In welcher Gesellschaft will ich leben

Ich habe schon seit längerem zwei konkrete Erwartungshaltungen an Politik und Gesellschaft in Deutschland.

Ersten möchte ich, dass jeder, der zu uns kommt – egal ob als Asylbewerber, Flüchtling oder Zuwanderer – und der sich in einer offenen Gesellschaft mit Freiheit und Selbstbestimmung ein neues Leben aufbauen will, dass der (oder die) bei uns bleiben kann und ausdrücklich geschützt wird.

Bin ich deshalb links?

Zweitens erwarte ich, dass jeder Zuwanderer, der auch nur im Ansatz …

  • in Worten oder Taten gegen unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung agiert,
  • gegen bei uns geltenden Gesetz, Regeln und Verhaltensnormen verstößt, oder
  • von sich aus keine deutliche Bereitschaft zeigt, sich aktiv in die deutsche Gesellschaft und den herrschenden Kultur- und Wertekonsens zu integrieren

unser Land sofort und ohne Umwege zu verlassen hat.

Bin ich deshalb rechts?

Nach den letzte Tagen, mit einer Serie von enthemmten Gewalttaten Nizza, Würzburg, Reutlingen, Ansbach und Saint-Étienne-du-Rouvray, wird mir eines klar. Es gibt ein gemeinsames Muster. Die Gewalt geht von Menschen aus, die offensichtlich das Leben in einer offenen, freiheitlichen, vielfältigen Gesellschaft ablehnen und nicht schätzen. (München ist für mich ein anderer Fall, und deshalb werfe ich ihn bewusst nicht in denselben Topf)

Mit wird auch klar, dass die Grenze in diesen Tagen nicht verläuft zwischen Einheimische und Zuwanderern, Deutschen und Nichtdeutschen, Islam oder Christentum, Gläubigen und Atheisten, rechts und links, Orient und Okzident.

Nein, die Grenze in diesen Tagen verläuft zwischen Freiheitsliebenden und Totalitären.

Da gibt es auf der einen Seite …

  • „eingeborene“ Deutsche die ihr Leben in Frieden und Freiheit führen wollen
  • Flüchtlinge und Zuwanderer, die sich mit eigener Kraft und voller Freude ein neues Leben in einer offenen Gesellschaft aufbauen wollen

Und es gibt …

  • islamistische Betonköpfe
  • rechte Proleten
  • linke Radikale
  • Gewalt, Intoleranz, Totalitarismus, Hass, Mobbing

Wird sind in einem Kampf zwischen Menschen guten Willens und autoritären Fanatikern unterschiedlichster Couleur, zwischen Menschen, die den Frieden schätzen, und Gewaltfetischisten. Und dabei ist es für mich vollkommen egal, ob die gewaltbereiten Totalitären islamistisch sind, oder rechts, oder links, dumm oder intelligent. In ihrer Gewaltbereitschaft, Intoleranz und Fanatismus sind sie vereint und stehen gegen die Gesellschaft, die ich liebe und in der ich mich wohlfühle.

Freiheit, Selbstbestimmung, Demokratie und Frieden sind nicht selbstverständlich, Die Form der Gesellschaft, in der wir leben ist nicht selbstverständlich. Entwicklungen gehen nicht zwangsläufig zum Besseren. Freiheit wurde unter Menschen noch nie geschenkt, sondern musste immer erkämpft und verteidigt werden. Das sind einerseits Binsenweisheiten, bei deren Aufzählung die meisten brav nicken … und doch ist uns die Konsequenz daraus oft nicht wirklich bewusst.

Freiheit, Selbstbestimmung, Demokratie und Frieden müssen verteidigt werden, jeden einzelnen Tag. Sonst haben wir sie nicht verdient. Wir gehe spannenden Zeiten entgegen. Gehen wir es an!

 


 

Siehe auch …

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Aufreger schweizerisches Minarettverbot

Ende 2009 tobte mal wieder ein Sturm durch den deutschen Blätterwald. Entrüstung allenthalben. Die Schweiz hatte mal wieder basisdemokratisch zugeschlagen. So viel Demokratie wurde dann selbst manchem selbsternannten Kontrolleur der demokratischen Institutionen zu viel.

Doch, die schweizerische Mehrheit für ein Minarettverbot alleine durch Islamophobie zu erklären, ist mir ein bisschen zu einfach. Politiker europaweit inklusive der üblichen Berufsbetroffenen lamentierten über das Abstimmungsergebnis. Sie verfielen teilweise sogar in Beleidigungen gegenüber den schweizerischen Nachbarn, vor allem um einer Stimmung in der arabischen Welt entgegen zu kommen, die eigentlich immer nur zwischen tiefem beleidigt-sein und direkter körperlicher Bedrohung von Menschen schwankt.

Ich stutze. Lamenti aus einer arabischen Staatenwelt wurden akzeptiert, in der die propagierte freie Religionsausübung und demokratische Beteiligung – wie wir und die Schweizer sie kennen – nur eine Farce sind. Oft noch nicht einmal das. Nein, wer von anderen fordert, was er selber nicht zu leisten bereit ist, der ist weder integer noch glaubwürdig. In der Schweiz und den EU Staaten sind Moscheen und der Neubau von Moscheen selbstverständlicher Alltag. Man versuche mal, in den meisten arabischen Ländern oder der Türkei eine Kirche zu eröffnen … auch ohne Kirchturm. Nein, Mitteleuropa ist hier schon lange in keiner Vorleistungspflicht mehr. Doch ich schweife ab.

Das entscheidende ist: bei dem schweizerischen Minarettverbot handelte sich um eine selbstbestimmte, demokratische Entscheidung, und die galt und gilt es zu respektieren. Hier zeigt sich, wie viel uns die oft beschworene Demokratie wirklich wert ist. Vor allem dann, wenn sich der Demos einmal unbequem äußert. Der Umgang von Teilen der Presse damit stimmt mich jedoch eher sorgenvoll nachdenklich.