Der größte Fehler von BigPharma wenn es SmallPharma kauft

Was macht ein kleines Pharmaunternehmen attraktiv, um von einem großen Pharmaunternehmen gekauft zu werden?

Antwort: Ein oder mehrere innovative Produkte, bereits erfolgreich auf dem Markt oder zumindest sehr vielversprechend, welche die Pipeline des Großen wieder etwas füllen oder sogar den schnellen Markteintritt in ein neues, zusätzliches Therapiegebiet erlauben.

 

Wieso ist das kleine Unternehmen bzw. sind die Produkte des kleinen Unternehmens so erfolgreich?

Antwort: Der Erfolgsfaktor der kleinen innovativen Pharmas sind sehr proaktive, mutige, selbständige und kreative Mitarbeiter, was sich auch in einer überdurchschnittlichen Produktivität und Innovationskraft abbildet. Im kleinen Unternehmen müssen oft sehr wenige Mitarbeiter ein Produkt zur Marktreife bringen bzw. auf dem Markt erfolgreich machen. Das geht nur mit gelebter Effizienz und innovativem, unkonventionellen Denken.

 

Warum sind die Mitarbeiter im kleineren Pharmaunternehmen so innovativer und effizienter?

Antwort: Weil Strukturen, Kommunikationsstil und gelebte Kultur im kleineren Unternehmen es erlauben. Weil dieses oft deutlich agiler, informeller, offener und kollaborativer ist als BigPharma.

 

Fazit: Was Big Pharma kauft, ist ein vernetztes Dreigestirn aus innovativem Produkt, innovativen Menschen und innovationsfördernder Kultur.

 

Und was macht Big Pharma aber in der Regel, wenn es den kleineren Partner integriert?

Die neue Mutter stülpt der innovativen, kreativen, flexiblen Struktur, ihren konventionellen, prozessorientierte, trägen, unflexiblen Standard über … und zerstört so direkt im Ansatz 2/3 der teuer eingekauften Wertschöpfungskette.

Nach erfolgreicher Integration ist dann die vormals innovativ-kreativ-flexible Kultur zerstört, Produktivität und Effizienz passen sich dem großkonzertanten Mittelmaß an, viele wichtige Mitarbeiter verlassen frustriert das Unternehmen, es findet ein erheblicher Verlust an Know-how und Produktkenntnis statt, und die eingekaufte Produktlinie enttäuscht irgendwann schließlich die Erwartungen. Quelle surprise.

 

Finde den Fehler!

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Mein Motto für 2017

Wenn Du ein Schiff bauen willst, dann rufe nicht die Menschen zusammen, um Holz zu sammeln, Aufgaben zu verteilen und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem großen, weiten Meer.

Antoine de Saint-Exupéry (1900-1944), französischer Flieger und Schriftsteller


 

Ich weiß, nicht jeder sieht dieses Motto positiv.

Selbstredend reicht Sehnsucht alleine nicht.

Natürlich braucht es gutes Holz, vernünftiges Werkzeug, eine klare Aufgabenverteilung, einen Plan und vieles mehr.

Und ja, auch ich kenne leider mehr als genug Heißluftpistolen in Führungsverantwortung, die zwar tolle Visionen (= Sehnsüchte) beitragen … aber das war es dann auch schon.

 

Mit geht es darum, dass es mir selber leider immer wieder passiert, mich im Alltag von strategischen oder projektbezogenen Planungen im ‚Klein-klein‘ zu verlieren, und das sogenannte „Große Ganze“ aus dem Blick zu verlieren.

Aber es ist sehr wichtig, dieses „Große Ganze“. Es ist das eigentliche Ziel. Nicht die Einhaltung des Projektplanes oder von KPIs, das sind nur Baustoffe und Werkzeuge. Aber sie werden im Alltag leider oft zum Selbstzweck. Doch nicht das Holz ist das Ziel, auch nicht das Schiff. Das Ziel ist die Möglichkeit auf und über das Meer zu fahren.

Es geht um Motivation. Darum, Menschen, Mitarbeiter, Kollegen, mitzunehmen. Sie nicht einfach Aufgaben erledigen zu lassen, sondern sie aktiv an einer spannenden, vielversprechenden und gemeinsamen Sache zu beteiligen.

Die „Sehnsucht“ von der Saint-Exupéry spricht, steht für mich für (Vor)Freude, Begeisterung und Identifikation. Ich bin der festen Überzeugung, dass diese „Sehnsucht“ es schafft, gemeinsam nicht nur die notwendigen Aufgaben zu erledigen …

… sondern eine ausgezeichnete Leistung und echte Innovation abzuliefern. Mehr als es die beste Projektplanung je könnte.

 

 

Wird Roche von Google übernommen?

Nein, ich bin ganz sicher nicht empfänglich für Verschwörungstheorien. Aber für Fakten. Und für Muster und Zusammenhänge, die aus einer Ansammlung einzelner Fakten herausscheinen.

Ich will gerne zeigen, was ich damit meine. Hier 5 zusammenhanglose Einzelfakten …

  1. März 2009, die Hoffmann-La Roche AG (Roche) kündigt die Übernahme des US-Biotechunternehmens Genentech an. Mitarbeiter sprechen bis heute davon, dass zumindest operativ und kulturell in Wirklichkeit Genentech Roche übernommen hätte. Genentech CEO zum Zeitpunkt der Übernahme ist Arthur D. Levinson. Levinson ist zwischen 2004 und 2009 auch Aufsichtsratsmitglied bei Google.
  2. Februar 2012, Roche verschiebt großflächig seine interne eMail in die Google Cloud. D.h. die gesamte eMail-Kommunikation des Pharmaunternehmens geht ab sofort über Google-Server.
  3. Die technologisch Kernkompetenz von Google ist die Auswertung und Analyse großer, unstrukturierter Datenbestände.
  4. September 2013, Google-Chef Larry Page verkündet den Einstieg von Google in die Pharmabranche: „Ich freue mich, Calico zu verkünden, ein neues Unternehmen, das sich auf Gesundheit konzentriert, genauer gesagt, auf das Altern und die damit einhergehenden Krankheiten.“ Arthur D. Levinson (mittlerweile Verwaltungsratsmitglied bei Roche) wird CEO der Google-Pharmatochter.
  5. November 2013, Hal Barron,vormaliger Chief Medical Officer und Leiter der globalen Produktentwicklung von Roche/Genentech, wird R&D Leiter bei Calico.

Geht es nur mir so, dass ich beim Anblick der Gesamtkonstellation Bauchschmerzen bekomme?

Dass Google über sein Suchmaschinen-Kerngeschäft hinaus alternative Geschäftsfelder anstrebt, wird schon länger offensiv kommuniziert und ist kein Geheimnis. Google engagiert sich in vielversprechenden Zukunftstechnologien wie hipper Hardware (Google Glass, Google Watch), Robotik (Boston Dynamics), Energiegewinnung (Makani Power), Infrastruktur (Project Loon), intelligente Haustechnik (Nest), Medizintechnik (Kontaktlinsenprojekt des Google X-Lab) … und eben auch Pharma und Gesundheit.

Frage: Würde Roche seine gesamte interne Kommunikation – die in der Regel vor allem über eMail und Dokumentenclouds läuft – auch einem Subunternehmen seines Konkurrenten Pfizer anvertrauen? Aus sehr guten Gründen wohl nicht!

Ist Roche klar, in welche zumindest potenzielle Lage sie sich selbst hinein manövriert haben? Was sie Google in die Hände gelegt haben?

Ich schwanke noch ein bisschen, wie ich Franz Humers (im September 20134 Verwaltungsratspräsident der Hoffmann-La Roche AG) Begeisterung für Levinsons Engagement bei Google interpretieren soll …

„[Levinson’s] track record at Genentech has been exemplary, and we see an interesting potential for our companies to work together going forward. We’re delighted he’ll stay on our board.“

  1. Gibt es im Hintergrund einen großen Plan einer engeren Zusammenarbeit zwischen Roche und Google?
  2. Ist das pure Naivität?
  3. Wurde er überrumpelt, und das war ein verklausuliertes politische Statement basierend auf Unsicherheiten, da man diese Entwicklung noch nicht einordnen kann?

Nun, ein großer Plan würde einen Grad an Organisiertheit und langfristiger Planung voraussetzen, den ich ehrlich gesagt bezweifle. Naivität wäre wiederum nicht unrealistisch aber fatal. Und wenn man schon einmal in einem größeren Pharmaunternehmen gearbeitet hat, fühlt sich die Überforderungs-Hypothese irgendwie nahe bei der Wahrheit an.

Aber wie schon gesagt, ich will mich nicht an Gefühle sondern lieber an Fakten halten und nicht zum Verschwörungstheoretiker werden. Auch wenn mir das im vorliegenden Fall wirklich nicht leicht gemacht wird. Ich spinne jetzt einfach mal ein bisschen herum, welche Schlagzeilen wohl so in der Zukunft auf uns warten mögen …

„Google übernimmt Genentech“ (= Google übernimmt Roche)

„Google neu unter den Top 5 der größten Pharmaunternehmen – Roche fällt zurück“

Schon jetzt lese ich real und aktuell (03. März 2014) erste Spekulationen über die Nachfolge von Roche-Verwaltungsratvorsitzenden Humers …

„Roche’s Franz Humer to step down in 2014. Could Art Levinson step in?“

Wird da am Ende die Phantasie von der Wirklichkeit überholt?

Last not least hier ein weiteres Fundstück vom 14. Februar 2014 …

„Roche verliert 140 000 Emails“

OK … da jetzt anfangen, zu spekulieren, würde wohl definitiv bei einer Verschwörungstheorie enden. Also, vorerst Ende vom Lied.

Vorerst.


Mehr zum Nachlesen …