Teilen macht den Kuchen größer

Kindergeburtstag. 3 Jungs sitzen um den Tisch, vor sich die Geburtstagstorte. Fragt der kleine Tom, den kleinen Jens, „warum hast Du denn Philipp und Mark nicht eingeladen?“  Darauf Jens, „dann hätte ich die Torte ja mit noch mehr Leuten teilen müssen und mein Stück wäre noch kleiner gewesen!“

Klingt erst einmal logisch. Deshalb wohl verhalten sich in manchen Unternehmen die Mitarbeiter ähnlich, wenn es um Wissen geht. Mit je mehr Kollegen man das Wissen teilen muss, umso weniger hat man selber davon.

Ist das so?

Ich behaupte das Gegenteil! Je mehr Menschen ihr Wissen miteinander teilen, umso mehr wächst der „Kuchen“ und umso größer wird das Stück des Einzelnen. Ein 1/5-Stück des gewachsenen Kuchens wird größer sein als ein 1/3-Stück vom alten. Teilen macht nicht nur Freude, sondern eben auch den Wissenskuchen größer, und man hat – nicht trotzdem sondern gerade deswegen – mehr davon.

Aber wie die Mitarbeiter davon bekehren und die Hemmung vor dem Teilen überwinden? Durch positive Erfolgserlebnisse. Ich bin der festen Überzeugung, dass Wissensmanagement ausschließlich über erlebten Erfolg überzeugen kann. Wer einmal das größere Stück „Kuchen“ auf dem Teller gehabt und „geschmeckt“ hat, den braucht man nicht mehr zu überreden. Der Haken: erfolgreiches Wissensmanagement braucht „Aktivierungsenergie“, die Vorleistung jedes Einzelnen, und ausreichend Zeit, um sich kulturell in einem Unternehmen zu etablieren. Eine große Herausforderung an Management und Teamleiter.

Aber Wissensmanagement im Unternehmen ist ja auch schließlich kein Kindergeburtstag.

Advertisements

Medium Online (3/3) – Verleger ohne Verlag

Verleger ohne Verlag

Allen Onlinemedienformaten ist zu eigen, dass sie eigentlich keinen Verlag im herkömmlichen Sinn brauchen. Satz und Druck entfallen. Der Publikationsprozess kann über einen beliebigen Internetserver realisiert werden. Auf diese Weise kann jeder über Nacht sein eigener Verleger werden, ohne auf traditionelle Strukturen angewiesen zu sein. Dies ist elementarer Teil der so genannten Internetrevolution. Faktisch kann online also jeder – ob Einzelperson, Freundeskreis, Printverlag, Internetfirma, Dienstleistungsunternehmen, Behörde, Organisation, Kaninchenzüchterverein – eine eigene Onlinepublikation verlegen bzw. veröffentlichen (rechtliche Rahmenbedingungen siehe onlinejournalistische Berufsethik). Dementsprechend gemischt ist auch die Branche, und dementsprechend vielfältig sind auch die Typen von Kollegen, denen man begegnet – wobei man aber offen gesprochen schon sagen muss, dass die Gilde der Journalisten & Redakteure auch über Online hinaus schon immer ein bunter Haufen von Archetypen war.

Wirtschaftlichkeit & Perspektiven

Ich warne davor, davon auszugehen, dass im Bereich Onlineredaktion tausende offener Stellen entstehen werden, auch wenn diese Erwartung in der Vergangenheit immer wieder einmal geweckt wurden. Dem wird zumindest in absehbarer Zeit definitiv nicht so sein. Und Jobs lassen sich auch nicht herbei reden. Positionen – besonders die wirklich interessanten – sind rar und begehrt. Gleichzeitig ist das Medium Online aber im Vergleich zum Print offener für Quereinsteiger, die ihr Wissen aus einer vorangegangenen Fachausbildung inhaltlich mit einbringen.


 Der Beruf des Onlineredakteurs ist eine interessante Option für Quereinsteiger mit Fachausbildung.


 

Marktprognosen der letzten Jahre für Onlinemedien gehen von „durchwachsen“ bis „riesiges Potenzial“. Daraus kann man keine pauschalen Schlüsse ziehen. Meiner Erfahrung nach werden im öffentlichen Bereich vor allem Publikationen mit eng gefasstem Themenkreis Nischen besetzen und erfolgreich sein. Im Marktsegment der Allgemeininformationen tummeln sich heute bereits zu viele Fische im Teich. Die Leser sind erschlagen von der Fülle. Eine weitere Publikation würde sich nicht genug hervorheben und könnte kaum die Aufmerksamkeit erreichen, die sie bräuchte. Doch Spezialmagazine finden ihre Leser, vielleicht deutlich weniger als bei den Massenpublikationen, doch dafür mit höherer Affinität und engerer Bindung. Und firmeninterne Publikationen sind ohnehin zwangsläufig fach- und branchenspezifisch.

Ich sehe den Erfolg der Spezialisierung aber nicht nur markttechnisch begründet, sondern der klare inhaltliche Rahmen hilft auch der Redaktion, kontinuierlich klar auf der Linie zu bleiben. So wird unnötige Mehrarbeit vermieden und das Team bleibt konzentriert bei der Sache. Es ist auch oft leichter, Werbekunden für Spezialthemen zu finden, bei denen diese sich kontext- und zielgruppennah platziert sehen. Ein Unternehmen, welches Surfboards vertreibt, wird doch eher bei einer kleinen Onlinepublikation über Wassersport Kunden erwarten und Anzeigen schalten, als bei Spiegel Online.


Erfolgreiche Onlinepublikationen nutzen Synergien und vermeiden Redundanzen. Sie nutzen die Medienkonsistenz konsequent für eine wirtschaftliche Produktion und Verwertung ihrer Inhalte.

Ein Vorteil ist eine eindeutige thematische Positionierung mit klarem inhaltlichen Rahmen.


Beim Thema Vermarktung werde ich versuchen zu zeigen, dass es auch Vorteile haben kann, mit etablierten Verlegern zusammen zu arbeiten. Denn es sind bisher vor allem die verlagsgebundenen Onlinepublikationen, die lebensfähig sind und wenigstens ihre Produzenten ernähren können. Und von jenen sind es auch nur einige wenige – wie beispielsweise ‚Focus Online‘ – die in den letzten Jahren tatsächlich einen wirtschaftlichem Nettogewinn generieren konnten.

Bei den reinen Onlinern unter den General-Interest-Onlinemagazinen waren es zum Beispiel ‚Nettavisen‚ aus Norwegen (deren Verlegern inzwischen auch die deutsche ‚Netzeitung‘ gehört) sowie das Microsoft-eigene ‚Slate‚, die in der Vergangenheit mit Gewinn arbeiteten. Nettavisen schrieb 2000 bereits 4 Jahre nach Gründung trotz des beträchtlichen Stammes von bis zu 43 Mitarbeitern schwarze Zahlen. Slate wurde nach insgesamt 7 Jahren und einer Anlauffinanzierung von 20 Millionen US$ das erste Mal profitabel. Das mit Slate konkurrierende Magazin ‚Salon‚ hat es dagegen zuletzt mit Paid-Content versucht und musste sich nach einer Beinahepleite umorientieren.



 

Nachtrag 2014:

7 Jahre nach der Verfassung dieses Textes etaliert sich Paid Content langsam. Meiner Ansicht nach vor allem durch die zunehmende Verbreitung von Smartphones und Tablets, welche anscheinend die Bereitschaft, für digitale Leistungen zu bezahlen, grundsätzlich erhöht haben. Die deutsche WELT hat über die letzten 3-4 Jahre konsequent und erfolgreich ein Bezahlsystem für digitale Multichannel-Inhalte aufgebaut und etabliert. Die WELT war hier definitiv Pionier auf dem deutschen Markt. Mittlerweile wird das Modell auf weitere Springer-Medien ausgedehnt, und auch Publikationen anderer Verlage lehnen sich zunehmend daran an.

Auf dem internationalen Markt ist inzwischen die „Huffington Post“ eine echte Hausnummer (inzwischen sogar mit deutschem Ableger) und eines von vielen Gegenbeispielen für die Behauptung, dass mit Onlineinhalten kein Geld zu verdienen sei.