Trumpomania

Ich bin genervt!!!

Eigentlich hatte ich ja gehofft, dass es mit der US Präsidentenwahl endlich vorbei ist. Aber seit Donald Trump tatsächlich zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt wurde, schrauben sich echte Aufregung, künstliche Aufregung und der opportune Trump-Alarmismus in ungeahnte Höhen.

Auf allen Kanälen wird man weiterhin zugeballert, wie die Amis uns das bloß antun konnten und wie schlimm es sei und wohin das noch alles führen soll. Eine subtile Mischung aus „der Gruselclown im Oval Office“ und „Das Ende ist nah!!!“

Hej, Leute. Füsse auf den Boden! Trump ist nicht der erste Schwachmatiker im Amt, und er wird auch nicht der letzte sein.

Der Präsident der russischen Föderation, ein ausdrücklich gefährlicher Mann, der seine Minderwertigkeitskomplexe in Schulhofrüpelmanier auslebt und gleichzeitig sein Land in Grund und Boden wirtschaftet, wird von seinem Volk mit grosser Mehrheit unterstützt und verehrt … und finden selbst bei uns verirrte Anhänger.

Der egomanische Präsident der türkischen Republik bricht im Akkord die Gesetze seines Landes, entzündet vorsätzlich und aus politischem Eigennutz den bewaffneten Konflikt mit den Kurden neu und zieht einen kalten faschistischen Putsch durch … und wird von großen Teilen seines Volkes geliebt.

Die Griechen haben einen linksextremen Parteifunktionär zum Ministerpräsidenten gewählt, der als Lebensleistung aber auch sowas von absolut gar nichts vorzuweisen hat außer der grundsätzlichen Bereitschaft, sein Land mit Vollgas gegen die Wand zu fahren.

Die Briten sind mit wehenden Fahnen und abgeschaltetem Frontallappen den Lügen exzentrischer Populisten wie Farage und Johnson in den Brexit gefolgt.

Selbst im ‚Land der unbegrenzten Möglichkeiten‘ gab es bereits vor einen abgehalfterten B-Movie Schauspieler, der sich von seiner Astrologie-fanatischen Ehefrau beraten ließ, (R Reagan) sowie einen grenzdebilen Von-Beruf-Sohn (GW Bush). Ersterer wird von wesentlichen Teilen seines Volkes bis heute als Ausnahmepräsident verehrt.

Last not least, gab es mal einen deutschen Bundeskanzler, der seine Wiederwahl vor allem mit populistischem Oderflut-Heldenepos und berechnender Antikriegsrhetorik gewann.

 

Demokratie heißt nicht, dass immer der oder die Beste gewählt wird bzw. ins Amt kommt. Und Demokratie heißt, dass potenziell jeder in ein Amt gewählt werden kann, es gibt keine Mindestqualifikationskriterien. Wenn dem nicht so wäre, wäre es keine Demokratie sondern Oligarchie (der definiert Befähigten).

Eine gute Demokratie hält Amtsträger wie Trump aus. Und überzeugte Demokraten sollten das auch …

… mit einer guten Portion Gelassenheit.

Ein Kommentar zu „Satiriker Sonneborn lässt Oettinger auflaufen“

Am 01. Oktober erschien in der Welt Kompakt ein Artikel mit der Überschrift „Satiriker Sonneborn lässt Oettinger auflaufen“ zur Befragung Günther Oettingers als designierter EU-„Digitalkommissar“ durch das EU-Parlament.

Da die Kommentarfunktion dieses WELT-Artikels leider heute schon ausgeschaltet war, das Ganze aber meiner Meinung nach nicht unkommentiert stehen gelassen werden sollte, schreibe ich meine Gedanken kurz hier und hoffe, dass sie ihren Adressaten finden.

 

Lieber leider ungenannter Autor,

 

Sie berichten in Ihrem Artikel über eine Aussage des designierten EU-Kommissars Oettinger. Dieser hatte auf die Frage, wie Bürger im Internet geschützt werden können, geantwortet, dass man Menschen, die beispielsweise Nacktbilder von sich ins Netz stellen, kaum schützen kann. In Folge machten Sie sich über das angeblich unvollständige Verständnis Oettingers zur „Welt des Internets“ lustig, weil dieser das Abspeichern in kennwortgeschützten Cloudservices gleichsetze mit „ins Netz stellen“.

Ich bin mir ehrlich gesagt nicht sicher, ob Günther Oettinger da nicht weiter ist und eine klarere Sicht der „Welt des Internets“ hat als Sie, lieber Autor. Wie naiv kann man denn sein, wenn man Cloudservices seine intimsten Daten und Fotos anvertraut? Die dann auf einem Server auf der anderen Seite des Planeten stehen. Sie selber wissen – seien Sie ehrlich! – nicht einmal wirklich in welchem Land. Ihre persönlichsten Daten auf einem Serverspeicher, auf den eine unbekannte Anzahl Ihnen vollkommen unbekannter Menschen Zugriff hat.

Wer ist da tatsächlich erschreckend naiv? Wem fehlt da wirklich das vollständige Verständnis der „Welt des Internets“? Nein, lieber Autor, auch bei Cloudservices geben Sie faktisch und real Ihre  informatorische Selbstbestimmung auf. Und ich selber kann der verallgemeinernden Aussage Günther Oettingers nur voll zustimmen, dass es sehr dumm bzw. eigentlich richtig dämlich ist, Nacktfotos oder andere sensible Daten von sich ins „Netz“ zu stellen, auch und gerade in Cloudservices als Teil desselben.

Abschließend darf ich noch ergänzen, dass die vollkommen daneben gegriffene Wahl Ihrer Headline meinen Gesamteindruck des Artikels abrundet. EU-Abgeordneter Martin Sonneborn ist ganz sicher ein begnadeter Selbstdarsteller. Doch so toll war seine von Ihnen herausgegriffene Frage eigentlich gar nicht, auch kein echter Schenkelklopfer … und schon überhaupt gar nicht repräsentativ für die parlamentarische Vorstellung und Befragung von Günther Oettinger (der diese – mal so ganz nebenbei – im Gegensatz zu Anderen im ersten Anlauf mit Bravour absolvierte). Darf ich fragen, warum Sie ausgerechnet diese Momentaufnahme so herausstellen?

Ich würde mir wünschen, lieber namenloser WELT-Redakteur, dass Sie sich bei der zukünftigen journalistischen Begleitung digitaler Themen auf EU-Ebene weniger von sonnebornschen Wichtigtuern blenden lassen und mehr die wirklich kritischen und berichtenswerten Themen herausarbeiten. Da gibt es wahrhaftig genug. Auch für eine echte kritischen Begleitung der Arbeit des neuen Digitalkommissars. Pseudowitzigkeiten kann „Titanic“ besser, das ist da ganz gut aufgehoben. Von der WELT erwarte ich mehr.

 

In diesem Sinne mit Vorfreude,

Ihr ergebener Leser