprüft, getextet und platziert werden. Dabei bleibt oft nicht genügend Zeit für eine Bestätigung und etliche Meldungen müssen wenig später revidiert werden. Jeder Onlineredakteur recherchiert in dieser Situation seine Detailinformationen selbständig, doch der zeitliche Rahmen dafür ist eng bemessen. Parallel zu der laufenden Ereignisberichterstattung wird ein Sonderthema vorbereitet mit Hintergrundartikeln und älteren Texten aus den Archiven.

Tatsächlich sind die Produktionsabläufe in der Onlinesparte eher vergleichbar mit denen der TV-Berichterstattung als mit denen der Printmedien. Eine Reaktion auf Ereignisse erfolgt unmittelbar. Es gibt auch keine Zeitphase für Druck und Verteilung. Inhalte werden per Knopfdruck sofort oder mit kurzfristigem Freigabedatum publiziert.

In Situationen wie dem 11.09. bewähren sich langfristige Kooperationen mit Zulieferern – wie im genannten Beispiel zwischen n-tv und CNN – weil ohne die Notwendigkeit für Verhandlungen auf der Basis bestehender Vereinbarungen kurzfristige Material verwendet werden kann. Und es bewähren sich auch redaktionelle Infrastrukturen auf Basis eines synergistischen und integrierten Cross-Media-Publishing. So muss die Onlineredaktion nicht alles de novo erzeugen, sondern kann auf Material des Redaktionsstammes und Korrespondentennetzes der TV-Sparte zurückgreifen.

Die flinke Redaktion

Der journalistische Onlineredakteur muss in der Lage sein, mit dem zeitlichen Druck umzugehen. Dabei helfen Selbstdisziplin, solide etablierte Arbeitsabläufe, definierte Zuständigkeitsbereiche und klare Absprachen mit den Kollegen in der Redaktion. Der Onlineredakteur muss in solchen Situationen auch eher einmal etwas abgeben können und kann nicht die internen Exklusivrechte für eine Geschichte erwarten. Im Interesse der Gesunderhaltung der Mitarbeiter und Kollegen kann es auch sinnvoll sein, besondere Aufgaben, wie beispielsweise die Zuständigkeit für Aktuelles, innerhalb der Redaktion rotieren zu lassen.

Große, professionelle und kleine, kluge Redaktionen haben daher einen fest etablierten Workflow zwischen der Fertigstellung von Inhalten bis zur endgültigen Veröffentlichung mit mehreren Freigabestufen. Dies wird von vielen Redaktionssystemen EDV-technisch unterstützt.

Fazit: Die Schnelligkeit des Mediums bringt Vorteile, weil zügiger auf aktuelle Ereignisse eingegangen werden kann. Aber die Schnelligkeit des Mediums bringt gleichzeitig den Nachteil der Gefahr, dass die solide Hintergrundrecherche leidet.

Der flotte Informationsmanager

Im Falle firmeninterner Informationsportale ist der Zeitfaktor sicher weniger ausschlaggebend. Und viele öffentliche eZines haben aufgrund ihrer inhaltlichen und thematischen Ausrichtung den ’need for speed‘ ebenfalls nicht. Hier ist das Problem mit der Geschwindigkeit eher ein anderes, nämlich, dass Informationen durch die unkomplizierte Freigabe per Knopfdruck manchmal zu schnell und zu unkritisch veröffentlicht werden. Daher gilt die Notwendigkeit von inhaltlicher Kontrolle, Verifizierung und Lektorat hier genauso.

Der rastlose Leser

Unterschätzen Sie den Faktor Geschwindigkeit ebenfalls nicht hinsichtlich des Nutzungsverhaltens der Leser. Medium Online bedingt, dass Nutzer viele ihrer Entscheidungen, etwas zu lesen, weiter zu gehen oder etwas käuflich zu erwerben, in wenigen bis Bruchteilen von Sekunden per Mausklick fällen. Die Entscheidungsfindung erfolgt oft spontan und aus einem Gefühl heraus. Das bedeutet, dass ich beispielsweise Kaufentscheidungen nicht durch lange Erklärungen beeinflussen kann, sondern die Menschen dort abhole, wo sie sind, ihnen eine schnelle Entscheidung zu meinen Gunsten erleichtere und ein gutes Gefühl gebe, das Richtige zu tun.

Auch die Entscheidung, bei einem Thema weiter zu lesen oder nicht erfolgt oft spontan und ohne langes Überlegen. Aber hier geht die nutzerorientierte Begleitung der Eiligkeit nach dem Anklicken des „Mehr …“ weiter. Der Leser wird erschrocken sein, wenn die sich dann öffnende Seite einen ellenlangen Blocktext zeigt, unabhängig davon, wie gut dieser ist. Allein die Optik reicht bei vielen Angeboten aus, dass ich als Leser sage „scheint interessant, so viel zu lesen habe ich aber im Moment keine Zeit, komme später wieder“ … und komme dann in der Regel später nicht wieder, weil es vergessen geht oder wichtigere Dinge dazwischen kommen. Im schlimmsten Fall werde ich meine Entscheidung bereuen, weil ich eigentlich konzentriert aufgearbeitete Kerninformationen erwartet hatte und keine Doktorarbeit, und werde das nächste Mal weniger wahrscheinlich auf den Link zum Weiterlesen drücken. Wesentlich besser ist es daher, die Informationen auf gestaffelte Seiten zunehmender Detailtiefe aufzuteilen. Dann kann der Leser selber entscheiden, wie weit er gehen möchte, ohne von einem Monstertext erschrocken zu werden.

© Dr. Christian Velten, 2007